Industrie baut 2025 mehr als 120.000 Jobs in Deutschland ab
Veröffentlicht am: 17.02.2026 um 04:00 Uhr | dpa.deIn der Wirtschaftskrise hat die deutsche Industrie 2025 im groĂen Stil Jobs gestrichen. Ende vergangenen Jahres arbeiteten dort rund 5,38 Millionen Menschen - gut 124.000 oder 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Das zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Stellenabbau in der Industrie fiel damit fast doppelt so hoch aus wie 2024, so die Studie, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert und Firmen mit mindestens 50 BeschĂ€ftigten erfasst.
Am hÀrtesten traf es 2025 die kriselnde Autobranche, wo allein rund 50.000 Jobs verloren gingen, wÀhrend die Chemie- und Pharmaindustrie mit einem Minus von rund 2.000 Stellen glimpflich davonkam.
«Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise», sagte Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. Seit 2023 seien die IndustrieumsĂ€tze um fast fĂŒnf Prozent geschrumpft. Der Stellenabbau sei daher noch moderat. Klar sei aber: «Es brĂ€uchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der BeschĂ€ftigung zu verhindern.»
Zwei Branchen wachsen gegen Trend
Allein im vergangenen Jahr sank der Umsatz der Industrie laut Studie um 1,1 Prozent, das vierte Quartal 2025 war bereits das zehnte in Folge mit RĂŒckgĂ€ngen. WĂ€hrend besonders die Auto-, Papier- und Textilbranche Umsatz verloren, legte die Metallindustrie und Elektrotechnik zu.
Mittelfristig fĂ€llt der Stellenabbau in der Industrie noch gröĂer aus als 2025. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der BeschĂ€ftigten um rund 266.000 â laut EY ein Minus von knapp fĂŒnf Prozent. In der Autobranche schrumpfte die BeschĂ€ftigung seitdem sogar um 13 Prozent oder 111.000 Menschen.
Einen krÀftigen Stellenabbau gab es auch in der Textilindustrie mit minus 16 Prozent und der Metallindustrie mit minus 13 Prozent. Dagegen wuchs die BeschÀftigung in der Chemie- und Pharmaindustrie seit 2019 um drei Prozent und in der Elektroindustrie um zwei Prozent.
Weiterer Stellenabbau 2026 erwartet
Unterm Strich dĂŒrfte die Industrie dieses Jahr wegen schwacher AuftrĂ€ge und des hohen Wettbewerbsdrucks weiter Stellen abbauen, glaubt EY. Dazu komme die steigende Zahl von Insolvenzen, gerade bei Autozulieferern, sagt Brorhilker. Auch bauten Autokonzerne verstĂ€rkt Produktion sowie Forschung und Entwicklung im Ausland auf â «das geht auf Kosten der ArbeitsplĂ€tze in Deutschland».Â
Zwar erwarteten Ăkonomen, dass die deutsche Wirtschaft nach Jahren der Flaute 2026 wieder um rund ein Prozent wĂ€chst. Doch bis sich das in den Betrieben niederschlĂ€gt, vergeht Zeit. Einen breiten Aufschwung erwarten Volkswirte erst 2027, wenn die staatlichen Milliardenausgaben fĂŒr RĂŒstung und Infrastruktur ihre volle Wirkung entfalten.
