DGUV-Barometer: 91 Prozent der Azubis lernen Gesundheits- und Arbeitsschutz
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Für junge Menschen in Ausbildung und Studium besitzen Sicherheit und Gesundheit am Arbeits- sowie Lernplatz einen höheren Stellenwert als finanzielle Zusatzleistungen.
Wie aus dem DGUV Barometer Bildungswelt 2026 hervorgeht, übertreffen das persönliche Wohlergehen und ein faires Miteinander materielle Faktoren wie Prämien oder Jobtickets bei den Prioritäten der Nachwuchskräfte deutlich. Die Untersuchung basiert auf einer Forsa-Umfrage für die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, über die Medien am 13. Oktober 2026 berichteten.
Deutliche Unterschiede zwischen Betrieb und Hochschule
Bei der Vermittlung von Grundlagen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz schneiden betriebliche Ausbildungen deutlich besser ab als Hochschulen. Laut den Erhebungen geben 91 Prozent der Auszubildenden an, dass Themen rund um Sicherheit und Gesundheit während der Ausbildung vermittelt wurden.
Unter den Studierenden liegt dieser Anteil lediglich bei 53 Prozent. Entsprechend fühlen sich 72 Prozent der Auszubildenden gut oder sehr gut auf ein sicheres und gesundes Berufsleben vorbereitet, während dies an den Hochschulen nur 40 Prozent der Befragten von sich sagen.
Auch bei konkreten Abläufen zeigen sich Informationsdefizite im akademischen Bereich. So wüssten 35 Prozent der Studierenden bei Problemen nicht, an wen sie sich wenden können; unter den Auszubildenden betrifft dies lediglich 12 Prozent. Während 72 Prozent der Auszubildenden wissen, wie sie einen Unfall oder eine Gefahr melden müssen, trifft dies bei den Studierenden nur auf 30 Prozent zu.
Wertschätzung und Unfallprävention stehen an erster Stelle
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Bei den Arbeitsbedingungen legen Auszubildende das größte Gewicht auf zwischenmenschliche Faktoren: Für 98 Prozent sind ein respektvoller Umgang und Wertschätzung wichtig oder sehr wichtig, gefolgt von Möglichkeiten zum Lernen und zur Weiterentwicklung mit 96 Prozent.
Einen sicheren Ausbildungsplatz und eine gute Zusammenarbeit heben 60 Prozent hervor, während 59 Prozent eine gute Anleitung durch Ausbilder betonen. Zusätzliche Leistungen wie Jobtickets, Prämien oder Zuschüsse werden hingegen deutlich seltener als wichtig eingestuft.
Die Vermittlung von Schutzmaßnahmen ist in den Betrieben breit verankert:
- 92 Prozent der Auszubildenden berichten von thematisiertem Verhalten zur Unfallvermeidung,
- 84 Prozent wurden zum Verhalten bei Unfällen geschult,
- 83 Prozent erlernten das Erkennen von Gefahren,
- 82 Prozent erhielten Einweisungen zum Verhalten im Brandfall.
Insgesamt bescheinigen 81 Prozent der Auszubildenden den Themen Sicherheit und Gesundheit einen hohen Stellenwert in ihrer Ausbildung. 89 Prozent verfügen über alle nötigen Informationen, und 82 Prozent stellen fest, dass gefährliche Situationen ernst genommen werden.
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Als dominierende Risiken nehmen 65 Prozent Stolpern, Rutschen oder Stürzen wahr, gefolgt von Wegeunfällen mit 52 Prozent sowie dem Umgang mit Werkzeugen und Maschinen mit jeweils über 40 Prozent.
Belastungen durch Aggressionen und Umgang mit Suchtmitteln
Trotz der insgesamt guten Vorbereitung verzeichnet die Erhebung gravierende Erfahrungen mit Konflikten und Gewalt im Ausbildungsumfeld. Verbale Aggressionen wie Beleidigungen oder Beschimpfungen erlebten oder beobachteten 42 Prozent der Auszubildenden und 23 Prozent der Studierenden. Von Mobbing oder Ausgrenzung berichten 28 Prozent der Auszubildenden gegenüber 12 Prozent der Studierenden.
Diskriminierung erfuhren 37 Prozent im Betrieb und 33 Prozent an den Hochschulen, während sexuelle Belästigung von 24 Prozent der Auszubildenden und 25 Prozent der Studierenden genannt wird. Physische Gewalt und körperliche Übergriffe verzeichnen 14 Prozent der Auszubildenden und 3 Prozent der Studierenden.
Beim Thema Suchtmittel erlebten 35 Prozent der Auszubildenden Alkoholkonsum im Ausbildungskontext und 40 Prozent den Konsum anderer Suchtmittel. Unter den Studierenden liegt der wahrgenommene Alkoholkonsum bei 63 Prozent. Fast neun von zehn Auszubildenden berichten von klaren betrieblichen Regeln zu Suchtmitteln, die von 97 Prozent auch für richtig befunden werden; bei den Studierenden befürworten 92 Prozent entsprechende Vorgaben.
Trotz der genannten Belastungsfaktoren äußert sich die Mehrheit mit den bestehenden Schutzmaßnahmen zufrieden: 66 Prozent der Auszubildenden und 68 Prozent der Studierenden sehen in ihren jeweiligen Bereichen keinen konkreten Verbesserungsbedarf.
