DAX-Konzerne: 47.700 Stellen gestrichen – CDU-Arbeitnehmerflügel fordert Kurswechsel
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medienberichte über einen deutlichen Personalabbau bei den deutschen DAX-Konzernen im europäischen Vergleich haben eine Debatte über die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Ausrichtung ausgelöst. Während Großunternehmen teils hohe Milliardengewinne verzeichnen, schrumpfen die Belegschaften vor allem in der heimischen Industrie. Vor diesem Hintergrund fordert der Arbeitnehmerflügel der CDU eine spürbare sozialpolitische Kurskorrektur.
Rekordgewinne bei gleichzeitigem Personalabbau
Nach einer Untersuchung des Beratungsunternehmens EY strichen die 40 DAX-Konzerne im vergangenen Jahr insgesamt 47.700 Arbeitsplätze. Im Inland fiel 1 Prozent aller Jobs weg, während im Ausland – wo zwei Drittel aller Beschäftigten tätig sind – ein Rückgang von 1,3 Prozent verzeichnet wurde.
Im europäischen Vergleich steht Deutschland damit besonders unter Druck: Bei Frankreichs führenden Börsenunternehmen sank die Beschäftigtenzahl lediglich um 0,2 Prozent, während Italien und Spanien jeweils einen Zuwachs von 0,9 Prozent verzeichneten.
Gleichzeitig verzeichneten die Unternehmen robuste Finanzergebnisse. Im ersten Halbjahr 2026 steigerten die DAX-Unternehmen ihre Profite um 13,5 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro. Mindestens 13 DAX-Konzerne erzielten 2026 Rekordgewinne. Das Handelsblatt Research Institute rechnet für das Jahresende mit einem Gesamtplus von knapp 130 Milliarden Euro.
Besonders stark vom Personalabbau betroffen sind Großkonzerne: 69 Prozent der DAX-Unternehmen mit mehr als 100.000 Beschäftigten verkleinerten ihre Teams; insgesamt sank deren Stellenanzahl um 0,3 Prozent. Dagegen bauten kleinere gelistete Firmen ihre Belegschaften um 3,5 Prozent aus, während Unternehmen mit weniger als 25.000 Mitarbeitern ein Plus von 0,7 Prozent meldeten.
Constantin Gall, Partner bei EY-Parthenon, bezeichnete den Befund als ernstes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. EY-Mitautor Martin Gerber wies darauf hin, dass viele Restructuring-Programme erst zeitverzögert in den Beschäftigtenzahlen sichtbar werden dürften.
Branchenunterschiede und Verlagerung nach Übersee
Von den 155 untersuchten Konzernen in Europa arbeiten nur noch 60 Prozent der Belegschaften auf dem Heimatkontinent. Im Jahr 2025 sanken die Arbeitsplätze in Europa um 1,1 Prozent, während in den Regionen Nordamerika und Asien-Pazifik Zuwächse verzeichnet wurden.
Zwischen den Wirtschaftszweigen zeigen sich deutliche Unterschiede: Den größten Abbau verzeichneten Konsumgüterproduzenten und die Pharmaindustrie mit jeweils über 4 Prozent. In der Automobilbranche fielen die Einschnitte im Inland mit einem Minus von 4 Prozent spürbar stärker aus als an ausländischen Standorten mit einem Rückgang um 1 Prozent. Zuwächse verbuchte hingegen die Rüstungsindustrie, deren Belegschaften um 4,3 Prozent wuchsen.
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CDU-Sozialflügel verlangt programmatischen Wechsel
Die Entwicklung am Arbeitsmarkt verstärkt den politischen Handlungsdruck. Der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dennis Radtke, übte deutliche Kritik an der eigenen Partei nach Niederlagen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
Die Partei werde ihrem Anspruch, Volkspartei zu sein, nicht mehr gerecht und sei weder eine FDP-light noch eine rein konservative Kraft. In Sachsen-Anhalt hätten 70 Prozent der ehemaligen CDU-Wähler, die zuvor Reiner Haseloff gewählt hatten, angegeben, die Partei kümmere sich nicht um Arbeitnehmerinteressen.
Radtke forderte eine breitere personelle Aufstellung sowie veränderte Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster von Parteichef Friedrich Merz. Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt verlangte einen programmatischen Neuanfang. Das CDU-Präsidium tagt am 11. Oktober in Berlin zu einer Klausurtagung.
Inhaltlich spricht sich Radtke gegen geplante Kürzungen beim Elterngeld aus, während die Mütterrente ausgeweitet werde. Zudem fordert die CDA, Tarifgrenzen zum Schutz vor der kalten Progression automatisch an die Inflationsrate anzupassen.
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Die Erhöhung der Reichensteuer könne mitgetragen werden, sofern Personengesellschaften geschützt blieben. Ausnahmen bei der Erbschaftsteuer dürften nur für tatsächlich betriebsnotwendiges Vermögen gelten, flankiert von langfristigen Stundungen; das Bundesverfassungsgericht entscheidet im kommenden Monat über diese Steuerregelungen.
Weitere Forderungen des Arbeitnehmerflügels betreffen die steuerliche Entlastung für Erstkäufer selbstgenutzter Immobilien bei einer gleichzeitigen Nachversteuerung von Abschreibungen bei Weiterverkauf nach zehn Jahren.
Im Gesundheitsbereich solle das duale Krankenversicherungssystem bestehen bleiben, jedoch durch eine zentrale digitale Patientensteuerung mit verbindlicher Dringlichkeitsvergabe ergänzt werden.
Für die Rentenreform fordert Radtke eine verlässliche Anschlusslösung für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren sowie für Beschäftigte in belasteten Berufen wie der Pflege und dem Bauwesen, anstelle pauschaler Regelungen für alle Gruppen.
