Deutschland, Bahn

Bahn mit boomender Nachfrage - und zahlreichen Baustellen

27.07.2023 - 14:38:18 | dpa.de

Der DB-Konzern kĂ€mpft an vielen Fronten: Ein sanierungsbedĂŒrftiges Schienennetz, hohe Schulden und eine kriselnde GĂŒterverkehrstochter gehören dazu. An einer großen Baustelle zeichnet sich nun ein Ende ab.

  • Ein ICE und ein Regionalzug im Hauptbahnhof Frankfurt: Die Deutsche Bahn prĂ€sentiert die wirtschaftliche Bilanz fĂŒr das erste Halbjahr 2023. - Foto: Helmut Fricke/dpa
  • Ein ICE und ein Regionalzug im Hauptbahnhof Frankfurt: Die Deutsche Bahn hat die wirtschaftliche Bilanz fĂŒr das erste Halbjahr 2023 prĂ€sentiert. - Foto: Helmut Fricke/dpa
Ein ICE und ein Regionalzug im Hauptbahnhof Frankfurt: Die Deutsche Bahn prĂ€sentiert die wirtschaftliche Bilanz fĂŒr das erste Halbjahr 2023. - Foto: Helmut Fricke/dpa Ein ICE und ein Regionalzug im Hauptbahnhof Frankfurt: Die Deutsche Bahn hat die wirtschaftliche Bilanz fĂŒr das erste Halbjahr 2023 prĂ€sentiert. - Foto: Helmut Fricke/dpa

Keine Warnstreiks bei der Bahn in den Sommerferien: Mit dem Schlichterspruch im Tarifstreit der Deutschen Bahn gibt es fĂŒr die Millionen Kundinnen und Kunden des bundeseigenen Konzerns zumindest etwas Hoffnung. Sollten die Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft dem Kompromissvorschlag der Schlichter in den nĂ€chsten Wochen zustimmen, gibt es nicht nur fĂŒr FahrgĂ€ste, sondern auch die Bahn einen großen Unsicherheitsfaktor weniger. Dass die Bahn trotzdem weiter in schwierigem Fahrwasser unterwegs ist, zeigt die Halbjahresbilanz, die der Konzern in Berlin vorlegte.

Da wĂ€re zum einen die hohe UnzuverlĂ€ssigkeit. «Wir wissen, dass wir unseren Kundinnen und Kunden aktuell viel zumuten», sagte Bahnchef Richard Lutz. Nur 68,7 Prozent der FernzĂŒge waren im ersten Halbjahr ohne grĂ¶ĂŸere Verzögerung unterwegs, wie die Bahn mitteilte. In diesem Jahr strebt sie eine PĂŒnktlichkeitsquote von mehr als 70 Prozent an. Hauptgrund fĂŒr VerspĂ€tungen bleibt das ĂŒberlastete Schienennetz. «Zu störanfĂ€llig, zu alt und zu knapp bemessen an dem Verkehr, der da gerade stattfindet», sei die Infrastruktur der Bahn, sagte Lutz.

Milliarden fĂŒr Sanierung und Ausbau

Zahlreiche Baustellen bremsen den Personen- und GĂŒterverkehr aus. Rund zwei Drittel aller FernzĂŒge seien von Baustellen betroffen. Die Bahn geht mit Milliardensummen in Vorleistung, um die Investitionen in Sanierung und Ausbau zu stemmen. Geld, von dem der Konzern einen Großteil vom Bund wiederbekommen soll. Doch in diesem Jahr drĂŒcken die Ausgaben die Bahn deutlich in die Verlustzone. Rund 71 Millionen Euro betrug der Fehlbetrag, den der Konzern im ersten Halbjahr unterm Strich, also nach Zinsen und Ertragsteuern, einfuhr. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Gewinn von rund 424 Millionen Euro.

