Netanjahu reist in die USA - HĂ€lt die Waffenruhe in Gaza?
02.02.2025 - 09:25:53 | dpa.deDer israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu werde sich dort mit dem US-Nahost-Gesandten Steve Witkoff treffen und ĂŒber Israels Verhandlungspositionen sprechen, teilte das BĂŒro des Regierungschefs mit. Am Tag darauf werde Netanjahu im WeiĂen Haus zu seinem "historischen Treffen" mit US-PrĂ€sident Donald Trump zusammenkommen und mit ihm unter anderem ĂŒber die Zukunft des verwĂŒsteten Gazastreifens reden, hieĂ es.
Trumps Sondergesandter Witkoff werde sich auĂerdem im Verlauf der Woche mit Katars MinisterprĂ€sident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani sowie ranghohen Vertretern Ăgyptens beraten und anschlieĂend erneut mit Netanjahu sprechen, hieĂ es. Und zwar "ĂŒber Schritte, die Verhandlungen voranzubringen, einschlieĂlich von Daten fĂŒr die Abreise von Delegationen zu den GesprĂ€chen".
Die USA, Katar und Ăgypten fungieren als Vermittler zwischen Israel und der islamistischen Hamas, da diese nicht direkt miteinander reden. Mit ihrer Hilfe war die gegenwĂ€rtige sechswöchige Waffenruhe in Gaza zustande gekommen.
Israel und die Hamas hatten sich bei den indirekten GesprĂ€chen darauf geeinigt, dass sie am 16. Tag der Waffenruhe, also morgen, Verhandlungen ĂŒber ein dauerhaftes Ende des Krieges und die Freilassung aller noch lebenden Geiseln aufnehmen werden. Rechtsextreme israelische Politiker haben damit gedroht, die Regierung zu verlassen, sollte Netanjahu diese zweite Phase des Waffenruhe-Abkommens durchziehen und den Kollaps seiner Koalition riskieren.
Tausende fordern in Israel Freilassung aller Geiseln
Vor Netanjahus heutiger Abreise nach Washington forderten Tausende von Demonstranten in Tel Aviv und Jerusalem die Freilassung weiterer Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas. Angehörige der Verschleppten drÀngten auf die Umsetzung der zweiten Phase der Waffenruhe-Vereinbarung. Sie haben die Sorge, dass es dazu gar nicht erst kommt und der Krieg weitergehen wird.
Nach der Freilassung dreier weiterer Verschleppter werden noch 79 Geiseln im Gazastreifen festgehalten, 35 von ihnen sind israelischen Angaben zufolge tot. Die nĂ€chsten EntfĂŒhrten sollen am kommenden Wochenende freikommen. Das Abkommen war am 19. Januar in Kraft getreten. Es sieht vor, dass in der ersten Phase innerhalb von sechs Wochen 33 Geiseln gegen 1.904 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikommen. Die Hamas teilte zuletzt mit, dass acht der 33 tot seien. Um wen genau es sich dabei handelt, ist unklar. 18 Geiseln sind inzwischen frei.
Man werde sich weiterhin entschlossen fĂŒr eine Freilassung aller verbliebenen Geiseln einsetzen, sowie fĂŒr "die Erreichung aller Kriegsziele", sagte Netanjahu. Eines der Kriegsziele Israels ist die vollstĂ€ndige Zerstörung der Hamas. Werde bei den nun anstehenden weiteren Verhandlungen keine Einigung erzielt, könnten die KĂ€mpfe weitergehen, hatte der Regierungschef unlĂ€ngst gedroht.
Netanjahu will mit Trump auch ĂŒber den Iran sprechen
Bei seinem "historischen Treffen" mit Trump stĂŒnden am Dienstag "die Geiseln, der Umgang mit allen Elementen der iranischen Achse und weitere zentrale Themen" auf der Tagesordnung, teilte Netanjahus BĂŒro weiter mit. Zu Irans VerbĂŒndeten zĂ€hlen neben der Hamas in Gaza die von Israel ebenfalls militĂ€risch geschwĂ€chte Hisbollah im Libanon sowie die Huthi-Miliz im Jemen.
Netanjahu dĂŒrfte der erste Regierungschef aus dem Ausland sein, den Trump als PrĂ€sident empfĂ€ngt. Das stellte auch Netanjahus BĂŒro heraus. Dies wird als eine starke Geste der UnterstĂŒtzung fĂŒr Israels rechten MinisterprĂ€sidenten gesehen, der wegen der KriegsfĂŒhrung im Gazastreifen international stark in die Kritik geraten ist. Trump ist als ein enger VerbĂŒndeter Netanjahus bekannt.
Trump hatte kĂŒrzlich vorgeschlagen, dass Ăgypten und Jordanien die PalĂ€stinenser aus Gaza aufnehmen sollten. Das könne vorĂŒbergehend oder langfristig sein. Trump argumentiert, der Gazastreifen sei buchstĂ€blich eine Abrissbrache. AuĂenminister mehrerer einflussreicher arabischer Staaten wiesen eine solche Umsiedlung von PalĂ€stinensern aus Gaza jedoch zurĂŒck.
Arabische LĂ€nder lehnen Trump-Vorschlag zu Gaza ab
Eine Umsiedlung gefĂ€hrde die StabilitĂ€t der Region und verlĂ€ngere den Konflikt, erklĂ€rten die AuĂenminister Ăgyptens, Jordaniens, Katars, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate sowie Spitzenvertreter der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde und der Arabischen Liga. Die Rechte der PalĂ€stinenser dĂŒrften nicht verletzt werden, "ob durch Siedlungs-AktivitĂ€ten, Ausweisung oder die Zerstörung von HĂ€usern oder Annexion", hieĂ es weiter.
In den vergangenen Tagen hatte sich Trump mehrfach optimistisch gezeigt, dass Ăgypten und Jordanien seinem Vorschlag folgen wĂŒrden. Am Samstag telefonierte er mit Ăgyptens PrĂ€sident Abdel-Fattah al-Sisi, wie das WeiĂe Haus mitteilte. Die Frage der Umsiedlung von PalĂ€stinensern wurde in der Mitteilung nicht erwĂ€hnt. Vielmehr hieĂ es, al-Sisi habe Zuversicht geĂ€uĂert, dass Trumps FĂŒhrung ein "goldenes Zeitalter des Friedens im Nahen Osten" einleiten könnte.
Vier weitere Tote im Westjordanland
Unterdessen eskaliert die Gewalt im Westjordanland weiter. Bei zwei weiteren israelischen Luftangriffen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Ramallah vier Menschen getötet. Zuvor war bei einem Drohnenangriff in Dschenin ein 16-JÀhriger getötet worden. Israels Armee teilte mit, in Kabatia sei ein "Auto mit Terroristen" und in Dschenin eine Gruppe Bewaffneter attackiert worden. Die Stadt Dschenin gilt als Hochburg militanter PalÀstinenser.
Israel hatte dort am 21. Januar den gröĂten MilitĂ€reinsatz seit langem begonnen. Er erfolgt zu einer Zeit, da sich die ohnehin schon gespannte Lage im Westjordanland angesichts eines Erstarkens militanter PalĂ€stinenser und zunehmender Gewalt radikaler israelischer Siedler drastisch verschĂ€rft hat.
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