Deutschland, Automobilindustrie

Rechtsstreit um VW-Vergleiche muss neu verhandelt werden

30.09.2025 - 12:11:45 | dpa.de

Die VW-Hauptversammlung beschloss 2021 Haftungsvergleiche mit den Vorständen Winterkorn und Stadler. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs muss der Rechtsstreit erneut verhandelt werden.

Der BGH hat Haftungsvergleiche im Diesel-Skandal geprüft. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa

Das Oberlandesgericht (OLG) Celle muss sich noch einmal mit den Haftungsvergleichen von Volkswagen mit den ehemaligen Vorständen Martin Winterkorn und Rupert Stadler im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal beschäftigen. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab den Rechtsstreit um die Zustimmung der VW-Hauptversammlung zu den Vergleichen nach Celle zurück, wo nun erneut verhandelt und entschieden werden muss. 

Volkswagen hatte im Juni 2021 mit den Ex-Vorständen Haftungsvergleiche über mögliche Schadensersatzansprüche sowie darauf bezogene Deckungsvergleiche mit sogenannten D&O-Versicherern geschlossen. Diese «Directors-and-Officers»-Versicherungen können Unternehmen für ihre Führungskräfte abschließen und sie damit vor Haftungsansprüchen schützen. Die Gesamtsumme belief sich auf gut 288 Millionen Euro. Winterkorn selbst zahlte 11,2 Millionen Euro, Ex-Audi-Chef Stadler 4,1 Millionen Euro.

Vorinstanzen hatten anders entschieden

Die VW-Hauptversammlung stimmte diesen Vergleichen im Juli 2021 mit großer Mehrheit zu. Doch Kapitalanlegerschutzvereinigungen hielten die Beschlüsse für nichtig und zogen vor Gericht. Das Landgericht Hannover wies ihre Klage zunächst ab, und auch das OLG Celle wies die dagegen eingelegte Berufung zurück. Die Kläger legten Revision ein, sodass der Fall am obersten deutschen Zivilgericht in Karlsruhe landete. (Az. II ZR 154/23)

Die Revision hatte jetzt in wesentlichen Punkten Erfolg, wie der BGH mitteilte. Der Beschluss über die Zustimmung zum Deckungsvergleich mit den D&O-Versicherern sei wegen eines Gesetzesverstoßes nichtig. Das Gericht kritisierte unter anderem, dass bestimmte Angaben in der Tagesordnung bei Einberufung der Hauptversammlung gefehlt hätten. In Bezug auf die Haftungsvergleiche mit den ehemaligen Vorständen wurde das Verfahren ans OLG zurückverwiesen.

VW will Vereinbarungen neu abschließen

Die Volkswagen AG sei mit den anderen Parteien der Vergleichsvereinbarungen zu den möglichen Folgen des BGH-Urteils und daraus resultierenden nächsten Schritte in Gesprächen, teilte ein Sprecher des Autoherstellers mit. «Vorsorglich ist insbesondere mit den Versicherern vereinbart worden, dass etwaige Rückforderungsansprüche vorerst nicht geltend gemacht werden und dass die Gespräche nach Analyse des nun vorliegenden Urteils fortgesetzt werden.»

Mit Blick auf die Haftungsvergleiche mit den ehemaligen Vorständen habe der BGH den Inhalt der Vergleiche nicht beanstandet. Nach Einschätzung von Volkswagen treffen die maßgeblichen Gründe, die 2021 für den Abschluss der Vergleiche sprachen, auch heute noch zu. «Absicht von Volkswagen ist es, die 2021 getroffenen Vereinbarungen erneut abzuschließen», sagte der Sprecher.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 68235678 |

Weitere Meldungen

Spritpreise sinken weiter - aber langsamer. E10 gibt es an einzelnen Tankstellen unter 2 Euro - doch die Dynamik lässt Richtung Wochenende nach. Vor allem Diesel gibt nach. (Wirtschaft, 17.04.2026 - 13:18) weiterlesen...

Bundestag beschließt Start der E-Auto-Prämie ab Januar 2026. Der Bundestag hat den Weg dafür freigemacht. Die Förderregeln gefallen nicht jedem. Die neue Kaufprämie für Elektroautos tritt wie angekündigt rückwirkend ab Jahresanfang in Kraft. (Wirtschaft, 17.04.2026 - 11:51) weiterlesen...

Talfahrt der Spritpreise hält an. E10 gibt es vereinzelt unter 2 Euro. Vor allem Diesel gibt nach - der Abstand zwischen den beiden Kraftstoffen hat sich inzwischen mehr als halbiert. (Wirtschaft, 17.04.2026 - 09:13) weiterlesen...

Felbermayr: Ticketpreise für Flüge werden stark steigen. Manche Flugverbindungen könnten gestrichen werden. Eine Prognose hat er auch für die Spritpreise. Der Außenhandelsexperte Gabriel Felbermayr geht von stark steigenden Preisen für Flugtickets aus. (Wirtschaft, 17.04.2026 - 08:32) weiterlesen...

Sprit an der Tanke gepanscht? Experten entkräften Gerüchte. Doch Experten widersprechen und erklären, warum die Kraftstoffe sicher sind. Auf TikTok werden derzeit Nutzer mit Gerüchten über angeblich gestrecktes Benzin an den Zapfsäulen verunsichert. (Wirtschaft, 17.04.2026 - 05:00) weiterlesen...

Bosch meldet erstmals seit Finanzkrise Verlust. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne und Steuereffekte belasten. Bosch steckt in der Krise - und schreibt zum ersten Mal seit Jahren rote Zahlen. (Politik, 16.04.2026 - 13:56) weiterlesen...