Der Konzernumsatz ging um 10,7 Prozent auf 24,97 Milliarden Euro zurĂŒck. Dass zumindest vor Zinsen und Steuern ein um Inflationseffekte bereinigter operativer Gewinn (Ebit) von 331 Millionen Euro herauskam, hat der Konzern erneut der Logistiktochter DB Schenker zu verdanken. Das Unternehmen habe im ersten Halbjahr 2023 einen operativen Gewinn von 626 Millionen Euro erzielt, hieß es. Derzeit prĂŒft der Konzern aber einen Verkauf des Logistikkonzerns.

Hunderte ungeplante Baustellen

Neben der Auflösung des Sanierungsstaus auf der Schiene kommen in diesem Jahr Hunderte ungeplante Baustellen hinzu. Nach dem ZugunglĂŒck in Garmisch-Partenkirchen vor etwas mehr als einem Jahr tauscht die Bahn vorsichtshalber fast 400.000 Betonschwellen aus. Die Bundesstelle fĂŒr Eisenbahnunfalluntersuchung hatte im Juni in einem Zwischenbericht Materialfehler an diesen Bauteilen als Hauptursache fĂŒr das ZugunglĂŒck ausgemacht. An zahlreichen zusĂ€tzlichen Stellen im Netz mĂŒssen die ZĂŒge nun langsamer fahren, bis die Schwellen untersucht und ausgetauscht werden.

Lutz: «Boom im Bahnfahren»

Doch die vielen VerspĂ€tungen und ZugausfĂ€lle halten die Menschen bisher nicht davon ab, die Bahn zu nutzen. «Wir haben einen Boom im Bahnfahren», sagte Lutz. Allein im Fernverkehr verzeichnete der Konzern zwischen Januar und Juni dieses Jahres rund 68 Millionen FahrgĂ€ste. Das waren 15,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Deutschlandticket habe den Trend bereits in den ersten zwei Verkaufsmonaten mit branchenweit rund elf Millionen Abonnenten im Regionalverkehr zusĂ€tzlich beflĂŒgelt. «Das ist der wichtigste Faktor, um die ErtrĂ€ge auszuweiten», betonte der Konzernchef.

In den Griff bekommen mĂŒssen die Verantwortlichen auch die Probleme im GĂŒterverkehr. Auch hier sorgt eine hohe UnpĂŒnktlichkeit fĂŒr unzufriedene Kunden. DB Cargo soll umstrukturiert werden, ohne dass dafĂŒr Stellen im operativen Bereich wegfallen sollen, betonte Unternehmenschefin Sigrid Nikutta kĂŒrzlich. Die Bahn-Tochter fuhr im ersten Halbjahr einen Verlust von fast 860 Millionen Euro ein - vor allem aufgrund des unrentablen Einzelwagenverkehrs.

Weiter VerspÀtungen und ZugausfÀlle zu erwarten

Bis sich die Situation auf der Schiene bessert, wird es dauern. ZunĂ€chst mĂŒssen sich FahrgĂ€ste und GĂŒter-Kunden auch in den nĂ€chsten Jahren auf zahlreiche VerspĂ€tungen und ZugausfĂ€lle einstellen. Mit einer Generalsanierung will die Bahn wichtige Korridore vollsperren und innerhalb weniger Monate komplett auf Vordermann bringen. Start ist ab kommendem Sommer auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Nach und nach sollen weitere Knoten auf diese Weise aufgelöst werden und der Bahnverkehr besser fließen.

Der Bund will zudem die Infrastruktursparte vom Gewinndruck befreien und in eine gemeinnĂŒtzige Gesellschaft ĂŒberfĂŒhren. Die Regierung hat zudem fĂŒr die kommenden zwei Jahre rund 15 Milliarden Euro an zusĂ€tzlichen Investitionsmitteln beschlossen. Das Geld wird die Bahn brauchen, denn auf Dauer könne sie die hohen Investitionen alleine nicht stemmen, betonte Lutz.

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