Deutsch-chinesische Wirtschaft: 250 Mrd. Euro Handel, 87 Mrd. Defizit
29.05.2026 - 07:31:03 | boerse-global.deDie deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat bei ihrem mehrtĂ€gigen Besuch in China fĂŒr einen ausgewogenen Kurs zwischen Kooperation und Wettbewerb geworben. Deutschland mĂŒsse seine StĂ€rke im Wettbewerb beweisen, gleichzeitig aber auf StabilitĂ€t durch Zusammenarbeit setzen, sagte die Ministerin bei GesprĂ€chen in Peking und Guangzhou.
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Diplomatische Mission mit 35 Top-Managern
Reiche reiste am 26. Mai 2026 nach Peking, begleitet von einer 35-köpfigen Delegation fĂŒhrender deutscher Konzerne. Mit dabei waren VorstĂ€nde von BASF, Siemens Energy, Thyssenkrupp, Airbus und SAP. In GesprĂ€chen mit Chinas VizeprĂ€sidenten He Lifeng und Handelsminister Wang Wentao sprach die Ministerin ĂŒber die Herausforderungen fĂŒr die rund 5.000 deutschen Unternehmen, die in China aktiv sind.
Die Reise fand vor dem Hintergrund sich verschiebender Handelsströme statt. 2025 erreichte das Handelsvolumen zwischen Deutschland und China rund 250 Milliarden Euro. Damit bleibt China Deutschlands wichtigster Handelspartner. Doch die deutschen Exporte nach China sanken um etwa zehn Prozent auf 81 Milliarden Euro, wÀhrend die Importe aus China auf 170 Milliarden Euro stiegen. Das Ergebnis: ein Handelsdefizit von 87 Milliarden Euro.
Reiche betonte die Notwendigkeit einer modernen Form der Zusammenarbeit, die auf Offenheit und gegenseitigem Nutzen basiert. Sie hob besonders den verlĂ€sslichen Zugang zu Seltenen Erden und die Bedeutung eines fairen Wettbewerbs hervor. WĂ€hrend einige europĂ€ische Nachbarn strengere MaĂnahmen gegen Chinas industrielle ĂberkapazitĂ€ten fordern, plĂ€dierte Reiche fĂŒr einen Mittelweg zwischen Protektion und Exportoffenheit.
Neue Joint Ventures in Technologie und Energie
Die letzten Maitage brachten mehrere strategische Partnerschaften zwischen internationalen und chinesischen Firmen. Am 27. Mai gab der deutsche Autozulieferer Webasto die GrĂŒndung eines Joint Ventures mit Zhejiang Fujia Technology (FJT) bekannt. Webasto hĂ€lt 30 Prozent an der neuen firma, die sich auf Fixed Transparent Modules (FTM) fĂŒr den chinesischen Markt konzentriert. Geplant sind Glasdachsysteme mit integrierter Ambientebeleuchtung, Solartechnologie und Unterhaltungselektronik.
Einen Tag spĂ€ter grĂŒndete GCL New Energy Holdings ein Joint Venture mit Antchain Inc. Die Aktien von GCL New Energy legten daraufhin an der Börse in Hongkong um 1,19 Prozent zu.
Auch jenseits der europĂ€ischen Zusammenarbeit wĂ€chst Chinas industrielle KapazitĂ€t. In Sambia investiert die chinesische Wonderful Group 30 Millionen US-Dollar fĂŒr 55 Prozent an Ndola Lime Limited. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem staatlichen Investor ZCCM-IH soll eine hundert Jahre alte Kalk- und Zementfabrik wiederbeleben. Die anfĂ€ngliche ProduktionskapazitĂ€t liegt bei 600 Tonnen Kalk pro Tag.
Erfolgsgeschichte Stellantis-Leapmotor
Besonders beeindruckend sind die Zahlen des Joint Ventures zwischen Stellantis und Leapmotor. Das 2025 gegrĂŒndete Unternehmen hat bereits eine Produktionswert von ĂŒber einer Milliarde Euro erzielt. Der Umsatz stieg um 462 Prozent auf mehr als 800 Millionen Euro. Ăber 52.000 Fahrzeuge wurden verkauft â die meisten davon an europĂ€ische Kunden.
Auch im Schwerlastverkehr gibt es Fortschritte: Das 2025 von Bosch und Mitsubishi gegrĂŒndete Joint Venture Bosch MC Battery Service Innovations hat in Chizhou seine erste Batteriewechselstation fĂŒr Elektro-Lkw eröffnet. Die Station versorgt tĂ€glich ĂŒber 100 Fahrzeuge der Firma Shanghai Lingzhou Technology und nutzt cloudbasierte Software zur Ăberwachung der Batteriegesundheit.
Stimmung unter auslÀndischen Firmen bleibt verhalten
Trotz dieser Erfolgsmeldungen zeigt eine Umfrage der EuropĂ€ischen Handelskammer in China vom 27. Mai ein gemischtes Bild. 17 Prozent der befragten Unternehmen erwarten steigende Gewinne, die HĂ€lfte rechnet mit stabilen ErtrĂ€gen. Rund ein Drittel befĂŒrchtet jedoch sinkende Gewinne.
Die gröĂten HĂŒrden: 70 Prozent der Firmen berichten von Schwierigkeiten bei grenzĂŒberschreitenden Geldtransfers, 39 Prozent sorgen sich um den Schutz geistigen Eigentums. Die europĂ€ischen Investitionen in China fielen 2024 auf neun Milliarden US-Dollar. Dabei bleibt die deutsche Industrie in SchlĂŒsselbereichen wie Solarmodulen und Antibiotika stark von chinesischen Lieferungen abhĂ€ngig.
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