E-Rechnung: Ein Drittel der Firmen völlig unvorbereitet auf Pflicht ab 2027
02.06.2026 - 19:39:16 | boerse-global.de
Dabei stehen die nächsten gesetzlichen Pflichten bereits vor der Tür. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Softwareanbieters Easybill.
Große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die im Juni 2026 durchgeführte Befragung von 502 Unternehmen offenbart ein geteiltes Bild: Zwar versenden rund 42 Prozent der Betriebe regelmäßig E-Rechnungen. Doch nur 24 Prozent haben die Umstellung auf digitale Rechnungssysteme vollständig abgeschlossen. Besonders alarmierend: 29 Prozent der Firmen haben den Prozess noch gar nicht begonnen.
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Ein weiteres Problem zeigt sich bei den eingesetzten Werkzeugen. Noch immer nutzen 21 Prozent der Unternehmen Textverarbeitungs- oder Tabellenkalkulationsprogramme wie Word und Excel für ihre Rechnungsstellung. Spezialisierte Buchhaltungslösungen? Fehlanzeige.
Technische Hürden und Wissenslücken
Warum geht der Wandel so schleppend voran? Die Umfrage liefert klare Antworten. Für 36 Prozent der Befragten ist die technische Umsetzung das größte Hindernis. Hinzu kommen erhebliche Wissensdefizite: Nur 37 Prozent der Unternehmen geben an, die rechtlichen Anforderungen rund um die E-Rechnung vollständig zu verstehen. 63 Prozent räumen ein, nicht umfassend über die Regularien Bescheid zu wissen.
Die Innovationsforschung untermauert diesen Befund. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts mit dem Titel "German Innovation Spotlight 2026" zeigt: Zwar streben über 80 Prozent der deutschen Firmen aktiv nach Innovationen. Doch nur etwa ein Drittel bewertet die eigene Datenbasis als ausreichend. Das erschwert die Integration automatisierter Rechnungsworkflows erheblich.
Der gesetzliche Fahrplan
Die Umstellung folgt einem gestaffelten Zeitplan, der Geschäftstransaktionen zwischen Unternehmen (B2B) modernisieren soll. Seit dem 1. Januar 2025 sind deutsche Firmen verpflichtet, E-Rechnungen im B2B-Bereich empfangen und verarbeiten zu können.
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Der nächste Meilenstein steht bereits fest: Ab dem 1. Januar 2027 müssen alle B2B-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 800.000 Euro E-Rechnungen versenden. Ein Jahr später, 2028, wird diese Pflicht auf sämtliche B2B-Firmen ausgeweitet – mit Ausnahme bestimmter Kleinstbetriebe.
Florian Köbler vom Deutschen Steuerverband sieht in diesen Entwicklungen langfristig sogar die Möglichkeit vorausgefüllter Steuererklärungen. Zudem müssen Unternehmen die GoBD-konforme Archivierung beachten: Digitale Aufzeichnungen sind acht Jahre lang aufzubewahren.
Ein Blick in die weitere Zukunft: Für 2030 plant die EU die ViDA-Initiative ("VAT in the Digital Age"), die Echtzeit-Meldepflichten für die Umsatzsteuer vorsieht. Als sichere Übertragungswege empfehlen Experten das Peppol-Netzwerk sowie die Formate XRechnung und ZUGFeRD.
Digitalisierungstempo: Deutschland unzufrieden
Die Verzögerungen bei der E-Rechnung passen in ein größeres Bild. Eine Bitkom-Umfrage vom Juni 2026 zeigt: 73 Prozent der Deutschen wünschen sich eine schnellere Digitalisierung. Fast die Hälfte der Bevölkerung empfindet das derzeitige Tempo als deutlich zu langsam.
Die Angst, technologisch abgehängt zu werden, ist weit verbreitet: 45 Prozent der Befragten fürchten, mit der digitalen Entwicklung nicht Schritt halten zu können. Historische Daten untermauern diesen Rückstand: Eine Bitkom-Studie aus dem Jahr 2018 ergab, dass 62 Prozent der deutschen Unternehmen damals noch regelmäßig Faxgeräte nutzten.
Zum Vergleich: Frankreich scheint besser vorbereitet. Eine Ifop-Umfrage vom Juni 2026 im Auftrag von Cerfrance zeigt, dass sich 76 Prozent der französischen Klein- und Mittelbetriebe gut über ihre E-Rechnungspflichten informiert fühlen. 63 Prozent haben bereits eine spezielle Plattform für die Umstellung ausgewählt.
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