Digitalisierung am Arbeitsplatz: Körperlich Beschäftigte haben 20 Prozent mehr Krankheitstage
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der zunehmende Einsatz digitaler Technologien am Arbeitsplatz wirkt sich nicht auf alle Berufsgruppen gleich aus. Wie das Portal marktundmittelstand.de am 04.10.2026 unter Berufung auf eine Untersuchung des ifo Instituts, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der Universität Konstanz berichtete, geht eine stärkere Digitalisierung bei überwiegend körperlich Beschäftigten mit spürbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen einher.
Die Auswertung von Daten aus den Jahren 2011–2019 zeigt demnach, dass die Betroffenen ihren eigenen Gesundheitszustand schlechter bewerteten und rund 20 % mehr Krankheitstage pro Jahr aufwiesen.
Deutliche Unterschiede zwischen Werkstatt und Büro
Die Auswertungen der Forschungseinrichtungen verdeutlichen eine klare Trennlinie zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Während bei manuell und handwerklich Tätigen ein enger Zusammenhang zwischen dem Grad der Digitalisierung und höheren Fehlzeiten sichtbar wurde, zeigte sich dieser Effekt für Büroberufe nicht.
Bei Beschäftigten an Bildschirm- und Schreibtischarbeitsplätzen ließ sich demnach keine entsprechende Zunahme an Krankmeldungen oder eine vergleichbare Verschlechterung des subjektiven Wohlbefindens feststellen.
Gleichzeitig betonen die beteiligten Forscher, dass die beobachteten Korrelationen keinen gesicherten kausalen Zusammenhang belegen. Die statistischen Muster verdeutlichen jedoch, dass neue digitale Prozesse in handwerklichen oder industriellen Abläufen zu spezifischen Belastungen führen können, die im klassischen Büroumfeld in dieser Form nicht auftreten.
Weiterbildung und Führungskräfte federn Belastungen ab
Die Untersuchung liefert zugleich Hinweise darauf, wie Unternehmen diesen negativen Auswirkungen entgegenwirken können. Bei körperlich Beschäftigten, die entsprechende Schulungen im Umgang mit den digitalen Neuerungen erhielten, zeigten sich laut der Studie kaum eine schlechtere Einschätzung der Gesundheit und keine zusätzlichen Krankheitstage. Die gezielte Vorbereitung auf veränderte Werkzeuge und Abläufe scheint somit einen wesentlichen Schutzfaktor darzustellen.
Wer sich mit der Belastung von Mitarbeitern befasst, erkennt schnell, dass die psychische Gesundheit ein zentraler Baustein für den Betriebserfolg ist. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Überlastungsanzeigen rechtssicher handhaben und Belastungen frühzeitig erkennen. Muster-Vorlagen und 7 Sofort-Tipps jetzt kostenlos sichern
Darüber hinaus erwies sich das Verhalten der betrieblichen Vorgesetzten als entscheidender Faktor. Eine spürbare Unterstützung durch Vorgesetzte ging der Studie zufolge mit einer deutlich geringeren Belastung für die Mitarbeiter einher. Neben technischen Trainings spielt somit auch die Begleitung des Wandels durch das direkte Führungspersonal eine zentrale Rolle bei der Vermeidung von gesundheitlichen Risiken.
Steigender Druck betrifft alle Berufsgruppen
Trotz der unterschiedlichen Auswirkungen auf Fehlzeiten und Gesundheitsempfinden brachte die Digitalisierung für die gesamte Belegschaft spürbare Veränderungen mit sich. Sowohl bei den körperlich Beschäftigten als auch beim Personal in Büroberufen stiegen im Erhebungszeitraum von 2011–2019 die Aufgabenkomplexität sowie der Zeit- und Leistungsdruck an.
Ein modernes Arbeitsumfeld verlangt von Führungskräften eine situative Anpassung ihres Verhaltens, um Teamzufriedenheit und Produktivität hochzuhalten. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, welcher Führungsstil in welcher Situation am effektivsten wirkt. Kostenlosen Führungsstil-Ratgeber inkl. Checkliste herunterladen
Während Angestellte in Verwaltungen und Dienstleistungsfunktionen diesen gestiegenen Druck offenbar ohne messbare Steigerung der Krankenstände abfedern konnten, wirkten sich die zusätzlichen Anforderungen im manuellen Bereich unmittelbarer auf die Physis und die Fehlzeiten aus.
Für Arbeitgeber verdeutlichen die Ergebnisse, dass technische Modernisierungen in gewerblichen und handwerklichen Bereichen zwingend durch Weiterbildungsangebote und aufmerksame Führung flankiert werden müssen.
