Deutsche Bahn rüstet auf: 2.700 Mitarbeiter erhalten Bodycams
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 12:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Bahn (DB) hat mit einer flächendeckenden Ausweitung von Bodycams für ihr Personal im Bahnhofsservice und in der Stationsbetreuung begonnen. Insgesamt sollen 2.700 Beschäftigte mit den Kameras ausgestattet werden, um die Gewaltprävention an deutschen Bahnhöfen zu verstärken. Erste Geräte kommen bereits an den Hauptbahnhöfen in Frankfurt am Main und Bielefeld zum Einsatz. Die Nutzung der Bodycams erfolgt für die betroffenen Mitarbeiter auf freiwilliger Basis.
Steigende Gewaltzahlen im Schienenverkehr
Der verstärkte Einsatz der Technik ist eine Reaktion auf die angespannte Sicherheitslage. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte das Unternehmen allein beim Personal von DB Regio insgesamt 989 Übergriffe. Dies entspricht einem Anstieg von 14 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 869 Fälle gemeldet wurden. Die Statistik für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres weist dabei 781 einfache Körperverletzungen, 185 versuchte Angriffe sowie 22 schwere Körperverletzungen aus.
Differenziert nach Einsatzbereichen zeigt sich ein deutliches Gefährdungspotenzial für verschiedene Berufsgruppen: Während auf den Bahnhofsservice im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 50 Angriffe entfielen, wurden im gleichen Zeitraum 300 Übergriffe auf Sicherheitskräfte verzeichnet. Verkehrsminister Bilger bezeichnete die vorliegenden Zahlen als erschütternd.
Hintergrund und strategische Maßnahmen
Die Initiative zur Vollausstattung des Personals mit Kundenkontakt geht auf eine Ankündigung von Bahnchefin Evelyn Palla im Februar zurück. Vorausgegangen war ein tödlicher Angriff auf den Zugbegleiter Serkan Çalar im Januar. Der Täter in diesem Fall wurde zwischenzeitlich zu einer Haftstrafe von 10 Jahren verurteilt.
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Die Bodycams sind zentraler Bestandteil eines umfassenden Zehn-Punkte-Plans zur Erhöhung der Sicherheit. Das Maßnahmenpaket umfasst neben der technischen Aufrüstung auch organisatorische Änderungen und Schulungen. So führt die Deutsche Bahn jährlich für 1.700 Zugbegleiter Deeskalationstrainings durch. Zudem ist die Einführung von 1/1-Begleitungen sowie die Bereitstellung von stichfesten Westen vorgesehen. Letztere sollen laut aktueller Planung ab 2027 zum Einsatz kommen.
Erweiterte Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen
Zusätzlich zu den personengebundenen Maßnahmen wird an etwa 50 Bahnhöfen ein spezieller Prio-Ruf implementiert, um im Notfall schneller Hilfe anfordern zu können. Eine weitreichende präventive Neuerung betrifft zudem das Alkoholverbot, das bis zum 15.10.2026 an sämtlichen 5.400 Bahnhöfen der Deutschen Bahn vollständig umgesetzt werden soll.
Im Bereich der technischen Weiterentwicklung der Bodycams ist zudem ein Pilotprojekt für erweiterte Funktionen geplant. Ab dem 1.10.2026 wird DB Regio in der Region Rhein-Neckar-Pfalz für die Dauer von zwei Monaten die Tonaufzeichnung der Kameras testen. Bisher zeichnen die Geräte im Regelfall lediglich Bildmaterial auf. Diese Erprobung soll Erkenntnisse darüber liefern, inwieweit eine akustische Dokumentation zur Deeskalation von Konfliktsituationen beitragen kann.
