DGB-Umfrage, Beschäftigten

DGB-Umfrage 29. Mai: 53% der Beschäftigten wollen weniger arbeiten

30.05.2026 - 23:48:51 | boerse-global.de

Psychische Leiden werden zur Hauptursache für Langzeitausfälle. Arbeitgeber müssen bei Gefährdungsbeurteilung und Gesundheitsmanagement handeln.

DGB-Umfrage 29. Mai: 53% der Beschäftigten wollen weniger arbeiten - Foto: über boerse-global.de
DGB-Umfrage 29. Mai: 53% der Beschäftigten wollen weniger arbeiten - Foto: über boerse-global.de

Das verändert die Anforderungen an Arbeitgeber grundlegend.

Die Zahlen sind alarmierend: Psychische Leiden verdrängen Muskel-Skelett-Erkrankungen als häufigste Ursache für Langzeit-Ausfälle. Eine Analyse der DAK-Gesundheit zeigt: 2025 waren die Versicherten durchschnittlich 19,5 Kalendertage krank – ein Krankenstand von 5,4 Prozent. Besonders betroffen: das Gesundheitswesen mit 6,2 Prozent Ausfallrate, umgerechnet 22,5 Fehltage.

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Krankenstand steigt – vor allem bei Jungen

Der Trend ist eindeutig. Psychische Erkrankungen legten um 6,9 Prozent zu. Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei jungen Erwachsenen: Eine Studie von Norvio dokumentiert einen Anstieg der Burnout-Diagnosen bei 25- bis 34-Jährigen um 84 Prozent zwischen 2015 und 2023. Aktuell entfallen 60 Prozent der psychischen Fälle auf depressive Episoden, 25 Prozent auf Angststörungen.

Internationale Daten untermauern die Entwicklung. In der Schweiz dauern psychisch bedingte Arbeitsausfälle im Schnitt 218 Tage. Das belegen Berichte von Ende Mai 2026.

DGB: Mehrheit wĂĽnscht sich kĂĽrzere Arbeitszeiten

Der Deutscher Gewerkschaftsbund veröffentlichte am 29. Mai eine Umfrage mit deutlichem Ergebnis: 53 Prozent der Beschäftigten wollen weniger arbeiten. Bei Vätern sind es sogar 63 Prozent. Die Erschöpfung greift um sich: 40 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer fühlen sich oft oder sehr oft ausgebrannt.

Der DGB kritisiert die Pläne der Regierung für mehr Flexibilität – konkret die Umstellung von täglichen auf wöchentliche Höchstarbeitszeiten. Die Gewerkschaft fordert mehr Selbstbestimmung für Arbeitnehmer statt arbeitgeberfreundlicher Flexibilität.

Besonders hart trifft es Alleinerziehende: 42 Prozent haben regelmäßig Probleme, Beruf und Familie zu vereinbaren. 69 Prozent der Frauen mit Vereinbarkeitsproblemen fühlen sich nach der Schicht erschöpft.

Arbeitgeber in der Pflicht

Die Rechtslage ist klar. Ein aktualisiertes Handbuch der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) betont: Psychische Belastungen sind seit 2013 fester Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung. Arbeitgeber müssen ausreichend Handlungsspielraum, ausgewogene Arbeitslasten, klare Aufgaben und soziale Unterstützung gewährleisten.

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Auch international gibt es Bewegung. In Brasilien machten aktualisierte Vorschriften (NR-1) den Umgang mit psychosozialen Risiken wie Stress, Mobbing und Druck zur rechtlichen Pflicht. In Deutschland sind Führungskräfte verpflichtet, bei Anzeichen von Sucht oder psychischen Auffälligkeiten einzugreifen – festgelegt in der DGUV Vorschrift 1.

Die Dimension ist enorm: 5,7 Prozent der Erwerbstätigen haben Probleme mit Medikamentenmissbrauch, 3,1 Prozent sind alkoholabhängig.

KI als neuer Stressfaktor

Die rasant Verbreitung Künstlicher Intelligenz verschärft die Lage. Eine Umfrage von Mercer unter 1.000 US-CEOs vom 30. Mai zeigt: 99 Prozent planen in den nächsten zwei Jahren Personalabbau wegen KI. Die Angst vor Jobverlust durch Automatisierung ist drastisch gestiegen – von 28 Prozent im Jahr 2024 auf aktuell 40 Prozent.

Psychologen warnen: Selbst vermeintliche Traumjobs können krank machen, wenn sie unkontrollierbaren Dauerstress bedeuten. Viele Führungskräfte unterschätzen die psychologischen Folgen des KI-Wandels – dabei sind 62 Prozent der Beschäftigten besorgt über diese Ignoranz.

Prävention lohnt sich

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor. Bei einer IHK-Veranstaltung in Nordhorn betonten Unternehmer: Gesundheitsprogramme sind entscheidend für die Leistungsfähigkeit. Firmen setzen auf Job-Rad-Leasing oder grenzüberschreitende Präventionsprojekte.

Die BAuA empfiehlt einfache Maßnahmen: Die richtige Pausengestaltung stabilisiert die Leistung. Kurze, häufige Unterbrechungen – etwa fünf Minuten pro halbe Stunde – wirken besser als seltene lange Pausen. Die gesetzliche Vorgabe: mindestens 30 Minuten Pause bei über sechs Stunden Arbeit. Doch im Gesundheitswesen werden 40 bis 50 Prozent der Posen schlicht nicht genommen.

Positive Beispiele gibt es: Im Landkreis Mainz-Bingen nutzten 2025 rund 500 Mitarbeiter Stressmanagement- und Resilienztrainings. Norvio-Daten belegen die Wirtschaftlichkeit: Stressreduzierende Führungskräftetrainings steigern die Produktivität um 11 Prozent. Anonymes Stress-Monitoring senkt Burnout-bedingte Krankmeldungen um 19 Prozent.

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