Wohnungsbau, Baugenehmigungen

Deutliche Baugenehmigungs-Zunahme: Wohnungsbau in Deutschland legt spürbar zu

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 08:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist seit Jahresbeginn deutlich gestiegen und setzt im Juli ihren Aufwärtstrend fort. Damit keimt Hoffnung auf Entspannung am angespannten Wohnungsmarkt, auch wenn neue Kosten- und Zinsrisiken bleiben.

  • Es gibt Bewegung beim Wohnungsbau in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa
    Es gibt Bewegung beim Wohnungsbau in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa
  • Bauministerin Hubertz will den Wohnungsbau beschleunigen. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Bauministerin Hubertz will den Wohnungsbau beschleunigen. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Es gibt Bewegung beim Wohnungsbau in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa Bauministerin Hubertz will den Wohnungsbau beschleunigen. (Archivbild) - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Im seit Jahren kriselnden Wohnungsbau in Deutschland gibt es neue positive Signale: Im Juli wurden 22.500 Wohnungen genehmigt, 1,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Deutliches Plus seit Jahresbeginn

Damit setzt sich der Aufwärtstrend aus dem ersten Halbjahr fort, in dem die Baugenehmigungen um gut 15 Prozent zugelegt hatten – der stärkste Anstieg für ein erstes Halbjahr seit 2016. Baugenehmigungen gelten als wichtiger Indikator im Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten, weil sie den späteren Neubau von Wohnungen vorzeichnen.

Von Januar bis Juli wurden Genehmigungen für insgesamt 148.800 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden erteilt. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 13 Prozent oder 17.000 Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Neubauten und Mehrfamilienhäuser im Fokus

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden von Januar bis Juli 121.200 Wohnungen bewilligt, ein Plus von 13,5 Prozent. Die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser stieg um fast zehn Prozent auf 27.900. Bei Zweifamilienhäusern nahm die Zahl der genehmigten Wohnungen um ein Viertel auf 8.900 zu.

In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig wichtigsten Gebäudeart für den Wohnungsmarkt, wurden 79.700 Neubauwohnungen genehmigt – gut 15 Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Das deutet auf eine stärkere Ausrichtung des Neubaus auf verdichtetes Wohnen hin.

Verbessertes Geschäftsklima im Wohnungsbau

Auch die Stimmung in der Branche zeigt eine leichte Aufhellung. Nach Beobachtungen des Ifo-Instituts sehen die Unternehmen im Wohnungsbau zunehmend „Licht am Ende des Tunnels“. Die steigenden Baugenehmigungen nährten die Hoffnung, dass sich die Auftragslage in den kommenden Monaten belebe.

Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, wertet die erneuten Zuwächse bei den Genehmigungen als gute Nachricht, da üblicherweise mit zeitlicher Verzögerung auch die Bautätigkeit anzieht.

Neue Hürden durch Zinsen und Energiekosten

Zugleich verweist Dullien auf neue Herausforderungen für Bauherren. Steigende Energiekosten und höhere Bauzinsen könnten die positive Entwicklung dämpfen, weil Wohnungsbau dadurch weniger bezahlbar werde. Dies dürfte absehbar zu einem Bremseffekt bei künftigen Baugenehmigungen führen.

Der Lichtblick bei den aktuellen Zahlen steht damit neben anhaltenden Risiken für die weitere Entwicklung im Wohnungsbau, die sich auf die Dynamik am deutschen Wohnungsmarkt in den kommenden Jahren auswirken könnten.

Wohnungsmarkt zwischen Entspannung und strukturellem Defizit

Der Anstieg der Baugenehmigungen signalisiert eine vorsichtige Entspannung auf einem lange angespannten Wohnungsmarkt. In vielen deutschen Ballungsräumen liegt die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen weiterhin deutlich über dem Angebot, was in den vergangenen Jahren zu stark steigenden Mieten geführt hat. Steigende Genehmigungszahlen deuten darauf hin, dass Projektentwickler und Bauherren wieder stärker planen und investieren, auch wenn zwischen Genehmigung und Fertigstellung oft mehrere Jahre liegen.

Gleichzeitig bleiben strukturelle Probleme bestehen. Kommunen müssen Bauland ausweisen, Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen und den Ausbau der Infrastruktur mitdenken. Hinzu kommen gestiegene Baukosten und die energetischen Anforderungen an Neubauten, die Projekte verteuern. Für viele private Bauherren und kleinere Wohnungsunternehmen bleibt die Finanzierung angesichts höherer Bauzinsen anspruchsvoll. Das Risiko, dass geplante Projekte trotz Genehmigung verschoben oder abgesagt werden, ist daher weiterhin präsent.

Politische Ziele und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Bund und Länder haben ambitionierte Ziele für den Wohnungsneubau formuliert, insbesondere beim sozialen und preisgedämpften Wohnraum. Die aktuellen Genehmigungszahlen stützen diese Zielsetzung, sie reichen jedoch nicht aus, um den über Jahre aufgebauten Wohnungsmangel kurzfristig auszugleichen. Förderprogramme für energieeffizientes Bauen, steuerliche Anreize und vereinfachte Standards sollen Investitionen erleichtern, stehen aber im Spannungsfeld knapper öffentlicher Haushalte. Für Mieterinnen und Mieter dürfte sich die Lage nur langsam verbessern, da neue Wohnungen erst mit Verzögerung auf den Markt kommen.

Ausblick für Bauherren und Mieter

Für Bauherren bedeutet die Entwicklung, dass sich die Perspektiven im Wohnungsbau grundsätzlich verbessern, zugleich aber sorgfältige Kalkulationen wichtiger werden. Steigende Genehmigungszahlen können mittelfristig dazu beitragen, den Druck auf die Mieten zu mindern, insbesondere wenn ein Teil der neuen Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment entsteht. Ob der aktuelle Aufwärtstrend anhält, hängt wesentlich von Zinsniveau, Baukosten und der verlässlichen Ausgestaltung öffentlicher Förderung ab. Für viele Städte bleibt entscheidend, ob die Genehmigungen auch tatsächlich in Fertigstellungen münden und damit den Wohnungsmarkt real entlasten.

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