Deutschland ist erstmals seit 2023 Netto-Exporteur von Strom
09.06.2026 - 09:53:36 | dpa.de
Deutschland ist erstmals seit Ende 2023 wieder Nettoexporteur von Strom. Im ersten Quartal sanken die Stromimporte um 15,5 Prozent, wĂ€hrend die Exporte ins Ausland um gut 20 Prozent stiegen. Unterm Strich stand ein Ăberschuss von 3,1 Milliarden Kilowattstunden.
Insgesamt wurden im ersten Quartal 126,6Â Milliarden Kilowattstunden Strom in Deutschland produziert und ins Stromnetz eingespeist. Dabei stammte ĂŒber die HĂ€lfte (53,3Â Prozent) aus erneuerbaren Energien wie Wind und Solar. WĂ€hrend die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen um fast 14 Prozent auf 67,5Â Milliarden Kilowattstunden stieg, sank die konventionelle Stromerzeugung um knapp zwei Prozent zum Vorjahresquartal auf 59,1Â Milliarden Kilowattstunden.
Windkraft legt stark zu
Der Anstieg der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im ersten Quartal lag vor allem an einer starken Zunahme der Windkraft. Zum Vorjahresquartal stieg die Stromproduktion hier um fast 29 Prozent auf 42,8 Milliarden Kilowattstunden, ihr Anteil am gesamten inlÀndisch produzierten und eingespeisten Strom wuchs auf ein Drittel. Dagegen schrumpfte die Stromerzeugung aus Photovoltaik zum Vorjahresquartal um 7,4 Prozent auf 10,3 Milliarden Kilowattstunden.
Weniger Strom aus Kohle, mehr aus Erdgas
Bei den konventionellen Energien sank die Stromerzeugung aus Kohle im ersten Quartal um gut fĂŒnf Prozent auf 30,5 Milliarden Kilowattstunden. Damit blieb Strom aus Kohle mit einem Anteil von knapp einem Viertel (24,1 Prozent) an der inlĂ€ndischen Stromerzeugung zweitwichtigster EnergietrĂ€ger. Die Stromproduktion aus Erdgas stieg um 3,2 Prozent.
GröĂter Abnehmer von Strom aus Deutschland war nach frĂŒheren Angaben der Bundesnetzagentur im ersten Quartal Ăsterreich. Die gröĂten ZuwĂ€chse gab es demnach bei den Exporten nach DĂ€nemark und Norwegen. Deutlich weniger Strom wurde hingegen nach Frankreich geliefert.
Erzeugungskosten sinkenÂ
Der Ausbau erneuerbarer Energien senkt tendenziell die Erzeugungskosten und Börsenstrompreise. Der durchschnittliche GroĂhandelspreis lag nach Angaben der Bundesnetzagentur im ersten Quartal bei 102,17 Euro pro Megawattstunde, 8,7 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal. Der RĂŒckgang war stĂ€rker als in den meisten NachbarlĂ€ndern.
An Tagen mit zu viel Wind- und Sonnenstrom gibt es immer hĂ€ufiger phasenweise auch negative GroĂhandelspreise fĂŒr Strom. 2025 war das nach Angaben der MĂŒnchner Forschungsstelle fĂŒr Energiewirtschaft in so vielen Stunden wie nie zuvor der Fall. Besonders zu diesen Zeiten lohnt es sich fĂŒr NachbarlĂ€nder, Strom aus Deutschland zu importieren.Â
Auch negative Verbraucherpreise möglich
FĂŒr viele Verbraucher macht sich das bisher allerdings nur begrenzt bemerkbar. Profitieren können vor allem Haushalte mit dynamischen Tarifen, bei denen sich der Strompreis direkt am Markt orientiert - sie können dann beispielsweise ihr Elektroauto kostenlos laden.
Voraussetzung sind intelligente StromzĂ€hler, die aktuelle Verbrauchsdaten ĂŒbermitteln. VerbraucherschĂŒtzer sehen solche Tarife kritisch, denn die Preise können etwa stark in die Höhe schieĂen, wenn in einer sogenannten Dunkelflaute Wind und Sonnenlicht fehlen. Das Risiko trĂ€gt der Stromkunde.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
