EH55-Förderung, Wohnungsbau

EH55-Förderung: Bundesregierung stockt Neubauprogramm bis Jahresende auf

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesregierung stockt die Förderung fĂŒr energieeffiziente EH55-Neubauten auf. Damit sollen Bauherren mit bereits erteilter Baugenehmigung bis Jahresende weiterhin zinsverbilligte KfW-Kredite erhalten.
In Deutschland werden dringend Wohnungen benötigt. (Archivbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa

Die Bundesregierung stockt die Förderung fĂŒr energieeffiziente Neubauten nach EH55-Standard auf, damit der Fördertopf bis zum Jahresende nicht vorzeitig ausgeschöpft wird.

Förderung fĂŒr Neubauten wird verlĂ€ngert

Das ursprĂŒnglich eingeplante Budget von 800 Millionen Euro wĂ€re nach Angaben des Bauministeriums noch vor Jahresende ausgeschöpft gewesen. Durch zusĂ€tzliche Mittel sollen Bauherren mit einer bereits erteilten Baugenehmigung weiter UnterstĂŒtzung erhalten.

Gefördert werden HĂ€user, die höchstens 55 Prozent des Energiebedarfs eines Standardhauses benötigen. Die WĂ€rme muss vollstĂ€ndig aus erneuerbaren Energien stammen. GebĂ€ude mit Öl- oder Gasheizung sind von dem Programm ausgeschlossen.

Kredite ĂŒber die KfW

Die Förderung erfolgt ĂŒber zinsverbilligte Kredite der staatlichen Förderbank KfW. Voraussetzung fĂŒr den Antrag ist eine vorliegende Baugenehmigung. Wie viel zusĂ€tzliches Geld bereitgestellt wird, teilte das Ministerium zunĂ€chst nicht mit. Auch die Entwicklung der KfW-ZinssĂ€tze bis zum Jahresende ist offen.

52.100 Wohnungen in Umsetzung

Bauministerin Verena Hubertz (SPD) begrĂŒndete die Aufstockung mit der deutlich gestiegenen Nachfrage. Wer eine Baugenehmigung habe, könne bis Jahresende weiter auf die Förderung setzen.

Nach Angaben der Ministerin sind rund 52.100 genehmigte, aber bislang nicht gebaute Wohnungen inzwischen in der Umsetzung. Die EH55-Förderung war zuvor zeitweise abgeschafft worden. Das hatte nach Darstellung des Ministeriums dazu gefĂŒhrt, dass Investoren Planungen zurĂŒckstellten.

Branche fordert verlÀssliche Förderung

Der PrĂ€sident des Verbands der Bauindustrie, Olaf Demuth, erklĂ€rte, das ursprĂŒngliche Budget wĂ€re bereits in der kommenden Woche ausgeschöpft gewesen. Eine FörderlĂŒcke hĂ€tte zusĂ€tzliche Unsicherheit am Wohnungsmarkt ausgelöst.

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW geht von 250 Millionen Euro zusĂ€tzlichen Mitteln aus. GdW-PrĂ€sident Axel Gedaschko forderte, die Förderung mĂŒsse möglichst ohne Unterbrechung verfĂŒgbar sein, damit Wohnungsunternehmen langfristig planen könnten.

Neubau wird teurer

Parallel steigen die Kosten. Nach den in der Meldung genannten Zahlen des Statistischen Bundesamts lagen die Preise fĂŒr den Neubau normaler WohngebĂ€ude im August 5,5 Prozent ĂŒber dem Vorjahresniveau. Besonders Dach-, Zimmer- und Holzbauarbeiten verteuerten sich; beim Innenausbau trieben unter anderem Elektro- und Heizanlagen die Kosten.

Förderung trifft auf angespannte Bauwirtschaft

Die zusĂ€tzliche EH55-Förderung soll genehmigte Neubauvorhaben ĂŒber das Jahresende hinaus vor einem Förderstopp bewahren. FĂŒr Bauherren ist das besonders relevant, weil der Zugang zu den zinsverbilligten KfW-Krediten an eine bereits erteilte Baugenehmigung geknĂŒpft ist. Wer sich noch in einer frĂŒhen Planungsphase befindet, profitiert damit nicht automatisch von der Entscheidung.

Der politische Hintergrund ist ein Zielkonflikt: Deutschland benötigt mehr Wohnungen, zugleich sollen Neubauten hohe energetische Standards erfĂŒllen und ohne Öl- oder Gasheizung auskommen. Die Förderung unterstĂŒtzt damit sowohl den Wohnungsbau als auch die Umstellung auf erneuerbare WĂ€rme. Sie senkt jedoch nicht unmittelbar die Kosten fĂŒr GrundstĂŒcke, Material, Handwerk oder Finanzierung.

Planungssicherheit bleibt entscheidend

Die angekĂŒndigte Aufstockung schafft kurzfristig Planungssicherheit fĂŒr Projekte, deren Genehmigungen bereits vorliegen. Dass die Bundesregierung die Höhe der zusĂ€tzlichen Mittel zunĂ€chst nicht nennt, lĂ€sst allerdings offen, wie viele Vorhaben tatsĂ€chlich bis zum Jahresende berĂŒcksichtigt werden können. Auch die Entwicklung der KfW-Zinsen beeinflusst, ob genehmigte Projekte wirtschaftlich umgesetzt werden.

Die Baupreise fĂŒr WohngebĂ€ude lagen im August laut den Angaben der dpa-Meldung 5,5 Prozent ĂŒber dem Vorjahresniveau. Damit bleibt die Förderung ein wichtiger Baustein, kann aber die strukturellen Belastungen des Wohnungsbaus nicht allein ausgleichen. FĂŒr Mieter und Wohnungssuchende ist entscheidend, ob aus den bereits genehmigten Vorhaben tatsĂ€chlich neue Wohnungen entstehen.

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