Deutsche Wirtschaft 2023 geschrumpft - Aussichten eingetrĂŒbt
15.01.2024 - 10:44:18 | dpa.deDas Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank 2023 nach vorlĂ€ufigen Daten zum Vorjahr preisbereinigt um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Die hohe Inflation bremste den Privatkonsum als wichtige KonjunkturstĂŒtze. Im Jahr 2022 war Europas gröĂte Volkswirtschaft noch um 1,8 Prozent gewachsen. Die Aussichten fĂŒr das laufende Jahr haben sich Volkswirten zufolge eingetrĂŒbt. Manche befĂŒrchten auch 2024 einen RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung.
Im vierten Quartal 2023 schrumpfte die deutsche Wirtschaft nach einer ersten SchĂ€tzung des Bundesamtes. Nach bisherigen Erkenntnissen ging das BIP preis-, saison- und kalenderbereinigt zum Vorquartal um 0,3 Prozent zum Vorquartal zurĂŒck, wie Behördenchefin Ruth Brand in einer Pressekonferenz in Berlin mitteilte.
Im Gesamtjahr 2023 fiel der Privatkonsum als KonjunkturstĂŒtze aus. Viele Menschen setzten angesichts deutlich gestiegener Verbraucherpreise den Rotstift an. Die Inflationsrate lag nach vorlĂ€ufigen Daten im Jahresschnitt bei 5,9 Prozent. Dies war der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung nach einer Teuerungsrate von 6,9 Prozent im Jahresschnitt 2022. Der AuĂenhandel sorgte fĂŒr einen positiven Beitrag, weil die Importe noch stĂ€rker sanken als die Exporte. Die Bauinvestitionen sanken binnen Jahresfrist deutlich.
Konjunkturprognosen fĂŒr 2024 gesenkt
Zahlreiche Volkswirte erwarten auch im laufenden Jahr keine nachhaltige Erholung in Europas gröĂter Volkswirtschaft. Viele Wirtschaftsforscher senkten zuletzt ihre Prognosen und rechnen nun mit einem Wachstum von teils deutlich weniger als einem Prozent.
Einige Ăkonomen schlieĂen auch einen erneuten RĂŒckgang des Bruttoinlandsproduktes nicht aus. Eine der Hauptursachen sieht das Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung in der Schuldenbremse, die wichtige Investitionen in Klimaschutz und Infrastruktur erschwere. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November zwingt die Ampel-Koalition zum Sparen und engt den finanziellen Spielraum ein.
Mehr Staatsausgaben als Einnahmen
Im vergangenen Jahr gab der deutsche Fiskus erneut mehr Geld aus, als er einnahm. Nach vorlÀufigen Daten belief sich das Defizit von Bund, LÀnder, Gemeinden und Sozialversicherung auf gut 82,7 Milliarden Euro.
Dennoch hielt Deutschland nach zwei AusreiĂern in den Corona-Jahren 2020 und 2021 im zweiten Jahr in Folge die europĂ€ische Verschuldungsregel ein: Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung betrug das Defizit den vorlĂ€ufigen Berechnungen zufolge im vergangenen Jahr 2,0 Prozent. 2022 waren es 2,5 Prozent.
Der europĂ€ische StabilitĂ€ts- und Wachstumspakt erlaubt den EU-Staaten ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent und eine Gesamtverschuldung von höchstens 60 Prozent des nominalen BIP. Wegen teurer Corona-Hilfsprogramme waren die Regeln vorĂŒbergehend ausgesetzt worden. Kurz vor Weihnachten einigten sich die EU-Finanzminister auf ReformplĂ€ne: Vorgesehen ist, dass die jeweilige Situation der LĂ€nder kĂŒnftig stĂ€rker berĂŒcksichtigt wird.
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