Gründe, Kursrutsch

Die Gründe für den Kursrutsch in China

Veröffentlicht am: 26.08.2009 um 18:30 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Während sich die internationalen Börsen wieder sehr robust entwickelt haben, ging der Aktienmarkt in China gestern nochmals deutlich in die Knie. Der Shanghai Composite Index knickte um weitere 2,6 Prozent auf 2916 Punkte ein, und liegt damit seit Monatsbeginn 15 Prozent im Minus. Zwischenzeitlich hatte das Kursbarometer mehr als 4 Prozent abgegeben.

Chinas Premierminister Wen Jiabao hatte zuvor erklärt, dass es bezüglich des dortigen Wirtschaftswachstums noch „viele Unsicherheiten“ gebe. Er bezog sich dabei vor allem auf die Exporte des Landes, die im Jahresvergleich immer noch stark rückläufig sind.

Das ist allerdings nichts Neues. Jedermann weiß, dass Chinas Exportwirtschaft stark unter der globalen Krise zu leiden hat. Vielmehr kommt gerade von dieser Seite wieder eine gewisse Fantasie ins Spiel, denn auch in den westlichen Industrienationen gibt es derzeit erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Im ersten Halbjahr waren es allein der chinesische Binnenkonsum, die Investitionen und das staatliche Konjunkturprogramm, die China Volkswirtschaft in Schwung gehalten haben. Eine wirtschaftliche Erholung im Westen wird auch die Ausfuhren des Landes wieder nach oben bringen, und bringt dem Reich der Mitte damit neue Wachstumsimpulse.

Chinas Wirtschaftswachstum ist im zweiten Quartal wieder auf 7,9 Prozent angestiegen. Der Kursrutsch am chinesischen Aktienmarkt hat deshalb andere Gründe an Sorgen über die Konjunkturentwicklung:

1. Die innerchinesischen Börsen sind seit längerem ambitioniert bewertet; das Durchschnitts-KGV beim Shanghai-Composite-Index befindet sich immer noch bei rund 30.

2. Die chinesischen Banken verringern die Kreditvergabe. Die Anleger befürchten nun, dass dies den Inlandsbörsen die Geldflüsse entzieht, die nötig sind, um die Kurse weiter nach oben zu treiben.

3. Der Shanghai Composite Index ist von Anfang Januar bis Anfang August um rund 100 Prozent nach oben geschnellt. Dies machte einen Rücksetzer früher oder später unumgänglich.

Die meisten deutschen Anleger sind von der Entwicklung an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen ohnehin nicht betroffen. In Deutschland werden in erster Linie die ADRs von Titeln an der Börse Hongkong gehandelt. Hier sind die Bewertungen deutlich niedriger als an den innerchinesischen Börsen – und damit durchaus noch vertretbar.

Wer über einen speziellen Broker oder über Zertifikate an den innerchinesischen Börsen engagiert ist, sollte derzeit etwas vorsichtiger agieren. Die Chancen stehen gut, dass sich Markt nach dem jüngsten Rücksetzer bald wieder stabilisiert. Unter das Niveau von 2800 Punkten darf der Shanghai Composite Index in den kommenden Wochen aber nicht mehr fallen. Dies entspricht in etwa dem in diesem Monat markierten Zwischentief, und würde ein sehr ungünstiges Signal abgaben.


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