Digitales Bezahlen: Deutschland holt auf, bleibt aber weit hinter Norden zurĂŒck
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschland holt beim digitalen Bezahlen auf, bleibt im internationalen Vergleich aber deutlich hinter den nordischen LĂ€ndern zurĂŒck.
300 elektronische Zahlungen pro Kopf
Nach einer Analyse der Boston Consulting Group (BCG) wurden 2025 in Deutschland im Schnitt rund 300 elektronische Zahlungen pro Kopf getÀtigt. Der EU-Durchschnitt lag bei etwa 400 Transaktionen, in Norwegen, DÀnemark, Schweden und Finnland waren es rund 700.
Die Zahl der elektronischen Zahlungen wuchs in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr allerdings um rund zehn Prozent und damit stĂ€rker als im EU-Schnitt mit acht Prozent. Die BCG berĂŒcksichtigt Kartenzahlungen und weitere elektronische Zahlungen von Verbrauchern ab 15 Jahren, nicht aber Bargeld, Schecks und papierbasierte Ăberweisungen.
Kartenzahlungen nehmen zu
Auch bei Kartenzahlungen allein verzeichnete Deutschland einen Zuwachs. 2025 entfielen hierzulande durchschnittlich 196 Kartentransaktionen auf jeden Einwohner. Im gesamten deutschsprachigen Raum mit Ăsterreich und der Schweiz waren es 216, in der EU 327 und in den nordischen LĂ€ndern 539.
In den USA wurden im Schnitt sogar 647 Kartenzahlungen pro Kopf registriert. Deutschland steigerte die Zahl der Kartentransaktionen binnen Jahresfrist um 11,3 Prozent; in der EU lag der Zuwachs bei 7,9 Prozent.
Bargeld bleibt bedeutend
âDie Deutschen holen beim digitalen Bezahlen zwar auf, bleiben dem Bargeld aber weiterhin treuâ, sagte BCG-Experte Markus Ampenberger, Co-Autor der Studie. Der Abstand zu den nordischen LĂ€ndern bleibe groĂ.
Nach Angaben der Bundesbank bezahlten die Menschen 2025 ihre EinkĂ€ufe erstmals hĂ€ufiger digital als mit Bargeld; 55 Prozent der Transaktionen waren bargeldlos. Scheine und MĂŒnzen werden vor allem von Ălteren sowie von Menschen mit geringem Einkommen oder wenig digitaler Erfahrung genutzt.
Pflicht zur digitalen Zahlungsoption geplant
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will, dass GeschĂ€fte und Restaurants kĂŒnftig zusĂ€tzlich zu Bargeld Kartenzahlungen oder Zahlungen per Handy akzeptieren mĂŒssen. Das Finanzministerium strebt an, den Gesetzentwurf noch in diesem Jahr im Kabinett zu beschlieĂen und die Regelung 2027 umzusetzen.
Deutschland im Ăbergang
Die Zahlen markieren keinen abrupten Abschied vom Bargeld, sondern einen schrittweisen Wandel im Zahlungsalltag. 2025 wurden EinkĂ€ufe in Deutschland laut Bundesbank erstmals hĂ€ufiger bargeldlos als bar bezahlt. Gleichzeitig bleibt Bargeld fĂŒr viele Menschen wichtig, insbesondere fĂŒr Ăltere sowie fĂŒr Personen mit geringem Einkommen oder wenig digitaler Erfahrung.
Im europĂ€ischen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland nicht grundsĂ€tzlich auf elektronische Zahlungen verzichtet, sondern sie deutlich seltener nutzt als die nordischen LĂ€nder. Der stĂ€rkere Zuwachs gegenĂŒber dem Vorjahr spricht jedoch dafĂŒr, dass sich die Zahlungsgewohnheiten verĂ€ndern. Dazu tragen kontaktlose Kartenzahlungen, mobile Bezahldienste und der wachsende Onlinehandel bei.
Politische und praktische Folgen
Die geplante Pflicht, zusĂ€tzlich zu Bargeld auch digitale Zahlungen zu akzeptieren, wĂŒrde den Zugang zu Kartenzahlungen im stationĂ€ren Handel erleichtern. FĂŒr Verbraucher könnte das mehr Auswahl bedeuten; fĂŒr GeschĂ€fte entstĂŒnden zugleich Anforderungen an Terminals, GebĂŒhren, Datenschutz und die technische VerfĂŒgbarkeit.
Die Entwicklung hat auch eine soziale und infrastrukturelle Seite. Digitale Zahlungen setzen ein funktionsfĂ€higes Konto, ein geeignetes GerĂ€t oder eine Karte sowie Strom- und Netzverbindungen voraus. Bargeld bleibt deshalb als Ausweichmöglichkeit relevant, etwa bei technischen Störungen oder fĂŒr Menschen, die digitale Angebote nicht regelmĂ€Ăig nutzen.
