Deutsche Exporte: BGA hebt Prognose für 2026 leicht an
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 10:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) erwartet für 2026 deutsche Warenexporte von rund 1.580 Milliarden Euro und damit ein Plus von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Prognose leicht angehoben
BGA-Präsident Dirk Jandura teilte mit, der Verband rechne nun mit einem Exportwachstum von 1 Prozent. Zuvor hatte die Prognose bei 0,6 Prozent gelegen.
Im ersten Halbjahr exportierte die deutsche Wirtschaft nach BGA-Angaben Waren im Wert von rund 817,8 Milliarden Euro. Das waren knapp 4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Höhere Preise treiben Teil des Zuwachses
Von einer nachhaltigen Entspannung sei die Außenwirtschaft jedoch deutlich entfernt, betonte Jandura. Der Anstieg beruhe teilweise auf höheren Preisen und nicht ausschließlich auf einem größeren Absatzvolumen.
Die Einfuhren dürften 2026 stärker zulegen als die Ausfuhren. Deshalb rechnet der BGA mit einem Exportüberschuss von 177 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte dieser bei rund 200 Milliarden Euro gelegen.
USA und China bleiben schwierige Märkte
Jandura erklärte, nach den schwachen vergangenen Jahren bedeute ein Plus noch nicht, dass der Außenhandel wieder das Niveau vor Corona und den folgenden Krisen erreicht habe. Der Handel müsse sich in einem extrem volatilen Umfeld behaupten.
Besonders schwierig sei die Entwicklung mit den USA und China. Die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten sanken im ersten Halbjahr um 6,1 Prozent. Im Juli legten sie zwar um rund 19 Prozent zu, doch der BGA sieht darin noch keine stabile Aufwärtsbewegung.
Mehr Importe aus China
Die Ausfuhren nach Fernost gingen in den ersten sechs Monaten um 13,5 Prozent zurück. Gleichzeitig stiegen die Importe aus China um 8,8 Prozent.
Angesichts der Unsicherheiten in den beiden wichtigen Absatzmärkten fordert Jandura neue Märkte und verlässlichere Handelspartner. Die Europäische Union und die Staaten des transpazifischen CPTPP könnten nach seiner Vorstellung den Kern einer neuen Handelsallianz bilden. Dem Abkommen gehören zwölf Länder an, darunter Australien, Japan, Kanada, Großbritannien, Mexiko, Peru und Singapur.
Exportplus mit begrenzter Aussagekraft
Die angehobene BGA-Prognose signalisiert kein breit getragenes Comeback des deutschen Außenhandels. Zwar liegen die Ausfuhren im ersten Halbjahr nominal deutlich über dem Vorjahreszeitraum, doch ein Teil des Zuwachses beruht auf höheren Preisen. Entscheidend für die wirtschaftliche Erholung wäre ein dauerhaft steigendes Absatzvolumen.
Gleichzeitig verschiebt sich das Verhältnis von Ausfuhren und Einfuhren. Der erwartete Exportüberschuss sinkt, weil die Importe stärker wachsen. Das kann auf eine höhere Nachfrage nach Vorprodukten und Konsumgütern hindeuten, zeigt aber auch, dass die deutsche Industrie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht allein über zusätzliche Verkäufe ausbaut.
Abhängigkeiten werden zum Handelsrisiko
Besonders relevant ist die gegenläufige Entwicklung mit China: Deutschland verkauft dorthin weniger, während die Einfuhren zunehmen. China bleibt damit ein zentraler Lieferant, zugleich verschärft die Konkurrenz chinesischer Anbieter den Druck auf europäische Industriebranchen. In der EU wird deshalb über Instrumente gegen marktverzerrende Subventionen, Überkapazitäten und einseitige Abhängigkeiten beraten.
Für Unternehmen bedeutet die Lage wachsenden Anpassungsdruck. Neue Absatzmärkte können Risiken verteilen, ersetzen aber nicht kurzfristig die großen Märkte USA und China. Eine engere Anbindung an Staaten des CPTPP könnte den Zugang zu dynamischen Pazifikmärkten verbessern; sie wäre jedoch politisch und wirtschaftlich ein längerfristiges Projekt. Für Verbraucher kann die Entwicklung über Preise, Arbeitsplätze und die Verfügbarkeit bestimmter Produkte spürbar werden.
