Deutsche Bahn, Pünktlichkeit

Deutsche Bahn startet Kommission für pünktlichere Züge

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 13:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Kommission „Robuster Fahrplan“ soll Lösungen für einen stabileren Bahnbetrieb während der intensiven Baujahre entwickeln. Dabei wird auch geprüft, ob weniger Züge auf besonders belasteten Strecken die Zuverlässigkeit erhöhen könnten.

Fahrplanarbeit und Netzbelastung

  • DB InfraGO setzt die Kommission „Robuster Fahrplan“ für den 3. November in Berlin ein.
  • Mehr als zehn Prozent der Züge fuhren 2025 auf Strecken mit über 115 Prozent Auslastung.
  • Die Stau-Verspätungen auf deutschen Schienen nahmen binnen zehn Jahren um 150 Prozent zu.
Die Deutsche Bahn saniert auf Rekordniveau - doch Fahrgäste merken davon bisher wenig. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/dpa-tmn

Deutsche Bahn startet Kommission für pünktlichere Züge

Eine von der Bahn einberufene Expertenkommission soll untersuchen, wie die Züge trotz des überalterten und überlasteten Schienennetzes schnell wieder pünktlicher werden. Das Gremium „Robuster Fahrplan“ nimmt am 3. November in Berlin seine Arbeit auf und soll im neuen Jahr Vorschläge für mehr Verlässlichkeit vorlegen.

Weniger Züge als möglicher Baustein

Ein möglicher Ansatz könnte ein geringeres Zugangebot auf stark belasteten Strecken sein. Der einstige Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, nannte als Beispiel die Verbindung zwischen Berlin und Hamburg: Dort könnte künftig nur noch einmal pro Stunde ein Fernzug fahren statt alle 30 Minuten, wenn die Züge dadurch zuverlässiger unterwegs wären.

Überlastung verschärft Verspätungen

Ferlemann gehört dem Aufsichtsrat der Infrastrukturtochter DB InfraGO an und soll auch der Kommission angehören. Die hohe Unpünktlichkeit führt die Bahn vor allem auf die marode Infrastruktur und überlastete Verkehrsknoten zurück.

Nach Angaben für den Verkehrsausschuss fuhren 2025 mehr als zehn Prozent der Züge auf Strecken mit einer Auslastung von über 115 Prozent. Die Stau-Verspätungen auf deutschen Schienen nahmen demnach in den vergangenen zehn Jahren um 150 Prozent zu.

Bahn baut und saniert auf Rekordniveau

Die Bahn saniert und baut derzeit auf Rekordniveau. Im laufenden Jahr war in den meisten Monaten nahezu jeder zweite Fernzug unpünktlich; im vergangenen Jahr kamen nur 60 Prozent aller Fernzüge ohne größere Verzögerung ans Ziel.

Die Kommission soll Lösungen für einen stabileren Betrieb während der anstehenden Jahre intensiver Bautätigkeit entwickeln. Unterstützt wird sie von dem auf Fahrpläne spezialisierten Schweizer Unternehmen SMA und Partner.

Branchenverbände lehnen Kürzungen ab

Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, warnte vor volleren Zügen und bezweifelte, dass weniger Verbindungen automatisch zu mehr Pünktlichkeit führen. Die richtige Lösung sei, mehr Kapazität auf der Schiene zu schaffen.

Auch Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbands Die Güterbahnen, kritisierte den Ansatz. Die Branche habe einem pauschal geringeren Angebot bereits in der Taskforce zuverlässige Bahn eine Absage erteilt.

Die Kommission reagiert auf ein strukturelles Problem des deutschen Schienenverkehrs: Die Bahn muss ihr Netz gleichzeitig betreiben, sanieren und ausbauen. Baustellen, überlastete Knoten und eine hohe Zugdichte wirken dabei zusammen. Jede zusätzliche Störung kann sich auf nachfolgende Züge übertragen und Verspätungen im gesamten Netz ausweiten.

Die in der Meldung genannten Zahlen zeigen die Größenordnung. Wenn mehr als zehn Prozent der Züge auf Strecken mit einer Auslastung von über 115 Prozent unterwegs sind und die Stau-Verspätungen binnen zehn Jahren um 150 Prozent zugenommen haben, reicht der Blick auf einzelne verspätete Züge nicht aus. Es geht um die Belastbarkeit des Fahrplans und die Kapazität zentraler Strecken.

Zwischen Zuverlässigkeit und Angebot

Eine vorübergehende Entzerrung des Fahrplans könnte betrieblich Spielräume schaffen, hätte aber unmittelbare Folgen für Fahrgäste: weniger Verbindungen und potenziell vollere Züge. Besonders auf stark nachgefragten Fernverkehrsachsen wäre eine solche Maßnahme deshalb nur mit einer klaren Abwägung zwischen Pünktlichkeit, Kapazität und Erreichbarkeit verbunden.

Die Kommission soll am 3. November beginnen und Vorschläge im neuen Jahr vorlegen. Für Reisende dürfte entscheidend sein, ob daraus konkrete Änderungen bei Verbindungen entstehen oder ob die Empfehlungen vor allem Baustellenplanung, Fahrplanreserven und die Steuerung überlasteter Knoten betreffen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Zu viel Verkehr auf Gleisen: Mehr Pünktlichkeit im Zugverkehr – DB prüft Zugreduktion als Maßnahme“ (30.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die Einsetzung der Expertenkommission und stellt die mögliche Verringerung der Zugzahl als zentrale Maßnahme heraus. Im Mittelpunkt steht damit stärker der Zusammenhang zwischen hoher Netzauslastung und Pünktlichkeit.

n-tv: „Der Tag: Große Auswirkungen? Bahn prüft neuen Idee gegen Unpünktlichkeit“ (30.10.2026)

Auch dieser Beitrag greift die Prüfung eines dünneren Zugangebots auf und betont mögliche Auswirkungen für den Bahnverkehr. Offen bleibt dort wie in der dpa-Meldung, welche konkreten Strecken oder Fahrpläne betroffen sein könnten.

Beide Beiträge bestätigen den Start einer Kommission und den Prüfauftrag zur Zugdichte. Der Schwerpunkt liegt auf der möglichen Angebotsreduzierung; konkrete Entscheidungen stehen noch aus.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70434835 |