DocMorris, Apothekerkammer Nordrhein

DocMorris: Apothekerkammer lÀsst Geld in den Niederlanden pfÀnden

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 12:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Apothekerkammer Nordrhein hat bei DocMorris in den Niederlanden Geld pfĂ€nden lassen. Hintergrund sind Ordnungsgelder aus einem jahrelangen Streit ĂŒber Rabattwerbung und die Einhaltung deutscher Gerichtsentscheidungen.

Die Versandapotheke DocMorris macht ihr GeschÀft weitgehend in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
Die Versandapotheke DocMorris macht ihr GeschÀft weitgehend in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa

Die Apothekerkammer Nordrhein hat bei dem Arzneimittelversender DocMorris in den Niederlanden Geld pfĂ€nden lassen und damit im Streit ĂŒber Rabattwerbung einen Teilerfolg erzielt.

Gerichtlicher Streit ĂŒber Rabatte

Nach verlorenen Verfahren in Stuttgart, in denen es um die Art und Weise von Werbung und Rabatten ging, soll DocMorris nach Darstellung der KlĂ€ger weiter gegen gerichtliche Vorgaben verstoßen haben. In Deutschland beantragten die KlĂ€ger deshalb Ordnungsgelder, deren Vollstreckung dort jedoch erfolglos blieb.

Daraufhin setzten die deutschen Apotheker in einem Verfahren in den Niederlanden durch, dass Geld gepfÀndet wurde. In erster Instanz waren sie damit erfolgreich.

DocMorris kĂŒndigt Berufung an

DocMorris teilte mit, es gehe lediglich um die Durchsetzung administrativer Ordnungsgelder in Höhe eines hohen fĂŒnfstelligen bis geringen sechsstelligen Euro-Betrags. Der isolierte Rechtsstreit aus dem Jahr 2020 habe keine strategische Relevanz.

Der Vorgang habe keinerlei Auswirkungen auf die operative GeschĂ€ftstĂ€tigkeit oder die finanzielle StabilitĂ€t des Unternehmens, erklĂ€rte DocMorris. Dennoch werde Berufung eingelegt, um die Rechtslage abschließend klĂ€ren zu lassen.

GeschÀft in Deutschland

DocMorris hat seinen Sitz kurz hinter der Grenze auf niederlĂ€ndischer Seite bei Aachen. Das Unternehmen macht sein GeschĂ€ft jedoch weitgehend in Deutschland und profitiert dabei vom europĂ€ischen Binnenmarkt, der grenzĂŒberschreitenden Handel ohne Nachteile fĂŒr auslĂ€ndische Anbieter ermöglicht.

Als Medikamente verkaufende Kapitalgesellschaft darf DocMorris seinen Sitz nicht in Deutschland haben, weil dieses GeschÀft hierzulande Apothekern vorbehalten ist.

Konflikt mit Vor-Ort-Apotheken

StationĂ€re Apotheker kritisieren die aus ihrer Sicht unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen und warnen vor möglichen Folgen fĂŒr die Vor-Ort-Versorgung, wenn ihre Betriebe durch die Online-Konkurrenz Einbußen erleiden. DocMorris argumentiert dagegen, ein Anbieter aus dem EU-Ausland dĂŒrfe nicht europarechtswidrig benachteiligt werden.

GrenzĂŒberschreitender Streit

Der Fall zeigt, wie stark der Arzneimittelhandel in Deutschland mit dem europĂ€ischen Binnenmarkt verflochten ist. DocMorris sitzt in den Niederlanden, erzielt den grĂ¶ĂŸten Teil seines GeschĂ€fts aber in Deutschland. Dadurch treffen deutsche Vorgaben fĂŒr den Apothekenmarkt auf europĂ€ische Regeln zum grenzĂŒberschreitenden Warenverkehr.

Im Zentrum steht der Gegensatz zwischen zwei GeschĂ€ftsmodellen: Vor-Ort-Apotheken tragen Kosten fĂŒr Personal, RĂ€ume und die unmittelbare Versorgung, wĂ€hrend Versandapotheken mit zentralen Lagern und digitalem Vertrieb arbeiten. StationĂ€re Apotheker sehen darin unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen und befĂŒrchten Folgen fĂŒr die flĂ€chendeckende Versorgung. VersandhĂ€ndler berufen sich dagegen auf ihre Rechte als Anbieter aus einem EU-Mitgliedstaat.

Was die PfÀndung bedeutet

Die nun durchgesetzte PfĂ€ndung betrifft nach Angaben von DocMorris Ordnungsgelder im hohen fĂŒnfstelligen bis niedrigen sechsstelligen Euro-Bereich. Das Unternehmen bezeichnet den Vorgang als isolierten Rechtsstreit aus dem Jahr 2020 und kĂŒndigt Berufung an. FĂŒr Kundinnen und Kunden ergibt sich daraus zunĂ€chst keine erkennbare Änderung beim laufenden GeschĂ€ft.

Politisch und rechtlich bleibt der Konflikt dennoch bedeutsam. Er berĂŒhrt die Frage, wie gerichtliche Entscheidungen und Ordnungsmittel grenzĂŒberschreitend vollstreckt werden können. Zugleich dĂŒrfte der Streit die Debatte darĂŒber verschĂ€rfen, unter welchen Bedingungen digitale und stationĂ€re Apotheken kĂŒnftig miteinander konkurrieren sollen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70232071 |