Nord Stream 2 AG kann weiter machen
09.05.2025 - 12:01:42 | dpa.deAndernfalls wÀre nach Schweizer Recht der Konkurs verhÀngt worden - was einem deutschen Insolvenzverfahren entspricht. Nord Stream 2 gehört dem russischen Staatskonzern Gazprom US3682872078 und hat seinen Sitz im Kanton Zug.
GroĂglĂ€ubiger wie die westeuropĂ€ischen Energiekonzerne Engie FR0010208488, OMV AT0000743059, Shell GB00BP6MXD84, Uniper DE000UNSE018 und Wintershall einigten sich am 30. April auf einen Nachlassvertrag, wie das Gericht mitteilte. Weil dagegen noch Beschwerde eingelegt werden kann, erteile es keine weiteren AuskĂŒnfte.
Die GroĂglĂ€ubiger dĂŒrften erhebliche AbschlĂ€ge auf ihre Investitionen in Kauf genommen haben. Sie hatten MilliardenbetrĂ€ge investiert. Um den Nachlassvertrag wurde zweieinhalb Jahre gerungen. Der Bau der Pipeline kostete knapp zehn Milliarden Euro.
KleinglÀubiger entschÀdigt
Die Forderungen der KleinglÀubiger - darunter zahlreiche Baufirmen in Mecklenburg-Vorpommern - sollten gemÀà Weisung des Gerichts von Januar voll entschÀdigt werden. Zumindest einige haben zuletzt bestÀtigt, dass ihre Rechnungen beglichen wurden.
Die Nord Stream 2 sollte Erdgas aus Russland durch zwei 1.200 Kilometer lange StrĂ€nge in der Ostsee nach Deutschland bringen. Die Pipeline wurde fertig gebaut, ging aber nie in Betrieb. Kurz nach dem russischen Ăberfall auf die Ukraine im Februar 2022 stoppte die deutsche Regierung das Projekt. Einer der RöhrenstrĂ€nge wurde bei einem Anschlag im September 2022 zerstört, ebenso wie die StrĂ€nge der bereits in Betrieb genommenen Nord-Stream-1-Pipeline.
US-Interesse fĂŒr Pipeline
In Medien wurde zuletzt ĂŒber den Einstieg von US-Investoren spekuliert. Genannt wird etwa der wohlhabende US-GeschĂ€ftsmann und UnterstĂŒtzer von US-PrĂ€sident Donald Trump, Stephen P. Lynch. Dem "Wall Street Journal" sagte er, der Kauf sei eine einmalige Gelegenheit, die Energieversorgung Europas unter amerikanische und europĂ€ische Kontrolle zu bringen. Die Idee ist, russisches Gas durch eine dann amerikanische Pipeline nach Europa zu pumpen. Lynch ist seit 20 Jahren in Osteuropa und Russland tĂ€tig.
Der Pipeline-Betrieb könnte Teil einer amerikanisch-russischen Vereinbarung zur Beilegung des Ukraine-Kriegs werden. Der russische AuĂenminister Sergej Lawrow hatte im MĂ€rz im staatlichen Fernsehen gesagt: "Ăber Nord Stream wird gesprochen."
Der Gasmarkt-Analyst Heiko Lohmann meinte dazu: "Ich wĂŒrde nicht ausschlieĂen, dass US-Investoren die Pipeline fĂŒr den Transport von russischem Gas kaufen und US-PrĂ€sident Donald Trump dann Druck ausĂŒbt, dass die EuropĂ€er das auch nutzen", sagte er der dpa. "Es gibt ja bisher keine Sanktionen gegen russisches Gas." Allerdings hat die EU gerade erst PlĂ€ne vorgelegt, wie der Import von russischem Gas bis 2027 gĂ€nzlich gestoppt werden soll.
Neue Verwendung der Pipeline
Lohmann ist skeptisch, was die Weiterverwendung der Pipeline angeht. "Gaswirtschaftlich gesehen sehe ich keine Zukunft fĂŒr die Nord Stream 2, als Erdgaspipeline", sagte Lohmann der dpa. "Wenn es ĂŒberhaupt einen fairen Frieden zwischen Russland und der Ukraine gibt, mit vermittelt von der EU, dann könnten russische Gaslieferungen Teil der Zukunft sein. Aber da wĂŒrde man die Pipelines durch die Ukraine und Polen nutzen. Die benötigten Mengen wĂ€ren dann so, dass man die Nord Stream 2 gar nicht braucht."
Es sei geprĂŒft worden, dass die Pipeline auch Wasserstoff transportieren könnte, etwa von Finnland nach Deutschland. "Wie realistisch das ist, ist schwer zu sagen", sagte Lohmann.
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