Insolvenzen von Verbrauchern und Firmen steigen in der Krise
Veröffentlicht am: 12.06.2026 um 09:56 Uhr | dpa.de
Inmitten der Wirtschaftskrise reiĂt die Welle der Firmenpleiten in Deutschland nicht ab. Im ersten Quartal wurden 6.275 Unternehmensinsolvenzen bei den Amtsgerichten beantragt und damit 6,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allein im MĂ€rz stieg demnach die Zahl um 15,8 Prozent.
Auch Privatleute geraten zunehmend in finanzielle BedrĂ€ngnis. So gab es im MĂ€rz 7.462 Verbraucherinsolvenzen - fast ein FĂŒnftel (18,9 Prozent) mehr als im Vorjahr. Im ersten Quartal legte die Zahl um sechs Prozent zu.Â
Der Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, sprach von einem «Warnschuss fĂŒr die Bundesregierung». Die Daten seien ein klarer Auftrag, Reformen zur Entlastung der Betriebe anzugehen. «Im MĂ€rz mussten so viele Unternehmen ihre Pforten schlieĂen wie seit zwölf Jahren nicht mehr.» Hohe Energiepreise und steigende Arbeitskosten belasteten viele Firmen, gerade im Mittelstand.
Forderungen der GlÀubiger sinken trotzdem
Die Forderungen der GlĂ€ubiger aus den Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal beliefen sich laut Statistik auf rund 9,3 Milliarden Euro - deutlich weniger als ein Jahr zuvor mit 19,9 Milliarden Euro. Dem Statistischen Bundesamt zufolge liegt das daran, dass im ersten Quartal 2025 mehr GroĂunternehmen Insolvenz beantragt hatten.Â
Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im ersten Quartal dieses Jahres 17,7 Insolvenzen. Am stĂ€rksten betroffen waren Verkehr und Lagerei sowie das Gast- und Baugewerbe. Bei den Daten ist zu berĂŒcksichtigen, dass die AntrĂ€ge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einflieĂen. Der tatsĂ€chliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen FĂ€llen fast drei Monate davor.
Experten wie die Kreditauskunftei Creditreform rechnen auch im laufenden Jahr mit mehr Insolvenzen in Deutschland. Einer Studie der Beratungsgesellschaft EY Parthenon zufolge erwarten auf KrisenfĂ€lle spezialisierte Banken mehr Umstrukturierungen angesichts steigender Energie- und Rohstoffkosten, Kriegen und einer schwĂ€cheren Wirtschaft. FĂŒr den Auto- und Maschinenbau werde in Deutschland der höchste Restrukturierungsbedarf erwartet, wĂ€hrend der Druck in der Immobilienbranche sinke. Deutschland als Exportnation sei vom global langsameren Wirtschaftswachstum und geopolitischen Krisen stĂ€rker betroffen als andere LĂ€nder in Europa.
