WaldschÀden verÀndern CO2-Bilanz von Teilen des Amazonas-Regenwaldes
05.08.2024 - 21:05:04 | dpa.deDas ergibt sich aus der Auswertung von detaillierten Luftaufnahmen in den brasilianischen Bundesstaaten RondÎnia, Mato Grosso und Parå in den Jahren 2016 bis 2018. Wie die Studie unter Leitung von Ovidiu Csillik vom California Institute of Technology in Pasadena zeigt, haben die WaldschÀden dabei ganz unterschiedliche Ursachen, wobei der Mensch oft eine Rolle spielt.
Bedrohte "grĂŒne Lunge"
Der Regenwald des Amazonasgebiets in SĂŒdamerika beherbergt mehr als zehn Prozent aller auf der Welt lebenden terrestrischen Arten, so eine kĂŒrzlich im Fachblatt "Nature" veröffentlichte Studie. Wie diese ausfĂŒhrt, trage das Gebiet ĂŒber den NettokĂŒhlungseffekt durch die Verdunstung von Wasser zur Stabilisierung des Erdklimas bei. AuĂerdem speichere der Regenwald eine Menge Kohlenstoff, die dem weltweiten CO2-AusstoĂ von 15 bis 20 Jahren entspricht. Doch Abholzung und andere WaldschĂ€digungen bedrohen diese Rolle, die der Amazonas-Regenwald als "grĂŒne Lunge" der Erde fĂŒr das Weltklima spielt. MaĂnahmen der aktuellen brasilianischen Regierung haben die Waldzerstörung indes zuletzt deutlich verringert.
"SatellitengestĂŒtzte AnsĂ€tze leiden trotz ihrer gröĂeren Reichweite unter einer groben Auflösung, die es schwierig macht, das AusmaĂ und die IntensitĂ€t der WaldschĂ€digung zu beziffern", schreiben nun die Autorinnen und Autoren der aktuellen Arbeit, ĂŒber die im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS") berichtet wird.
Sie verwendeten deshalb Aufnahmen aus Flugzeugen, die in einer Höhe von 600 Metern in 99 Messstreifen ĂŒber das Untersuchungsgebiet flogen. Dabei kam die sogenannte Lidar-Technologie zum Einsatz: eine dem Radar verwandte Methode, die in etwa einem dreidimensionalen Laserscanning entspricht. Auf diese Weise bestimmte die Forschungsgruppe unter anderem die Höhe der Baumkronen. Das Untersuchungsgebiet wurde jeweils zweimal im Abstand von einem bis anderthalb Jahren ĂŒberflogen.
Die Studien-Region hat eine FlĂ€che von 544.300 Quadratkilometern, was 8,2 Prozent des gesamten Amazonasgebiets (etwa 6.600.000 Quadratkilometer) ausmacht. Csillik und sein Team entdeckten WaldschĂ€den auf 21,6 Prozent der untersuchten FlĂ€che. Davon entfielen 0,7 Prozent auf HolzfĂ€llung, 0,7 Prozent auf die Urbarmachung fĂŒr die Landwirtschaft und 2,8 Prozent auf Feuer. Die Feuer im Amazonasgebiet werden der Forschungsgruppe zufolge fast alle von Menschen entzĂŒndet. So ergibt sich ein Anteil von 4,2 Prozent der FlĂ€che, der durch menschliche AktivitĂ€ten geschĂ€digt wurde.
Ăberraschend viel Sturmholz
Die SchĂ€den auf den ĂŒbrigen 14,7 Prozent der geschĂ€digten FlĂ€che fĂŒhrt das Team um Csillik auf kleinere natĂŒrliche und menschengemachte Störungen zurĂŒck, die nicht mit hoher Sicherheit identifiziert werden konnten. FĂŒr die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ĂŒberraschend war der groĂe Anteil an SchĂ€digungen durch Windbruch - also heftigen Wind - mit 2,7 Prozent. Auf 62,1 Prozent der FlĂ€che zeigte sich keine Ănderung zwischen den beiden Aufnahmen. Auf 16,3 Prozent der FlĂ€che stellten die Forschenden darĂŒber hinaus ein deutlich erkennbares Waldwachstum fest.
Dies reicht jedoch nicht, um die Kohlenstoffemissionen der geschĂ€digten FlĂ€chen auszugleichen. Der AusstoĂ summiert sich im Untersuchungszeitraum auf 134,6 Millionen Tonnen Kohlenstoff, wĂ€hrend durch das Waldwachstum 44,1 Millionen Tonnen aus der Luft aufgenommen wurden. Das ergibt in der Bilanz Emissionen von jĂ€hrlich 90,5 Millionen Tonnen Kohlenstoff zwischen 2106 und 2018 auf der untersuchten FlĂ€che. Die Kohlenstoffbilanz des Bodens wurde dabei jedoch nicht berĂŒcksichtigt. Die Autorinnen und Autoren schlieĂen: "Diese Studie hebt die Rolle der WaldschĂ€digung in der Kohlenstoffbilanz dieser kritischen Region im Erdsystem hervor."
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