Beliebt, Dieben

Beliebt bei Dieben - GeschĂ€fte schließen Kaffee hĂ€ufiger weg

24.07.2025 - 06:00:38 | dpa.de

Die Kaffeepreise sind zuletzt stark gestiegen. Das macht die Packungen in den GeschĂ€ften fĂŒr Ladendiebe immer attraktiver. Wie die HĂ€ndler damit umgehen.

Die Preise von Kaffeebohnen sind ĂŒber mehrere Jahre gestiegen. (Symbolbild) - Foto: Georg Hilgemann/dpa

Kaffee wird bei Ladendieben beliebter, weshalb GeschĂ€fte manche Produkte hĂ€ufiger wegschließen. Handelsexperte Frank Horst des Kölner Forschungsinstituts EHI sagte der Deutschen Presse-Agentur, Kaffee gehöre seit Langem zu den meist gestohlenen Waren. «In den letzten Jahren hat das stark zugenommen. Es ist nicht selten, dass ein ganzes Regal leer gerĂ€umt wird.»

In den GeschĂ€ften gebe es wenig Personal, weshalb Diebstahl oft unbemerkt bleibe, sagte Horst. Kaffeepackungen wĂŒrden deshalb zunehmend gesichert, beispielsweise in Vitrinen, und nur auf Nachfrage an Kunden herausgegeben. «Manche Standorte haben so große Probleme, dass sie keine andere Wahl haben.» In GroßstĂ€dten sei das ausgeprĂ€gter, auf dem Land komme es ebenso vor. Besonders begehrt seien Bohnen in der Kilopackung. 

Das EHI befragt jÀhrlich Unternehmen aller wichtigen Einzelhandelsbranchen. Die Firmen schÀtzen dabei, wie sich die Verluste auf Kunden, Mitarbeiter und andere Verursacher verteilen. 

HĂ€ndler vermeiden es eigentlich, Produkte wegzuschließen

Rewe sagte auf das Thema angesprochen: «Nach unserer EinschĂ€tzung handelt es sich bundesweit um einige wenige EinzelfĂ€lle an Brennpunkt-Standorten.» Das Sichern von Kaffee sei bislang kein MassenphĂ€nomen. FĂŒr Kunden und Mitarbeiter sei es nicht praktikabel, den Zugang zu erschweren. Das Kaffeesortiment fĂŒlle mehrere Regalmeter. 

Ein Sprecher von Kaufland sagte: «Bei vereinzelten Produkten, wie beispielsweise Bohnenkaffee, setzen wir bei einem geringen Teil unserer Standorte filialindividuell auch Sicherheitsmaßnahmen wie Sicherungsboxen ein.» Die Handelskette beschĂ€ftige auch Detektive. Die meisten Kunden seien ehrlich: LadendiebstĂ€hle machten weniger als 0,1 Prozent der Kundenkontakte aus. 

Edeka teilte mit, aufgrund seiner Unternehmensstruktur könne das Unternehmen keine Aussage treffen. «Das Vorgehen liegt im Ermessen der selbststĂ€ndigen Kaufleute vor Ort.» Von Norma hieß es, Kaffee werde in keiner Filiale weggesperrt. Das sei auch nicht in Zukunft geplant. Aldi und Lidl wollten sich nicht Ă€ußern. 

Kaffee wird teurer und teurer - Diebstahl als Protest

Dass Kaffee öfter gestohlen wird, hĂ€ngt laut Handelsexperte Horst auch mit gestiegenen Preisen zusammen: Laut Statistischem Bundesamt war Bohnenkaffee im Juni im Schnitt 45 Prozent teurer als noch 2020. Kilopackungen von Marken wie Dallmayr, Melitta und Jacobs kosten inzwischen bis zu 20 Euro, vereinzelt auch mehr. Grund dafĂŒr sind höhere Rohstoffpreise, ausgelöst von Trockenheit und schlechten Ernten in wichtigen AnbaulĂ€ndern.

Bei einigen Kunden sei Diebstahl ein Protest gegen die hohen Preise, sagte Horst. Gestohlen werde teils aus Eigenbedarf. In gewerblich organisierten Banden und in der BeschaffungskriminalitĂ€t sei Kaffee ebenfalls beliebt, weil er leicht wiederverkauft werden könne. ZunĂ€chst berichteten mehrere Medien ĂŒber das Thema. 

SchÀden wegen Ladendiebstahls nehmen zu

Die durch Ladendiebstahl entstehenden SchĂ€den nehmen laut EHI weiter zu. 2024 haben Kunden Waren im Wert von rund 2,95 Milliarden Euro gestohlen - ein Anstieg von 4,6 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Der Gesamtschaden erreichte einen neuen Höchststand. Schon 2023 gab es ein Plus von 15 Prozent. Auch Spirituosen, Rasierklingen, ParfĂŒm und Energydrinks gehören dem Forschungsinstitut zufolge zu bevorzugten DiebesgĂŒtern.

Verband beobachtet schwierige Lage der HĂ€ndler

Nach Angaben von Peter Schröder, Rechtsexperte beim Handelsverband Deutschland, ist die Lage der HĂ€ndler schwierig. «Das Wegsperren der Ware senkt erfahrungsgemĂ€ĂŸ den Umsatz fĂŒr die betroffenen Produkte.» Er fordert hĂ€rtere Strafen. «Insbesondere beim bandenmĂ€ĂŸigen Ladendiebstahl muss die Justiz stĂ€rker gegenhalten.» DafĂŒr brauche es eine bessere Ausstattung von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten. 

Straftaten werden Experten zufolge begĂŒnstigt, da immer weniger Taten entdeckt und angezeigt werden könnten - auch weil sich der Aufwand oft nicht lohne. Viele Verfahren werden wegen GeringfĂŒgigkeit eingestellt. Jedes vierte Unternehmen hat die Ausgaben fĂŒr Sicherheitsmaßnahmen laut EHI zuletzt erhöht. Rund 1,6 Milliarden Euro gaben die HĂ€ndler 2024 fĂŒr PrĂ€vention aus, vor allem fĂŒr Schulungen des Personals.

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