Desinformation-Abwehr: Berlin präsentiert KI-Tool zur Wahl am 20. September
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 02:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Recherchezentrum CORRECTIV hat die aktive Workshopphase des Projekts „Brandherd Desinformation“ erfolgreich beendet. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Jugendfeuerwehr wurden bis zum 29. August 2026 Schulungen an insgesamt sechs Standorten durchgeführt, um junge Ehrenamtliche für den Umgang mit manipulierten Nachrichten und digitalen Falschinformationen zu sensibilisieren.
Das Projekt, das durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wird, unterstreicht die wachsende Bedeutung von Informationskompetenz als präventive Maßnahme gegen gesellschaftliche Destabilisierung.
Bildungsangebote und digitale Sprechstunden für Multiplikatoren
Nach Abschluss der Vor-Ort-Termine stellt die Organisation die entwickelten Bildungsmaterialien auf der Plattform reporter4you.de frei zugänglich zur Verfügung. Damit soll eine breitere Basis für die Vermittlung von Debattenkompetenz und Social-Media-Wissen geschaffen werden. Um den Wissenstransfer in die Breite zu tragen, bietet CORRECTIV bis zum Jahresende zudem sechs kostenlose Online-Sprechstunden an.
Die jeweils einstündigen Termine finden zwischen 18 und 19 Uhr an den Daten 10. September, 30. September, 19. Oktober, 16. November, 4. Dezember sowie am 14. Dezember 2026 statt. Die Sprechstunden thematisieren schwerpunktmäßig Desinformation und den konstruktiven Umgang mit Debatten in digitalen Netzwerken. Eine Anmeldung ist laut Projektangaben per E-Mail an die zuständige Projektkoordination möglich.
Kommunale und institutionelle Resilienzprogramme im Aufwind
Parallel zu den Aktivitäten von CORRECTIV verstärken auch Kommunen und Bildungseinrichtungen ihre Bemühungen im Bereich der digitalen Sicherheit. In der Kreisstadt Unna startete Ende August das Digitale Aufmerksamkeits- und Resilienzprogramm (DARP).
In Kooperation mit der Bürgerstiftung Unna, der Kreispolizeibehörde sowie dem IT Club Kreis Unna werden Formate wie Workshops, Vorträge und Aktionstage angeboten. Zielgruppe sind Bürger und Institutionen, die für Risiken wie Deepfakes, Cyberkriminalität, Phishing und Social Engineering sensibilisiert werden sollen.
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Auch im politischen Raum kommen neue Technologien zur Sicherung der Informationstransparenz zum Einsatz. Der Berliner Senat stellte mit Blick auf die Wahl am 20. September das KI-Tool „Gretchen_AI_Berlin“ vor.
Die von Innensenatorin Iris Spranger und Landeswahlleiter Stephan Bröchler präsentierte Anwendung wurde entwickelt, um Bilder, Videos und Behauptungen automatisiert auf KI-Spuren zu prüfen. Das System greift dabei auf einen Datenbestand von rund 320.000 Behauptungen zurück, die von 131 Organisationen verifiziert wurden.
Wirtschaftliche Relevanz und aktuelle Bedrohungslage
Die Relevanz dieser Schulungsmaßnahmen wird durch aktuelle Berichte über organisierte Desinformationskampagnen verdeutlicht. Das Unternehmen OpenAI deckte im August eine russische Einflussoperation auf, bei der ein gefälschtes Institut namens „International Burke Institute“ (IBI) ChatGPT nutzte, um Texte und Logos für Desinformationszwecke zu generieren. Dabei wurden unter anderem ein sogenannter „Souveränitätsindex“ erstellt, der Russland mit 601,4 Punkten bewertete, während die USA mit 650,9 Punkten geführt wurden.
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Auch im Finanzsektor nehmen digitale Täuschungsversuche zu. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnte am 28. August 2026 gemäß dem Kryptomärkteaufsichtsgesetz vor der Plattform „Vexorylax“ und der Kampagne „Operation Hope AI“. Hierbei werden Anleger über Messenger-Gruppen zum Kauf des Tokens „OHAI“ gedrängt.
Im professionellen Kontext bietet zudem die dpa-Akademie am 17. November 2026 ein Webinar zur Verifikation von Fake News an. Unter der Leitung eines Spezialisten für Verifikation sollen Teilnehmer lernen, Manipulationen systematisch zu erkennen. Die Teilnahmegebühr für dieses Angebot beläuft sich auf 115 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass der Schutz vor Desinformation zunehmend als Teil einer umfassenden Compliance- und Risikostrategie verstanden wird – sowohl in öffentlichen Institutionen als auch in der privaten Wirtschaft. Die Initiativen von CORRECTIV und kommunaler Akteure bilden hierbei die Basis für eine notwendige gesamtgesellschaftliche Resilienz.
