HĂ€nde weg vom Arbeitszeitgesetz
01.05.2025 - 14:27:04 | dpa.deAuf der zentralen DGB-Kundgebung zum Tag der Arbeit in Chemnitz warf sie den Arbeitgebern zugleich vor, fĂŒr die Wirtschaftskrise in Deutschland wesentliche Verantwortung zu tragen.
"Wir sollten mal in diesem Land mehr darĂŒber reden, wie es eigentlich um die Leistungsbereitschaft der VorstĂ€nde und GeschĂ€ftsfĂŒhrungen aussieht. Wo waren denn deren Unternehmergeist und Risikobereitschaft an den Standorten?", rief Fahimi.
Und: "Es war eben nicht nur die Politik, es waren die falschen Managemententscheidungen, die dazu beigetragen haben, dass die Wirtschaft schwÀchelt und ArbeitsplÀtze in Gefahr geraten."
Fahimi reagiert auf PlÀne von Union und SPD
Schwarz-Rot will laut Koalitionsvertrag die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer tÀglichen Höchstarbeitszeit schaffen. Standards im Arbeitsschutz und die geltenden Ruhezeitregelungen sollen beibehalten werden.
"Schluss mit dem Gequatsche, dass die Menschen blau machen, faul sind, dass sie einfach mehr arbeiten mĂŒssten. Und deshalb sagen wir auch ganz klar: Wir wollen Acht-Stunden-Tag statt Hamsterrad. Und deswegen: HĂ€nde weg vom Arbeitszeitgesetz", sagte Fahimi.
Millionen Ăberstunden - viele davon seien unbezahlt - zeigten, wie groĂ der Druck auf die BeschĂ€ftigten schon jetzt sei. Und wer unbezahlt mehr arbeite, dem werde damit ein Teil seines Lohns gestrichen. Das Arbeitszeitgesetz solle vor Ăberforderung schĂŒtzen. Schon jetzt könnten danach aber bis zu 60 Stunden in der Woche gearbeitet werden.
Scholz fordert anstÀndige Löhne und starke Gewerkschaften
Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundeskanzler Olaf Scholz stĂ€rkte den Arbeitnehmern den RĂŒcken. "UnverĂ€ndert gibt es viel zu viele, die fĂŒr zu wenig Geld hart arbeiten mĂŒssen", schrieb der SPD-Politiker auf der Plattform X. "Deshalb bin ich fĂŒr anstĂ€ndige Löhne. Und ich bin fĂŒr starke Gewerkschaften. Sie sind wichtig fĂŒr den sozialen Zusammenhalt unseres Landes. Darum geht es am 1. Mai!"
Im Jahr 1890 wurde der 1. Mai als "Kampftag der Arbeiterbewegung" begrĂŒndet. Bis heute wird an dem Tag international Protest zum Ausdruck gebracht. In Deutschland ist der Tag der Arbeit gesetzlicher Feiertag.
Die Gewerkschaften haben weitere Forderungen
Gewerkschaften und andere Organisationen organisierten Hunderte Kundgebungen und Veranstaltungen in ganz Deutschland. Der DGB appellierte unter dem Motto "Mach dich stark mit uns!" an die BeschĂ€ftigten, sich fĂŒr mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen und warb dafĂŒr, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Fahimi formulierte in Chemnitz mehrere zentrale Forderungen.
Investitionspaket: Der DGB begrĂŒĂt das von Union und SPD initiierte schuldenfinanzierte Sondervermögen von 500 Milliarden Euro fĂŒr die Infrastruktur. Nötig sei eine Investitionsoffensive fĂŒr Bahn und Verkehr, Schulen, Digitalisierung und öffentliche Verwaltung. Wirtschaftsförderung mĂŒsse aber an Zusagen fĂŒr langfristige BeschĂ€ftigung und Standorttreue geknĂŒpft sein.
BetriebsrÀte: "Betriebsratsbehinderung muss endlich konsequent strafrechtlich verfolgt werden in diesem Land", forderte Fahimi. Wer BetriebsrÀte verhindere, greife Grundrechte der BeschÀftigten an.
Tariftreuegesetz: Die DGB-Vorsitzende forderte ein "echtes Tariftreuegesetz", damit öffentliche AuftrĂ€ge nur noch an tarifgebundene Unternehmen gehen und Schluss sei mit Zahlungen aus Steuergeld fĂŒr Tarif- und Sozialdumping.
Rente ohne Spekulationsrisiko: Der DGB fordert, dass es eine dauerhafte Stabilisierung des Rentenniveaus auf mindestens 48 Prozent geben muss. "Bis 2031, das reicht uns nicht", sagte Fahimi. Sie warnte davor, relevante Teile der Altersvorsorge den KapitalmÀrkten auszuliefern, damit Renten "nicht an den Börsen verzockt werden".
Zusammenhalt: Soziale StabilitĂ€t und Rechtssicherheit seien "echte, kaum zu ĂŒberschĂ€tzende Standortfaktoren". Die Antwort auf "America First" könne nur lauten: "Europe United". Fahimi sagte: "Wir lassen uns von Big-Tech-Oligarchen nicht auseinanderdividieren."
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