Stromsteuer, DIHK

Stromsteuer: DIHK fordert Entlastung für alle Unternehmen

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 16:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
DIHK-Präsident Peter Adrian verlangt eine Ausweitung der bereits geltenden Stromsteuerentlastung auf alle Unternehmen. Nach seinen Angaben könnten Betriebe je nach Größe jährlich von fünf- bis siebenstelligen Beträgen profitieren, während der SoVD gezielte Hilfen statt einer Entlastung nach dem Gießkannenprinzip fordert.

Stromsteuer und Forderungen der Länder

  • DIHK-Präsident Peter Adrian verlangt die Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen auf das europäische Mindestmaß.
  • Ein durchschnittliches Hotel könnte dadurch rund 10.000 Euro im Jahr sparen, ein Einkaufszentrum rund 200.000 Euro.
  • Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz verweisen auf die Koalitionszusage und drängen auf eine schnelle Umsetzung.
Stromzähler (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

DIHK verlangt Stromsteuerentlastung für alle Unternehmen

Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Peter Adrian, fordert von der Bundesregierung eine Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen auf das europäische Mindestmaß. Die Entlastung solle nicht nur der Industrie, sondern auch Handel, Gastgewerbe und IT-Dienstleistern zugutekommen.

DIHK nennt konkrete Entlastungsbeträge

Adrian sagte der Funke-Mediengruppe, die Bundesregierung müsse ihr Versprechen jetzt einlösen. Die Strompreise in Deutschland gehörten zu den höchsten in Europa; den finanziellen Spielraum für die Steuersenkung böten nach seiner Einschätzung erwartete Steuereinnahmen sowie Einnahmen aus der CO2-Bepreisung.

Nach DIHK-Angaben würde ein durchschnittliches Hotel durch die Absenkung rund 10.000 Euro im Jahr entlastet. Für ein Einkaufszentrum nannte die Kammer rund 200.000 Euro, für ein großes Rechenzentrum rund eine Million Euro.

Adrian verweist auf Klimaschutz

Eine niedrigere Stromsteuer könne nach Einschätzung des DIHK-Präsidenten Investitionen in klimafreundliche Anwendungen wie Wärmepumpen und Elektromobilität stärken. Das könne zudem die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten sowie von Schwankungen an internationalen Rohstoffmärkten verringern.

SoVD fordert gezielte Hilfen

Auch die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sprach sich für Entlastungen bei den Stromkosten aus. Eine pauschale Senkung für alle sei jedoch eine Entlastung mit der Gießkanne.

Engelmeier verlangte stattdessen spürbare Entlastungen für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sowie zusätzliche Hilfen für diejenigen, die wegen hoher Mieten, Lebensmittelpreise und Energiekosten kaum über die Runden kommen und deren Armutsrisiko steige.

Länder drängen auf schnelle Umsetzung

Vor Beginn der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin forderten mehrere Länderchefs eine rasche Ausweitung der Stromsteuersenkung. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst verlangte eine Entlastung für private Haushalte, Handwerk, Handel und Dienstleistungsunternehmen.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und der rheinland-pfälzische Regierungschef Gordon Schnieder verwiesen auf die Zusage im Koalitionsvertrag. Schnieder nannte den 1. Januar als Wunschdatum.

Bisher profitieren nur bestimmte Branchen

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte vereinbart, die Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß zu senken. Bislang profitieren davon jedoch nur die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.

Die Forderung der Deutschen Industrie- und Handelskammer fällt in eine Debatte, die Bund und Länder zugleich betrifft: Die Stromsteuer soll nach der Vereinbarung der schwarz-roten Bundesregierung auf das europäische Mindestmaß sinken, bislang gilt die Entlastung aber nur für bestimmte Wirtschaftsbereiche. Damit stehen sich ein branchenübergreifender Entlastungsansatz und die bisherige sektorale Begrenzung gegenüber.

Für Unternehmen geht es nicht nur um die unmittelbare Höhe der Rechnung. Stromkosten beeinflussen Preise, Investitionsentscheidungen und die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver wie auch kleinerer Betriebe. Die von der DIHK genannten Beispiele verdeutlichen die unterschiedliche Größenordnung: Während ein Hotel jährlich rund 10.000 Euro sparen könnte, läge die Entlastung bei einem großen Rechenzentrum bei rund einer Million Euro.

Verteilung und Finanzierung

Die Debatte hat zugleich eine soziale und finanzpolitische Dimension. Der SoVD warnt vor einer pauschalen Entlastung, weil davon auch Haushalte und Unternehmen profitieren würden, die weniger Unterstützung benötigen, und fordert gezielte Hilfen für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Auf der Finanzierungsseite verweist die DIHK auf erwartete Steuereinnahmen und Einnahmen aus der CO2-Bepreisung.

Politisch erhöht der Druck aus den Ländern den Handlungsbedarf. Mehrere Ministerpräsidenten verlangen eine schnelle Ausweitung auf private Haushalte sowie weitere Wirtschaftsbereiche; als möglicher Starttermin wurde der 1. Januar genannt. Für Betriebe und Verbraucher bleibt damit entscheidend, ob die Bundesregierung den vereinbarten Schritt über die bereits begünstigten Branchen hinaus umsetzt und wie sie die Entlastung finanziert.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Wüst fordert Senkung der Stromsteuer für alle“ (22.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die Forderung nach einer raschen Senkung für private Haushalte und alle Unternehmen. Im Mittelpunkt steht dabei der Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten vor der Ministerpräsidentenkonferenz, während die DIHK die Perspektive der Betriebe und konkrete Entlastungsbeträge hervorhebt.

Deutschlandfunk: „Ministerpräsidentenkonferenz - Bundesländer fordern rasche Senkung der Stromsteuer für alle“ (22.10.2026)

Der Deutschlandfunk beschreibt die länderübergreifende Forderung nach einer schnellen Ausweitung auf Privathaushalte und Unternehmen. Gemeinsam ist beiden Beiträgen der Ruf nach einer allgemeinen Senkung; der dts-Bericht setzt zusätzlich den Schwerpunkt auf die DIHK-Forderung und die Kritik des SoVD an einer pauschalen Entlastung.

Damit besteht Einigkeit über den politischen Druck zur Ausweitung, während Umfang, Zielgruppen, Finanzierung und Zeitpunkt der Umsetzung die offenen Punkte bleiben.

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