Derby in Köln: EinsatzkrÀfte brauchten bis zu acht Minuten zum Oberrang
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deAm 11. Oktober 2026 kam es beim rheinischen Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach am fĂŒnften Spieltag der FuĂball-Bundesliga zu schweren Ausschreitungen.
Nach Angaben der Kölner Polizei wurden mindestens sechs Menschen verletzt, darunter zwei Stadionbesucher inklusive eines Kindes, eine Ordnerin sowie drei Polizeibeamte. Die Behörden wiesen darauf hin, dass sich die Zahl der registrierten Verletzten im Nachgang noch erhöhen könne.
Spielunterbrechung nach Tor und BeschÀdigung von Sicherheitsbarrieren
Den Auslöser fĂŒr die ZusammenstöĂe bildete der 2:1-Siegtreffer durch Said El Mala (20) in der 67. Spielminute. Im Anschluss warfen GĂ€stefans Leuchtraketen sowie Feuerwerkskörper und zerstörten Plexiglas-TrennwĂ€nde mit NothĂ€mmern, woraufhin die Begegnung fĂŒr mehrere Minuten unterbrochen werden musste.
Videoaufzeichnungen belegen, dass AnhĂ€nger von Borussia Mönchengladbach die Trennscheibe im Oberrang Nord mit einem mitgebrachten, kleinen Nothammer â Ă€hnlich den Modellen im öffentlichen Nahverkehr â zertrĂŒmmerten und Pyrotechnik gezielt in den Kölner Zuschauerbereich abfeuerten. Daraufhin kam es zu gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen beider Fanlager, bei denen unter anderem GĂŒrtel eingesetzt wurden.
Ermittlungsverfahren und Details zur Verletztenbilanz
Die Polizei Köln leitete Ermittlungen in bislang mehr als 20 FĂ€llen ein, schwerpunktmĂ€Ăig wegen Körperverletzung sowie VerstöĂen gegen das Sprengstoffgesetz. Auch bei den erfassten Straftaten rechnet die Polizei mit einem weiteren Anstieg. Ein TatverdĂ€chtiger wurde festgenommen, nachdem er einem Polizisten in den RĂŒcken getreten haben soll. Einsatzleiterin Mareike de Valck kĂŒndigte ein entschlossenes Vorgehen bei der Aufarbeitung an.
Nach den polizeilichen Erkenntnissen wurde eine Ordnerin bereits vor Spielbeginn durch einen Böller im Mönchengladbacher Block verletzt. Unter den geschÀdigten Stadionbesuchern befanden sich zudem ein Kind mit Ohrenschmerzen sowie eine Frau, die von einem Feuerwerkskörper getroffen wurde. Zudem trugen drei Beamte Verletzungen davon.
Der erste Praxiseinsatz des neuen NRW-Sicherheitskonzepts hat gezeigt, wie schnell EinsatzkrĂ€fte an ihre Grenzen kommen: Ăber fĂŒnf Minuten brauchten die KrĂ€fte bis zum Oberrang, aus Polizeikreisen war sogar von sieben bis acht Minuten die Rede. Wer als Sicherheitsverantwortlicher jetzt nicht nachsteuert, riskiert beim nĂ€chsten Risikospiel denselben Kontrollverlust. Unser kostenloser Report bĂŒndelt die wichtigsten Hebel â von der Einlasskontrolle bis zum Eskalationsplan. Jetzt kostenlosen Sicherheits-Report anfordern
Sicherheitskonzept der Stadionallianz NRW unter Beobachtung
Die Begegnung war der erste Praxiseinsatz eines neuen Sicherheitskonzepts der Stadionallianz NRW. An der Allianz sind das Landesinnenministerium, die Vereine der ersten drei Profiligen sowie die Landespolizei und die Bundespolizei beteiligt. Der im Juli von Landesinnenminister Herbert Reul vorgestellte Rahmen sieht vor, dass die Clubs im Stadion eigenstĂ€ndig fĂŒr Ordnung sorgen, wĂ€hrend die Polizei ihre PrĂ€senz vor Ort reduziert.
In der Folge benötigten die EinsatzkrĂ€fte ĂŒber fĂŒnf Minuten, um den Oberrang zu erreichen. Aus Polizeikreisen verlautete, dass der Einsatzweg zum Eskalationsort sieben bis acht Minuten in Anspruch genommen habe, wobei auch die frĂŒhere Einsatzkonzeption kaum ein schnelleres Eingreifen ermöglicht hĂ€tte. Innenminister Reul stellte öffentlich die Frage, wie die Pyrotechnik trotz Kontrollen in die Arena gelangen konnte.
VereinsfĂŒhrungen und Gewerkschaften fordern Konsequenzen
Philipp TĂŒroff (50), GeschĂ€ftsfĂŒhrer des 1. FC Köln, erklĂ€rte, dass die Trennung im Oberrang Nord mit einer festen Sicherheitsglaswand die stabilste Absperrung im gesamten Stadion darstelle.
Im Oberrang Ost hĂ€tten zusĂ€tzlich nicht verkaufte Sitzreihen und Ordner als Puffer gedient. Die Zerstörung einer solchen Scheibe mit Werkzeugen sei im Kölner Stadion ein Novum, obwohl die Schleusen fĂŒr den GĂ€steeinlass bereits eine Stunde frĂŒher geöffnet worden seien.
Trotz Einlasskontrollen gelangten Pyrotechnik und ein mitgebrachter Nothammer in den GĂ€steblock â die Gewerkschaft der Polizei stufte die Kontrollen des Veranstalters als erkennbar ungenĂŒgend ein. PrĂŒfen Sie mit unserem Compliance-Audit, wo Ihr Sicherheitskonzept nach dem neuen NRW-Rahmen angreifbar ist, bevor Aufsicht und Kostendiskussion Sie einholen. Sicherheitskonzept jetzt prĂŒfen lassen
TĂŒroff betonte, der Vorfall belege, dass Sicherheit ohne Polizei im Stadion nicht gewĂ€hrleistet werden könne; derartige Szenen hĂ€tten im FuĂball keinen Platz. Auch Markus Aretz, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Borussia Mönchengladbach, verurteilte die VorfĂ€lle und bezeichnete Böller- sowie RaketenwĂŒrfe als völlig unhaltbar.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) NRW stufte die Einlasskontrollen des Veranstalters als ungenĂŒgend ein und erneuerte die bereits vom NRW-Landesrechnungshof erhobene Forderung, Vereine an den Einsatzkosten der Polizei zu beteiligen. Der Landesvorsitzende der DPolG NRW, Sascha Gerhardt, brachte bei wiederkehrenden MĂ€ngeln zudem Spielabsagen oder Geisterspiele ins GesprĂ€ch.
