Industrie mahnt Reformen an
22.04.2024 - 13:13:05 | dpa.deZum Auftakt der Hannover Messe am Montag sagte der PrĂ€sident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, die bisher von der Bundesregierung eingeleiteten Reformen wie das Wachstumsförderungsgesetz und beim BĂŒrokratieabbau reichten bei Weitem nicht aus, um den Industriestandort zukunftsfest zu machen.
In diesem Jahr werde die deutsche Industrieproduktion erneut zurĂŒckgehen, nach SchĂ€tzung des BDI um Vergleich zu 2023 um 1,5 Prozent. "Trotz moderater Erholungsaussichten dĂŒrfen wir uns nichts vormachen: Insgesamt zeigen die Produktionszahlen schon seit Jahren einen besorgniserregenden AbwĂ€rtstrend", sagte Russwurm.
Im Mittelpunkt der weltgröĂten Industrieschau stehen in diesem Jahr der Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) und Wasserstoff als EnergietrĂ€ger. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte zum Messeauftakt: "Was man hier spĂŒrt, ist Innovation, Lust, neue Dinge zu entwickeln. Das gilt insbesondere fĂŒr die ganz groĂe Aufgabe, wie kriegen wir das hin, mit den Herausforderungen der Digitalisierung umzugehen und die Chancen zu nutzen." KI sei heute selbst in kleinsten Produkten schon zu finden. Das helfe auch, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Der MinisterprĂ€sident des Messe-Partnerlandes Norwegen, Jonas Gahr StĂžre, zeigte sich ebenfalls beeindruckt: "Viele der Dinge, die wir heute gesehen haben, wĂ€ren bei einer EinfĂŒhrung vor fĂŒnf Jahren noch Science Fiction gewesen."
Von der Industrie bekam Scholz erneut Forderungen mit auf den Weg durch die Messehallen. BDI-PrĂ€sident Russwurm sagte, "was die Bundesregierung bisher getan hat, ist aller Ehren wert. Aber es reicht halt nicht." So lasse sich der RĂŒckgang der Industrieproduktion, der seit Jahren zu beobachten sei, nicht stoppen. "Wir brauchen wettbewerbsfĂ€hige und langfristig planbare Energiepreise", forderte Russwurm erneut. Zudem mĂŒssten die Unternehmenssteuern gesenkt werden. "Die aktuelle Belastung von knapp 30 Prozent ist ein ernst zu nehmender negativer Standortfaktor."
Auch der PrĂ€sident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Karl Haeusgen, forderte mehr Tempo in der Wirtschaftspolitik. Die Industriestandorte Deutschland und Europa brĂ€uchten keine Untergangsdebatten, sondern mutige Reformen, um wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben. "Neue Investitionsvorhaben finden aktuell vor allem im Ausland statt, etwa in den USA. Das wird, wenn wir dem nichts entgegensetzen, zu einer anhaltenden SchwĂ€chung unserer Wirtschaft fĂŒhren", sagte Haeusgen. "In der aktuellen Wirtschaftspolitik fehlt jedoch die Leidenschaft zur Freiheit."
Rund 4000 Aussteller aus 60 LĂ€ndern prĂ€sentieren sich auf der Hannover Messe. Leitthemen sind die Entwicklung einer klimaschonenderen Produktion und Lösungen fĂŒr die Energiewende. 2023 waren 130 000 Besucher zu der Messe gekommen, deutlich weniger als vor der Corona-Pandemie. So waren 2019 noch 215 000 Besucher gezĂ€hlt worden. Im Jahr 2020 war die Ausstellung coronabedingt erstmals seit der GrĂŒndung 1947 ausgefallen. 2021 fand sie nur digital statt.
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