ROUNDUP, Kriege

Kriege, Krisen und ein bisschen Trump: Scholz reist in die USA

08.02.2024 - 07:35:06 | dpa.de

Ein Dinner mit Parlamentariern, ein FrĂŒhstĂŒck mit Unternehmern und als Höhepunkt zum Schluss ein Vier-Augen-GesprĂ€ch mit US-PrĂ€sident Joe Biden im Weißen Haus: Der dritte Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Washington, zu dem er am Donnerstagvormittag aufbricht, wird ziemlich genau 24 Stunden dauern.

Darum geht es:

Ukraine-Hilfe: Signal fĂŒr anhaltende MilitĂ€rhilfe

Die Reise findet nur wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 statt. Wenn es eine Botschaft gibt, die dem Kanzler bei seinem Washington-Besuch besonders wichtig ist, dann ist es die der anhaltenden SolidaritĂ€t mit der Ukraine. Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin warte nur auf ErmĂŒdungserscheinung der westlichen VerbĂŒndeten bei der MilitĂ€rhilfe, sagte der SPD-Politiker Anfang der Woche. "Und das ist die Botschaft, die sowohl aus den USA als auch aus Europa ganz klar an ihn gerichtet sein muss: Diese Rechnung geht nicht auf. Wir werden die Ukraine unterstĂŒtzen."

Die USA sind der mit Abstand wichtigste Waffenlieferant der Ukraine. Deutschland ist die Nummer zwei und das mit Abstand grĂ¶ĂŸte Geberland in der EU. Sowohl Biden als auch Scholz haben aber unterschiedlich gelagerte Probleme, was die Mobilisierung weiterer Hilfen angeht. Scholz drĂ€ngt die EU-Partner bereits seit Jahresanfang, ihre UnterstĂŒtzung deutlich aufzustocken. Der Appell richtet sich vor allem an wirtschaftsstarke LĂ€nder wie Frankreich, Spanien und Italien, stĂ¶ĂŸt aber bisher nur auf mĂ€ĂŸige Resonanz.

Biden wiederum hat es mit einer harten Blockade im Kongress zu tun, die den Fluss weiterer Hilfen aus den USA in die Ukraine verhindert. Der PrĂ€sident hatte schon vor Monaten neues Geld fĂŒr Kiew beim Parlament beantragt, doch Republikaner meldeten Zweifel an weiterer UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine an und verlangten außerdem deutlich mehr Ressourcen zur Sicherung der US-Grenze. Der innenpolitische Streit zieht sich hin, ohne dass eine Lösung in Sicht wĂ€re. Die bisher bewilligten Mittel sind inzwischen weitgehend aufgebraucht, und alle Appelle des PrĂ€sidenten, wie sehr Kiew auf US-Hilfen angewiesen sei, liefen bisher ins Leere.

Nahost: Gaza-Krieg, Rotes Meer und Iran

Fast zeitgleich mit dem Abflug des Kanzlers nach Washington sticht am Donnerstag die Bundeswehr-Fregatte "Hessen" von Wilhelmshaven aus in See, um sich im Roten Meer am Schutz von Handelsschiffen gegen Angriffe der vom Iran unterstĂŒtzten Huthi-Miliz zu beteiligen. Um diesen Einsatz wird es in dem GesprĂ€ch des Kanzlers mit Biden ebenso gehen, wie um die Gefahr eines FlĂ€chenbrands im Nahen Osten insgesamt. Die Angst davor hat durch die Drohnen- und Raketenattacken auf US-Stellungen in der Region und durch die Gegenangriffe der Amerikaner auf proiranische Milizen zuletzt deutlich zugenommen.

Biden hat dabei einen schwierigen Balanceakt zu bewĂ€ltigen: Er muss die von Teheran unterstĂŒtzten KrĂ€fte in der Region abschrecken, ohne dabei noch hĂ€rtere Reaktionen zu provozieren. Er muss StĂ€rke zu zeigen, ohne die Lage im Nahen Osten komplett zu eskalieren und einen Krieg mit dem Iran zu riskieren. Noch muss sich zeigen, wie der Iran und dessen verbĂŒndeten Milizen auf die jĂŒngsten US-Luftangriffe reagieren. Klar ist bislang nur, dass von amerikanischer Seite weitere MilitĂ€raktionen kommen werden.

Scholz und Biden dĂŒrften bei ihrem GesprĂ€ch den Blick auch in die Zukunft richten: Wie geht es nach dem Gaza-Krieg weiter mit Israel und den PalĂ€stinensern? Beide befĂŒrworten eine Zwei-Staaten-Lösung. Aber welcher Weg dahin fĂŒhren könnte, steht in den Sternen.

Nato: Vorbereitung des JubilÀumsgipfels

Die nĂ€chste Washington-Reise von Scholz ist schon fest geplant. Im Juli wird der Kanzler zum Nato-JubilĂ€umsgipfel in die US-Hauptstadt zurĂŒckkehren. Das BĂŒndnis wird 75 Jahre alt und will seine Verteidigungsbereitschaft auch fĂŒr die Zukunft sicherstellen. Scholz möchte da selbstbewusst auftreten: Erstmals seit mehr als 30 Jahren will Deutschland in diesem Jahr mehr als zwei Prozent seiner Wirtschaftskraft fĂŒr Verteidigung ausgeben. Außerdem gelten die Kampfbrigade in Litauen, die Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gerade aufstellt, und das von Deutschland initiierte europĂ€ische Raketenschild als Vorzeigeprojekte in der Nato.

Dass die MilitĂ€r-Allianz ausgerechnet vier Monate vor der nĂ€chsten US-PrĂ€sidentenwahl in der amerikanischen Hauptstadt ihr JubilĂ€um begeht, entbehrt nicht einer gewissen Dramatik. Denn bislang deutet alles darauf hin, dass der frĂŒhere republikanische US-PrĂ€sident Donald Trump den Amtsinhaber Biden bei der Wahl herausfordern dĂŒrfte. Und ebendieser Donald Trump stellte wĂ€hrend seiner Amtszeit die Zukunft der gesamten Nato infrage.

Trump: Der Elefant im Raum

Seine mögliche RĂŒckkehr an die Macht ist ein Thema, das zwar nicht auf der offiziellen Agenda der Reise steht, Scholz aber trotzdem begleiten wird: Was ist, wenn Donald Trump nach der Wahl am 5. November tatsĂ€chlich wieder ins Weiße Haus einziehen sollte? Der Kanzler wird Trump selbst zwar nicht treffen. Das wurde auch gar nicht erst erwogen. Scholz wird aber versuchen, sich bei einem Dinner mit Kongressabgeordneten ein Bild davon zu machen, wie die Stimmung in Trumps Partei ist. Zu dem Essen sind Vertreter der Republikaner ebenso eingeladen wie Abgeordnete der Demokratischen Partei von Biden.

Auch wenn der Vorwahlkampf in den USA nicht vorbei ist, stellt sich Bidens Wahlkampfteam bereits fest darauf ein, dass Trump PrĂ€sidentschaftskandidat der Republikaner wird. Biden warnt vor seinem erwarteten Herausforderer, wo er kann - und davor, was dem Land und der Welt in einer zweiten Trump-Amtszeit blĂŒhen wĂŒrde. Die Beliebtheitswerte des Ă€ltesten PrĂ€sidenten aller Zeiten sind allerdings wenig erbaulich, und Umfragen sagen ein knappes Rennen zwischen Biden und Trump voraus - falls es dazu kommt.

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