E-Rechnungen, Frankreich

E-Rechnungen: Frankreich verpflichtet 4,5 Mio. Unternehmen ab September

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 22:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Regeln für Einschreiben, digitale Identitäten und E-Rechnungen treiben die Unternehmensdigitalisierung voran.

Deutsche Post, EU-Vorgaben & KI: Digitale Welle 2026
Modernes Büro mit einem Tablet, das eine sichere digitale Dokumentenverwaltung und elektronische Signatur zeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die kommenden Monate bringen weitreichende Änderungen in der rechtssicheren Kommunikation und Dokumentation. Während die Deutsche Post auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts reagiert, treibt der Gesetzgeber die Vereinfachung digitaler Identitäten voran. Gleichzeitig erhöhen neue EU-Vorgaben für elektronische Rechnungen und Produktpässe den Druck zur Digitalisierung.

Deutsche Post ändert Verfahren für Einwurf-Einschreiben

Die Deutsche Post hat am 24. Juli ein aktualisiertes Verfahren für das Einwurf-Einschreiben eingeführt. Mit Version 4.0 reagiert das Unternehmen auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 7. Mai 2026.

Das Gericht hatte die bisherige Praxis beanstandet: Zusteller dokumentierten den Einwurf teilweise bereits vor dem eigentlichen Vorgang. Der neue Prozess sieht vor, dass Scan und Adressprüfung unmittelbar vor dem Einwurf erfolgen. Die digitale Bestätigung wird erst als abschließender Schritt generiert. Der Auslieferungsbeleg enthält zudem den Namen und die Unterschrift des Zustellers.

Eine Arbeitsrechtlerin wies darauf hin, dass dieser optimierte Beleg voraussichtlich ausreichen werde, um einen Anscheinsbeweis für die ordnungsgemäße Zustellung zu erbringen. Arbeitgeber bleiben jedoch in der Pflicht, den Zugang von Originaldokumenten – etwa bei Kündigungen – zweifelsfrei zu beweisen. Die Belege sollen 15 Monate lang abrufbar bleiben.

Digitale Identitäten: QES wird einfacher

Im Rahmen des Gesetzes über digitale Identitäten (DIdG) plant die Bundesregierung noch 2026 eine wesentliche Erleichterung bei der qualifizierten elektronischen Signatur (QES). Bisher war für eine QES-basierte Identifizierung im Finanzsektor zusätzlich eine Referenzüberweisung erforderlich. Diese Vorgabe soll entfallen – rechtzeitig vor dem Start der EUDI-Wallet am 2. Januar 2027.

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Die EUDI-Wallet wird als Smartphone-App fungieren und künftig digitale Nachweise wie Geburtsurkunden oder Führerscheine speichern. Ab 2027 soll auch die Integration der QES direkt in die Wallet folgen. Die Unternehmen sproof und Governikus gaben am 22. Juli eine strategische Allianz bekannt. Sie wollen die deutsche eID-Funktion (AusweisIDent) in Ident-Plattformen integrieren und so die Cloud-Unabhängigkeit beim Onboarding fördern.

EU schreibt digitale Produktpässe vor

Auch auf europäischer Ebene schreitet die Standardisierung digitaler Nachweise voran. Die EU-Kommission hat eine Durchführungsverordnung zum Digitalen Produktpass (DPP) veröffentlicht. Betriebe benötigen für die Registrierung zwingend eine qualifizierte elektronische Signatur. Für bestimmte Batterietypen wird der DPP bereits ab dem 18. Februar 2027 zur Pflicht.

Parallel dazu verschärfen Nachbarstaaten die Anforderungen an die Buchhaltung:

  • Frankreich: Ab dem 1. September 2026 gilt für rund 4,5 Millionen mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen eine Empfangspflicht für elektronische Rechnungen. Große Unternehmen müssen diese ab diesem Datum auch verpflichtend ausstellen.
  • Luxemburg und Belgien: Beide Länder planen die Einführung einer B2B-E-Rechnungspflicht sowie eines MwSt-E-Reportings zum 1. Januar 2028.
  • Deutschland: Ein Aktionsplan sieht den Übergang zu einem Echtzeit-Meldesystem vor. Zudem soll ab 2028 die Papierbonpflicht für digitale Belege via QR-Code entfallen.
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KI hilft bei ISO-Zertifizierungen und Wissensmanagement

In der internen Verwaltung setzen Unternehmen verstärkt auf KI-gestützte Lösungen, um Compliance-Anforderungen effizienter zu erfüllen. Die DICIS AG bietet einen KI-Assistenten an, der die Dokumentation für ISO-Zertifizierungen (ISO 9001, 27001) automatisiert erstellt. Laut Anbieter nutzen diesen Ansatz bereits über 450 Kunden. Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) akzeptiert den Einsatz solcher Systeme – sofern eine abschließende menschliche Freigabe der Dokumente erfolgt.

Für das interne Informationsmanagement stellte die Kraftwerk Software Gruppe am 24. Juli eine neue Plattform vor. Sie nutzt semantische Analysen, um Unternehmensdaten revisionssicher und GoBD-konform aufzubereiten. Mitarbeiter können Fragen in natürlicher Sprache an den internen Datenbestand richten – Antworten werden stets mit einem Quellenverweis belegt.

Trotz der fortschreitenden Digitalisierung bleibt die Trennung von Privatleben und Beruf eine Herausforderung. Eine aktuelle Erhebung der Bitkom Research unter 358 Berufstätigen im Juli ergab: 66 Prozent der Befragten sind während ihres Sommerurlaubs erreichbar. Über die Hälfte gab an, dass dies von Kollegen oder Vorgesetzten erwartet werde. Experten raten zu klaren Vertretungsregelungen, um die rechtlichen Rahmenbedingungen der Erholungszeit zu wahren.

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