Wohnung, verzweifelt gesucht: Branche macht wenig Hoffnung
10.02.2026 - 14:25:56 | dpa.deFĂŒr Menschen auf Wohnungssuche ist in deutschen StĂ€dten kaum Besserung in Sicht. Nach SchĂ€tzungen der Immobilienbranche werden dieses Jahr mit 215.000 Wohnungen rund 20.000 weniger fertig als 2025 und insgesamt deutlich weniger als benötigt. Die Mieten ziehen laut FrĂŒhjahrsgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) auch 2026 an. Ăhnlich sieht es bei Kaufimmobilien wie Eigentumswohnungen und HĂ€usern aus. SchnĂ€ppchen? Fehlanzeige.Â
In StĂ€dten wie MĂŒnchen, Frankfurt oder Berlin, aber auch anderen Regionen Ă€chzen viele Normalverdiener schon jetzt unter hohen Wohnungskosten. Die Politik versucht mit Förderprogrammen und gelockerten Bauvorschriften gegenzusteuern. Zuletzt legte Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) PlĂ€ne vor, die Mieterinnen und Mieter vor AuswĂŒchsen unter anderem beim möblierten Wohnen schĂŒtzen sollen. Die Immobilienbranche sieht die bisherigen Rezepte aber skeptisch.Â
«LĂŒcke schlieĂt sich nicht»Â
Das ZIA-Gutachten macht angesichts des stockenden Neubaus wenig Hoffnung auf Entspannung. Statt der fĂŒr 2026 erwarteten 215.000 neuen Wohnungen brĂ€uchte es demnach bis 2040 jedes Jahr knapp 258.000 Einheiten. «Die LĂŒcke schlieĂt sich damit nicht, sie wĂ€chst», sagte Mitautor Ralph Henger vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). «In vielen GroĂstĂ€dten wird sich die Lage damit noch einmal zuspitzen.»Â
Immerhin stieg laut Gutachten die Zahl der Baugenehmigungen 2025 um 10,5 Prozent auf 235.000. «Aber dieser Anstieg kann den RĂŒckgang der vorherigen Jahre nicht ausgleichen», sagte der IW-Experte.Â
Mieten gehen weiter hochÂ
Die Mieten steigen laut Gutachten weiter. Im Bundesschnitt wurden Wohnungen im vierten Quartal 2025 um 4,1 Prozent teurer angeboten als ein Jahr zuvor. Am stĂ€rksten zugelegt hĂ€tten die Mieten in Köln, im Schnitt um 7,6 Prozent auf 15 Euro je Quadratmeter. In Hamburg waren es 5,4 Prozent auf 14,41 Euro.Â
In MĂŒnchen war der Anstieg etwas geringer - plus 4,6 Prozent - das Niveau aber mit 22,62 Euro je Quadratmeter besonders hoch. In Frankfurt am Main wurden Wohnungen im Schnitt mit 17,19 Euro je Quadratmeter angeboten, in Berlin mit 15,78 Euro. «FĂŒr 2026 werden weitere Mietpreisanstiege erwartet», so das Gutachten.Â
Auch das Beratungsinstitut Empirica rechnet mit einem weiteren Anstieg. Um die Kosten zu decken, mĂŒssten Neubaumieten in westdeutschen GroĂstĂ€dten rund 20 Euro pro Quadratmeter betragen. Die Bestandsmieten, die im Bundesschnitt zuletzt bei 10,60 Euro je Quadratmeter lagen, dĂŒrften 2026 um drei bis vier Prozent anziehen, schĂ€tzt Empirica.Â
Wohnimmobilien um 4,2 Prozent teurerÂ
Am Markt fĂŒr Eigentumswohnungen und das eigene HĂ€uschen sieht es laut dem Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) fĂŒr KĂ€ufer nicht besser aus. Im vergangenen Jahr verteuerten sich Wohnimmobilien demnach im Schnitt um 4,2 Prozent - doppelt so stark wie im Vorjahr. Weil Wohnraum insgesamt so knapp ist, dĂŒrften die Preise auch hier dieses Jahr steigen, sagte VDP-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jens Tolckmitt.Â
Besonders stark fiel der Preisanstieg bei MehrfamilienhĂ€usern aus, die Ende 2025 rund 5,3 Prozent teurer waren als ein Jahr zuvor. Selbst genutztes Wohneigentum, zu dem EinfamilienhĂ€user und Eigentumswohnungen zĂ€hlen, verteuerte sich um 3,0 Prozent, berichtet der Verband. Er vertritt die wichtigsten Immobilienfinanzierer hierzulande, darunter groĂe Sparkassen, Landesbanken, Deutsche Bank und Commerzbank.Â
In den Metropolen Berlin, DĂŒsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, MĂŒnchen und Stuttgart verteuerten sich Wohnimmobilien sogar um 4,7 Prozent im Vergleich zu Ende 2024. In Stuttgart stiegen die Preise mit 2,2 Prozent am geringsten, in Frankfurt mit 5,7 Prozent am stĂ€rksten.Â
Lob fĂŒr den «Bau-Turbo»Â
Aus Sicht der Immobilienbranche ist die Politik gefordert - aber nicht unbedingt so wie bisher geplant. «Eine der politischen PrioritĂ€ten im Jahr 2026 muss die Schaffung von Wohnraum zu bezahlbaren Preisen sein», sagt Tolckmitt. Die Bundesregierung habe mit dem «Bau-Turbo» einen richtigen Impuls gesetzt. Helfen könnten aus seiner Sicht auch staatliche BĂŒrgschaften im Wohnungsbau.
IW-Experte Henger lobte ebenfalls den Bau-Turbo, der Gemeinden eine schnellere Genehmigung von Bauprojekten ermöglicht. Wichtig sei, Baustandards und damit Kosten zu senken.Â
Kritik an Hubigs PlĂ€nenÂ
Dagegen gingen die VorschlĂ€ge von Justizministerin Hubig zur Mietregulierung «aus unserer Sicht ein bisschen in die falsche Richtung», sagte Henger. Die AuswĂŒchse beim möblierten Wohnen seien nicht so stark, wie sie oft gemacht wĂŒrden. Auch Hubigs VorschlĂ€ge zu befristeten MietvertrĂ€gen und zur Deckelung von Indexmieten auf einen jĂ€hrlichen Anstieg von 3,5 Prozent halte man «nicht fĂŒr zielfĂŒhrend».Â
Zu Hubigs PlĂ€nen gibt es auch ein Gutachten des Berliner Unternehmens Wunderflats, das möblierte Wohnungen fĂŒr wenige Monate vermittelt. Das Papier zweifelt die RechtmĂ€Ăigkeit der geplanten Vorgaben fĂŒr die Höhe des Möblierungszuschlags an. Auch an der Begrenzung von KurzzeitmietvertrĂ€gen auf maximal ein halbes Jahr gibt es darin Kritik. «Erreicht wird hier kein Mieter- und Verbraucherschutz», sagte der Verfassungsrechtler Ulrich Battis. Vielmehr wĂŒrden Verbraucher bevormundet.
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