Immer mehr Superreiche: Börsenboom treibt Vermögen der Elite
27.05.2026 - 12:51:45 | dpa.deDer Boom an den Börsen macht die Superreichen noch reicher und sorgt fĂŒr eine immer höhere Vermögenskonzentration in der Gesellschaft. Rund 5.000 Superreiche besitzen nach Berechnung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland. Demnach ist die Zahl der Menschen hierzulande, die mehr als 100 Millionen Dollar (rund 86 Mio. Euro) besitzen, 2025 um rund 1.100 gestiegen - satte 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Daten dĂŒrften die Debatte um höhere Steuern fĂŒr Vermögende befeuern.
Den Superreichen gehören 27,3 Prozent des gesamten Finanzvermögens von 12,4 Billionen Dollar in Deutschland, schreibt die BCG in ihrem 26. «Global Wealth Report». Das sind knapp 3,4 Billionen Dollar oder rund 2,9 Billionen Euro zum aktuellen Wechselkurs. Dabei profitierten die Superreichen vor allem von Aktiengewinnen.
Kleine Elite, riesiger Reichtum
«Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu â wer mehr hat, kann breiter streuen und in renditestĂ€rkere Anlageklassen wie Aktien oder Private Equity investieren», sagte Michael Kahlich, Co-Autor der Studie. «Das beschleunigt den Vermögensaufbau strukturell.» Bis 2030 werde der Anteil der Superreichen am deutschen Finanzvermögen auf 29 Prozent steigen.Â
Die BCG analysiert jĂ€hrlich die weltweite Entwicklung privater Vermögen. Die Studie umfasst 97 MĂ€rkte, auf die 98 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung entfallen, und berĂŒcksichtigt Daten von mehr als 100 Banken und Vermögensverwaltern. Zum Finanzvermögen zĂ€hlen Bargeld, Kontoguthaben, Aktien, Anleihen, Lebensversicherungen, Fonds und Pensionen. Zudem werden Sachwerte wie Immobilien und Edelmetalle sowie Verbindlichkeiten betrachtet.
Den 5.000 Superreichen gegenĂŒber stehen demnach rund 66 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Finanzbesitz von unter 250.000 Dollar. Dieser groĂen Mehrheit gehört gut ein Drittel (35,9 Prozent) des Finanzvermögens. Dazwischen befinden sich rund 3,2 Millionen Menschen mit einem Vermögen zwischen einer Viertelmillion und einer Million Dollar, auf die gut 11 Prozent entfallen. Ganz oben steht die Elite der Superreichen, ein Bruchteil der Gesellschaft, die aber mit weiteren mehr als 700.000 MultimillionĂ€ren - die bis zu 100 Millionen Dollar liquides Vermögen haben - sogar ĂŒber die HĂ€lfte des Finanzvermögens verfĂŒgt.
Forderung nach Vermögensteuer
«Unsere Gesellschaft driftet wirtschaftlich immer weiter auseinander», kritisierte Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende beim Sozialverband Deutschland. Das werde Konsequenzen haben, etwa bei den anstehenden Landtagswahlen. «Die Politik muss hier dringend gegensteuern, zum Beispiel mit echten Reformen bei der Erbschafts- und Vermögenssteuer.»
Deutschland brauche ein gerechteres Steuersystem, fordert auch Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas. Die von Greenpeace vorgeschlagene ökologische Vermögensteuer fĂŒr Superreiche wĂŒrde der öffentlichen Hand jĂ€hrlich mindestens 25 Milliarden Euro einbringen.Â
Angesichts knapper Kassen wird immer wieder ĂŒber eine Vermögensteuer diskutiert. WĂ€hrend linke Politiker auf mögliche Milliardeneinnahmen verweisen, warnen Konservative vor Risiken: Reiche könnten weniger investieren, auswandern und Steuerschlupflöcher nutzen.Â
Neben der SPD halten auch Unionsvertreter wie Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) eine höhere Besteuerung von Wohlhabenden fĂŒr nötig. Er sprach sich im Gegensatz zu Kanzler Friedrich Merz (CDU) fĂŒr eine Vermögensteuer aus, die in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben wird.Â
Deutschland auf Platz vier bei Finanzvermögen
Das Anschwellen der Finanzvermögen dank starker Börsen ist kein allein deutsches PhĂ€nomen: Weltweit legten die Nettovermögen laut BCG 2025 um gut 9 Prozent zu, auf den Rekord von 550 Billionen Dollar. Dabei stiegen besonders die Finanzvermögen um fast 11 Prozent â das stĂ€rkste Plus seit 2021.
Das Nettovermögen der Deutschen wuchs 2025 um rund 15 Prozent auf 23,3 Billionen Dollar. Dabei legten die Finanzvermögen um fast 18 Prozent auf 12,4 Billionen Dollar zu. Aktien und Fonds gewannen sogar fast ein Viertel. Beim Finanzvermögen liegt Deutschland weltweit auf Rang vier, nach den USA, China, und Japan. Sachwerte â vor allem Immobilien â wuchsen auf 13,4 Billionen Dollar und machten mehr als die HĂ€lfte der Vermögen aus. Die Schulden stiegen leicht auf 2,5 Billionen Dollar.
Scheu vor Aktien bremst Vermögensaufbau
«Die Deutschen bleiben vorsichtige Anleger. Einlagen und Bargeld dominieren weiterhin die Vermögensstruktur privater Haushalte», sagt BCG-Partner Kahlich. Die schwÀchelnde Wirtschaft, die alternde Bevölkerung und die relativ schwache Aktienkultur dÀmpften den Vermögensaufbau. Der Wohlstand in Deutschland werde daher langsamer wachsen als im globalen Schnitt.
«Gleichzeitig sehen wir, dass ETFs, Aktien und kapitalmarktorientierte Anlagen stetig an Bedeutung gewinnen», schreibt Kahlich. Allerdings begĂŒnstige die Verlagerung von Immobilien und Einlagen hin zu Wertpapieren, Fonds und Finanzbeteiligungen vor allem die oberen Segmente - was den Reichtum der ohnehin Vermögenden mehre.
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