Digitale, SouverÀnitÀt

Digitale SouverÀnitÀt: EU investiert 420 Milliarden gegen US-AbhÀngigkeit

08.06.2026 - 13:08:22 | boerse-global.de

Die EU-Kommission will mit Milliardeninvestitionen und neuen Regeln die AbhÀngigkeit von US-Cloud-Diensten und Halbleitern reduzieren.

EU-Strategie: Cloud-Gesetz und Milliarden fĂŒr digitale UnabhĂ€ngigkeit
Digitale - Ein futuristisches Rechenzentrum mit leuchtend blauen Serverracks und einem abstrakten digitalen Schild, das Datensicherheit symbolisiert. 08.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die EuropĂ€ische Kommission hat mit dem „Technological Sovereignty Package“ eine umfassende Strategie zur Reduzierung digitaler AbhĂ€ngigkeiten vorgelegt. Rund 80 Prozent der digitalen SchlĂŒsselprodukte und 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes werden derzeit von US-Konzernen kontrolliert. Das Gesetzespaket soll die Kontrolle ĂŒber sensible Daten und kritische Infrastrukturen zurĂŒckgewinnen.

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Vier Sicherheitsstufen fĂŒr Cloud-Dienste

HerzstĂŒck der Initiative ist der „Cloud and AI Development Act“ (CADA). Er fĂŒhrt vier „Union Assurance Levels“ (UAL 1 bis 4) ein. Die erste Stufe definiert lediglich Mindeststandards. Die höheren Stufen UAL 3 und UAL 4 verlangen, dass die Infrastruktur ausschließlich von EU-BĂŒrgern betrieben wird.

Das hat Konsequenzen: US-Anbieter wie Microsoft oder Amazon wÀren bei sensiblen Regierungsdaten faktisch ausgeschlossen. Der Grund liegt im US CLOUD Act von 2018, der US-Behörden Zugriff auf Daten gewÀhrt, die von US-Unternehmen kontrolliert werden.

Ein Gutachten der UniversitÀt Köln aus dem Jahr 2025 bestÀtigte bereits: Ein reiner Serverstandort in Deutschland reicht nicht aus, solange die Kontrollmehrheit bei US-Mutterkonzernen liegt. Microsoft-Vertreter rÀumten zudem im Juni 2025 vor dem französischen Senat ein, dass keine absolute Garantie gegen Datenweitergaben an US-Behörden möglich sei.

Der CADA sieht daher eine RisikoprĂŒfung vor. Diese umfasst auch einen technischen „Kill-Switch“ zum Schutz vor unberechtigten Zugriffen durch Drittstaaten.

Europa sucht Alternativen zu Palantir

Parallel zur Regulierung verstĂ€rken europĂ€ische Regierungen ihre BemĂŒhungen, Software des US-Unternehmens Palantir zu ersetzen. Am 5. Juni erklĂ€rten mehrere Staaten, die AbhĂ€ngigkeit von dem Datenanalysespezialisten beenden zu wollen.

In den Niederlanden wird eine zweigleisige Politik verfolgt. Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren eine vollwertige europÀische Alternative einsatzbereit zu haben. Ein Parlamentsausschuss im Vereinigten Königreich bezeichnete die AbhÀngigkeit von Palantir als unakzeptablen Schwachpunkt. Ein bestehender Vertrag mit dem Gesundheitsdienst NHS soll bis 2027 zu einem lokalen Anbieter migriert werden.

Im militĂ€rischen Bereich testet Frankreich ab heute im Rahmen einer NATO-Übung in Polen das KI-Gefechtssystem „Arcadia“. Entwickelt wurde es gemeinsam mit europĂ€ischen Partnern wie Mistral AI, Safran, Thales und Airbus. Es ist die direkte Antwort auf das US-System Maven.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden orientieren sich um: Der Inlandsgeheimdienst beauftragte das französische Unternehmen ChapsVision. In anderen Vorhaben wurden US-Firmen explizit ausgeschlossen.

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Milliarden fĂŒr Halbleiter und Rechenzentren

Die EU-Kommission veranschlagt bis 2036 einen Kapitalbedarf von 420 Milliarden Euro. Davon fließen 120 Milliarden Euro in den Halbleitersektor. Der europĂ€ische Anteil an der weltweiten Chipproduktion soll sich verdoppeln.

Ein aktualisierter „Chips Act 2.0“ soll die Genehmigungsverfahren fĂŒr neue Fabriken auf zwölf Monate begrenzen. Geplant ist der Bau einer europĂ€ischen Foundry fĂŒr Sub-3nm-Chips zwischen 2030 und 2033.

Weitere 200 Milliarden Euro sind fĂŒr den Ausbau europĂ€ischer Rechenzentren vorgesehen. Deren KapazitĂ€t soll sich innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. 100 Milliarden Euro fließen in die Bereiche Cloud und KĂŒnstliche Intelligenz.

Begleitend dazu wird eine Open-Source-Strategie mit einem Budget von zwei Milliarden Euro ĂŒber sieben Jahre gefördert. Ziel ist eine vielfĂ€ltigere Anbieterlandschaft.

Schleswig-Holstein zeigt, wie es geht

Ein praktisches Beispiel liefert die Landesverwaltung von Schleswig-Holstein. Dort werden rund 60.000 Arbeitsplatzrechner von Microsoft-Produkten auf Open-Source-Lösungen umgestellt. Nach Angaben der Staatskanzlei in Kiel wurden bereits 44.000 PostfÀcher auf Open-Xchange migriert.

Das Ziel: Windows komplett durch Linux und Office-Produkte durch LibreOffice ersetzen. Die Verantwortlichen betonten, dass digitale SouverÀnitÀt nur durch Wettbewerb, Kontrolle und die FÀhigkeit zum Anbieterwechsel erreicht werden könne. Der Schritt soll die Verwaltung unabhÀngig vom US CLOUD Act machen.

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