Unternehmensübernahmen, US-Investoren

Deutsche Firmen: Ausländische Käufer verdoppeln Deal-Volumen

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ausländische Investoren haben im jüngsten Untersuchungszeitraum deutlich mehr Geld für deutsche Unternehmen ausgegeben. Besonders aktiv waren US-Käufer, während KPMG weitere Zuwächse bei Fusionen und Übernahmen erwartet.

Übernahmen erreichen neue Größenordnung

  • Das Volumen grenzüberschreitender Käufe deutscher Firmen stieg um 134 Prozent auf fast 129 Milliarden Dollar.
  • Die Zahl der Transaktionen wuchs von 897 auf 926, darunter 18 angekündigte Milliardendeals.
  • US-Investoren waren an zehn dieser Deals beteiligt und prägten damit das Geschehen besonders stark.
  • Der Ventilatoren-Spezialist EBM-Papst geht an einen Käufer in Amerika (Archivbild) - Bild: Christoph Schmidt/dpa
  • Die nordhessische Viessmann-Gruppe verkaufte ihr Geschäft mit Wärmepumpen an den US-Konzern Carrier. (Archivbild) - Bild: Nadine Weigel/Nadine Weigel/dpa/dpa
Der Ventilatoren-Spezialist EBM-Papst geht an einen Käufer in Amerika (Archivbild) - Bild: Christoph Schmidt/dpa Die nordhessische Viessmann-Gruppe verkaufte ihr Geschäft mit Wärmepumpen an den US-Konzern Carrier. (Archivbild) - Bild: Nadine Weigel/Nadine Weigel/dpa/dpa

Ausländische Investoren kaufen deutsche Firmen

Ausländische Käufer haben im Zeitraum vom dritten Quartal 2025 bis zum zweiten Quartal 2026 deutlich mehr deutsche Unternehmen übernommen. Das Volumen grenzüberschreitender Übernahmen stieg binnen eines Jahres um 134 Prozent auf fast 129 Milliarden Dollar.

Die Zahl der Transaktionen nahm zugleich von 897 auf 926 zu. 18 Deals mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar wurden angekündigt.

US-Investoren führen bei Milliardendeals

Besonders aktiv waren Investoren aus den USA. Sie standen hinter zehn der 18 Milliardendeals und zählen damit zu den wichtigsten ausländischen Käufern deutscher Firmen.

Als Beispiele nennt die Analyse den Verkauf des Ventilatorenspezialisten EBM-Papst für rund 4,8 Milliarden Euro an Madison Air. Außerdem übernahm Carlyle die Mehrheit am Lackgeschäft BASF Coatings, während Bain Capital die Mehrheitsübernahme des Augsburger Schiffs- und Kraftwerksmotorenbauers Everllence vereinbarte.

Viessmann verkauft Wärmepumpengeschäft

Die nordhessische Viessmann-Gruppe veräußerte ihr Wärmepumpengeschäft an den US-Konzern Carrier. Auch der Berliner Lieferdienst Delivery Hero wurde durch die Übernahme durch Uber als Beispiel für mögliche Vorteile eines ausländischen Eigentümers genannt.

KPMG-Experte Michael Buhl sieht das Interesse nicht als Ausverkauf, sondern als Beschleuniger des Strukturwandels. Deutsche Unternehmen verfügten über technologische Kompetenz, industrielle Stärke und hochwertige Daten; zudem wirkten Unternehmensbewertungen sowie erwartete Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung anziehend.

Deutsche Unternehmen investieren ebenfalls im Ausland

Auch deutsche Firmen übernahmen häufiger Unternehmen im Ausland. Die Zahl dieser Transaktionen stieg von 593 auf 622, während ihr Volumen um 15 Prozent auf 42,9 Milliarden Dollar wuchs.

KPMG erwartet bis 2028 rund 1.300 Inlandsdeals und damit 22 Prozent mehr als im Ausgangszeitraum. Die Zahl der Übernahmen deutscher Firmen durch ausländische Käufer könnte nach der Prognose um 13 Prozent auf 1.039 steigen.

Die Zahlen markieren eine deutliche Belebung grenzüberschreitender Unternehmenskäufe mit deutschen Zielgesellschaften. Das gestiegene Volumen fällt dabei stärker aus als der Zuwachs bei der Zahl der Transaktionen: Viele Deals betreffen offenbar größere Unternehmen oder besonders wertvolle Geschäftsbereiche.

Für Deutschland ist diese Entwicklung ambivalent. Ausländisches Kapital kann Firmen Zugang zu neuen Märkten, Finanzierung, Technologie und Vertriebswegen verschaffen. Gerade in Branchen wie Industrie, Energie, Rüstung, Chemie und Künstlicher Intelligenz können solche Verbindungen Wachstum beschleunigen und Investitionen ermöglichen.

Strategische Kontrolle bleibt entscheidend

Gleichzeitig hängt die wirtschaftliche Bedeutung nicht allein vom Kaufpreis ab. Maßgeblich ist, ob Forschung, Arbeitsplätze, Produktionskapazitäten und zentrale Entscheidungen in Deutschland bleiben oder künftig stärker vom neuen Eigentümer im Ausland gesteuert werden. Bei kritischen Technologien und Infrastruktur können zudem Fragen der Versorgungssicherheit und des Schutzes sensibler Daten eine Rolle spielen.

Die genannten Übernahmen zeigen, dass der deutsche Mittelstand und industrielle Spezialisten international begehrt bleiben, obwohl viele Unternehmen unter hohen Energiepreisen, schwacher Konjunktur und strukturellem Anpassungsdruck leiden. Attraktive Bewertungen können Verkäufe erleichtern, zugleich aber den Zugriff strategischer Investoren auf Schlüsselkompetenzen verbilligen.

Mehr Übernahmen durch KI und Staatsausgaben

KPMG erwartet bis 2028 weiter steigende M&A-Aktivität. Der Umbau durch KI dürfte dabei nicht nur Technologieunternehmen betreffen, sondern auch traditionelle Firmen mit wertvollen Daten, Produktionsverfahren oder spezialisierten Kundenbeziehungen. Für Beschäftigte, Standorte und den Wirtschaftsstandort wird deshalb entscheidend sein, wie Käufer ihre Investitionen und Integrationspläne umsetzen.

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