Dieselpreis-Rekord, Euro

Dieselpreis-Rekord 2,453 Euro: Spediteure fordern Gewerbediesel

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der BGL fordert Entlastungen für Transportunternehmen, während Dieselpreise steigen und sinkende Exporte das weltweite Angebot weiter verknappen.

BGL warnt vor Logistik-Krise durch Dieselpreise auf Rekordniveau
Eine leere, verlassene Autobahn bei Dämmerung unter einem grauen Himmel, die die wirtschaftliche Belastung der Logistikbranche symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

In einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) auf die existenzbedrohende Lage mittelständischer Transportunternehmen aufmerksam gemacht.

Der Verband, der rund 7.000 überwiegend familiengeführte Betriebe vertritt, reagiert damit auf die jüngste Entwicklung der Kraftstoffpreise, die neue Rekordwerte erreicht haben. Wie aus einem Bericht vom 17. September 2026 hervorgeht, sieht die Branche die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet.

Massive Kostenbelastung für Fuhrparks

Seit der Eskalation der Lage im Nahen Osten verzeichnet der BGL einen Anstieg des Netto-Dieselpreises um 60 Cent pro Liter. Diese Entwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Betriebskosten der Logistiker. Nach Berechnungen des Verbandes führt diese Preissteigerung bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 10.000 Kilometern pro Monat und Fahrzeug zu monatlichen Mehrkosten in Höhe von 1.800 Euro pro Lastkraftwagen.

Für ein mittelständisches Unternehmen mit einer Flotte von 50 Fahrzeugen summiert sich die zusätzliche Belastung demnach auf 1.080.000 Euro pro Jahr. Angesichts dieser Zahlen warnt der BGL vor dem Aus zahlreicher Betriebe und möglichen Lücken in der Versorgungskette. BGL-Vorstand Engelhardt wies darauf hin, dass bereits bis zu 20 Prozent der Transportkapazitäten aus dem Markt genommen worden seien.

Forderungen nach strukturellen Entlastungen und Gewerbediesel

Um einen flächendeckenden Zusammenbruch der Logistikbranche zu verhindern, fordert der BGL von der Bundesregierung den Stopp der geplanten Verdopplung der CO2-Abgabe. Zudem verlangt der Verband ein Ende der doppelten CO2-Belastung, die sich derzeit aus dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) und der Lkw-Maut ergibt.

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Ein zentraler Punkt des Forderungskatalogs ist die Einführung eines sogenannten Gewerbediesels. Der BGL verweist hierbei auf europäische Vorbilder wie Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Slowenien, Spanien und Ungarn, die bereits entsprechende Modelle umgesetzt haben.

Den Vorschlag von Bundeswirtschaftsministerin Reiche, die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe temporär von 19 auf 7 Prozent zu senken, lehnt der Verband hingegen ab. Da die Mehrwertsteuer für Unternehmen ein durchlaufender Posten sei, entstünde dadurch keine wirksame Entlastung für die Branche.

Rekordpreise an den Tankstellen und politische Batte

Daten des ADAC unterstreichen den Ernst der Lage. Mitte September wurde für Diesel ein bundesweiter Tagesschnitt von 2,453 Euro pro Liter ermittelt, was ein neues Allzeithoch darstellt. Der bisherige Rekordwert stammte vom 7. April und lag bei 2,446 Euro pro Liter. Auch die Benzinpreise markierten mit 2,314 Euro pro Liter das fünfte Hoch in Folge. Seit Ende Februar sind die Preise für Diesel um 71 Cent und für Super E10 um 54 Cent gestiegen.

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In der Politik werden verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Während Wirtschaftsministerin Reiche eine Mehrwertsteuersenkung zur direkten Entlastung an der Zapfsäule vorschlägt, wirbt SPD-Politiker Klingbeil für einen variablen Spritpreisdeckel, der durch eine Übergewinnsteuer finanziert werden soll.

Der Deutsche Bauernverband schließt sich den Forderungen nach einer Senkung der Energiesteuer und der CO2-Bepreisung an. Auch sächsische Industrie- und Handelskammern plädieren für eine strukturelle Entlastung, etwa durch die Absenkung der Energiesteuer auf den EU-Mindestsatz, statt kurzfristiger Tankrabatte.

Globales Angebot verknappt die Bestände

Hintergrund der Preisentwicklung ist ein deutlich verringertes Angebot auf dem Weltmarkt. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) exportierten die Golfstaaten im August nur noch rund 390.000 Barrel Diesel und Gasöl pro Tag, was lediglich etwa einem Viertel des Niveaus vor Ausbruch der krisenhaften Entwicklungen entspricht.

Zusammengenommen fehlen dem Markt durch exportrückgänge aus China, Russland und den Golfstaaten täglich zwischen 1,5 und 2 Millionen Barrel. Ökonomen wie der Argus-Experte Fyfe gehen davon aus, dass die Dieselpreise über Monate hinweg auf einem hohen Niveau verharren werden.

Dies trifft die gesamte deutsche Wirtschaft schwer. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) meldete für Juli 2026 Energiepreise, die 54 Prozent über dem Durchschnitt von 2019 lagen. Der DIHK warnt zudem vor einer steigenden Importrechnung für Energie, die das deutsche Bruttoinlandsprodukt mit bis zu 40 Milliarden Euro belasten könnte.

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