ROUNDUP, Nato-PlÀne

Neue Nato-PlÀne: Deutschland braucht 60.000 Soldaten mehr

05.06.2025 - 10:58:50 | dpa.de

Die Bundeswehr muss deutlich grĂ¶ĂŸer werden: Deutschland braucht fĂŒr die von der Nato geplante verstĂ€rkte VerteidigungsfĂ€higkeit bis zu 60.000 zusĂ€tzliche aktive Soldaten, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in BrĂŒssel vor einem Nato-Treffen sagte.

Dabei sollen die neuen Ziele der MilitÀrallianz gebilligt werden.

"Wir gehen davon aus - das ist aber auch nur eine DaumengrĂ¶ĂŸe, um es klar zu sagen - dass wir rund 50.000 bis 60.000 Soldatinnen und Soldaten in den stehenden StreitkrĂ€ften mehr brauchen als heute. Und gleichzeitig wird sich die Frage natĂŒrlich stellen: Reicht der neue Wehrdienst aus ĂŒber die nĂ€chsten Jahre?", sagte Pistorius.

Vor einem Jahr hatte Pistorius sein Modell fĂŒr einen reformierten Wehrdienst vorgelegt: Danach soll es eine verpflichtende Erfassung geben, in der junge MĂ€nner ihre Bereitschaft und FĂ€higkeit zu einem Wehrdienst benennen mĂŒssen - und junge Frauen dies tun können.

Deutschland ĂŒbernimmt "zweitgrĂ¶ĂŸtes Paket"

Die Nato will ihre militĂ€rischen FĂ€higkeiten zur Abschreckung und Verteidigung angesichts der anhaltenden Bedrohung durch Russland extrem ausbauen. Pistorius machte deutlich, dass Deutschland wegen seiner GrĂ¶ĂŸe und Wirtschaftskraft einen großen Teil der geplanten AufrĂŒstung schultern werde. "Wir ĂŒbernehmen traditionell - und das wird nicht anders sein dieses Mal - das zweitgrĂ¶ĂŸte Paket an FĂ€higkeiten innerhalb der Nato."

GeneralsekretĂ€r Mark Rutte hatte am Vortag in BrĂŒssel gesagt: "Wir benötigen mehr Ressourcen, Truppen und FĂ€higkeiten, um auf jede Bedrohung vorbereitet zu sein und unsere kollektiven VerteidigungsplĂ€ne vollstĂ€ndig umzusetzen." Oberste PrioritĂ€t hĂ€tten die Luft- und Raketenabwehr, weitreichende Waffensysteme, Logistik und große VerbĂ€nde von LandstreitkrĂ€ften.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bekrĂ€ftigte in BrĂŒssel bei einem Auftritt mit Rutte die US-Forderung nach einer Steigerung der Verteidigungsausgaben in allen Nato-Staaten auf fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Bisher liegt dieses Nato-Ziel bei zwei Prozent. Zur Entscheidung kommt es beim Nato-Gipfel in Den Haag in knapp drei Wochen.

Die Diskussion darĂŒber werde "robust und konstruktiv" sein, sagte Hegseth. "In Anerkennung der Gefahr muss jedes Land fĂŒnf Prozent beitragen", forderte er. "Wir sind fĂŒr mehr bereit. Und unsere VerbĂŒndeten mĂŒssen auch zulegen, wĂ€hrend wir an ihrer Seite stehen."

MilitÀrplaner: Obergrenze von 460.000 Soldaten bleibt

In der Bundeswehr war die Zahl der Soldaten im vergangenen Jahr trotz mehr Einstellungen erneut leicht gesunken, wÀhrend der Altersdurchschnitt stieg. Zum Jahresende 2024 habe es rund 181.150 Soldatinnen und Soldaten gegeben, hatte das Verteidigungsministerium erklÀrt. Ein Jahr zuvor, am Stichtag 31. Dezember 2023, waren es noch rund 181.500 MÀnner und Frauen in Uniform gewesen. ErklÀrtes Ziel waren zuletzt aber 203.000 aktive Soldaten in den StreitkrÀften gewesen.

Vor einem Jahr hatte Pistorius bei der Vorstellung seines Wehrdienstmodells auch Zahlen fĂŒr den kĂŒnftigen Bedarf an Soldaten genannt; er sprach von insgesamt rund 460.000 Soldatinnen und Soldaten. Konkret seien das 203.000 aktive Soldatinnen und Soldaten in den stehenden StreitkrĂ€ften, die 60.000 jetzt schon vorhandenen Reservisten sowie 200.000 zusĂ€tzliche Reservisten, die nun nötig seien. MilitĂ€rplaner gehen davon aus, dass die Obergrenze von insgesamt 460.000 Soldaten erhalten wird, aber deutlich mehr aktive Soldaten und womöglich weniger Reservisten eingeplant werden.

Neue Diskussion um Wehrpflicht?

Angesichts der Nato-PlĂ€ne ist eine neue Diskussion ĂŒber einen verpflichtenden Wehrdienst absehbar. So sagte der neue Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte (CDU), dem "Tagesspiegel", "massiv" steigende Nato-Anforderungen seien ohne einen teilweise verpflichtenden Wehrdienst und eine attraktivere Bundeswehr kaum zu erfĂŒllen. Er forderte: "Das Verteidigungsministerium sollte einen konkreten Vorschlag vorlegen, in dem die HĂŒrden fĂŒr einen Wechsel hin zur Verpflichtung eines gewissen Kontingents junger Leute nicht zu hoch sind."

Deutschland hatte sich in den 2+4-VertrĂ€gen verpflichtet, die Zahl seiner Soldaten auf 370.000 Mann zu beschrĂ€nken. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages schrieb dazu im Februar 2025, der Begriff der PersonalstĂ€rke sei nicht genau definiert, die Formulierung lege nahe, "dass es sich dabei nur um die aktive, stĂ€ndig verfĂŒgbare TruppenstĂ€rke handelt, also um regulĂ€r im Dienst befindliche Soldaten (Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit, Grundwehrdienstleistende)".

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