Deutschland, Arbeit

StÀrkere Tarifbindung verhindert? DGB attackiert Ministerin

04.02.2026 - 12:52:30 | dpa.de

Die Zahl der BeschĂ€ftigten in Deutschland, fĂŒr die ein Tarifvertrag gilt, sinkt seit Jahren. Nun attackiert der Gewerkschaftsbund Wirtschaftsministerin Reiche - und wirft ihr eine Blockade vor.

Stefan Körzell attackiert Wirtschaftsministerin Reiche (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Stefan Körzell attackiert Wirtschaftsministerin Reiche (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wirft der CDU-gefĂŒhrten Bundesregierung vor, die StĂ€rkung der Tarifbindung in Deutschland zu verzögern. Am Mittwoch sollte im Bundeskabinett der nationale Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen beschlossen werden. «Das wurde zum nunmehr vierten Mal auf DrĂ€ngen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) von der Tagesordnung genommen», sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell dem «Tagesspiegel». «Das ist ein Skandal.»

Die EU-Mindestlohn-Richtlinie verpflichtet LÀnder mit einer Tarifbindung von unter 80 Prozent, einen Plan bei der EU-Kommission vorzulegen. Die Bundesregierung riskiert aus Sicht des DGB die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens. «Reiche muss ihren Widerstand endlich aufgeben und die Bundesregierung den Plan so schnell wie möglich auf den Weg bringen», forderte Körzell.

«Union treibt jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf»

Die Zahl der Betriebe und BeschĂ€ftigten in Deutschland, fĂŒr die ein Tarifvertrag gilt, sinkt seit Jahren. Nur bei knapp der HĂ€lfte (49 Prozent) der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer war 2024 das BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis per Tarifvertrag geregelt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Laut DGB liegen in Sachen Tarifbindung 18 EU-LĂ€nder unter der 80-Prozent-Marke. Neun davon hĂ€tten schon einen Aktionsplan verabschiedet.

Ein Instrument fĂŒr eine StĂ€rkung der Tarifbindung ist die EinfĂŒhrung eines Bundestariftreuegesetzes. Es sieht vor, dass öffentliche AuftrĂ€ge des Bundes nur an Unternehmen gehen sollen, die ihre BeschĂ€ftigten nach Tarif bezahlen. Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) hat es im Oktober in den Bundestag eingebracht.

Von CDU und CSU fordert Körzell Tempo fĂŒr eine zĂŒgige Verabschiedung. «Die Union treibt jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf und macht VorschlĂ€ge, wie man Arbeitnehmer noch stĂ€rker belasten kann», sagte Körzell. «Das Tariftreuegesetz muss schnellstens vom Bundestag beschlossen werden.» 

Kritik von den Linken

Von den Linken kam ebenfalls Kritik. Lohndumping bleibe TĂŒr und Tor geöffnet, sagte Pascal Meiser, gewerkschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. «Offenkundig setzen sich in der Union mehr und mehr diejenigen durch, die sich auch fĂŒr Deutschland US-amerikanische VerhĂ€ltnisse in der Arbeitswelt wĂŒnschen, wo Löhne und Arbeitsbedingungen vorwiegend individuell ausgehandelt werden und nicht durch TarifvertrĂ€ge geschĂŒtzt werden.»

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