Wirecard-Buchhalter: Konzern lebte auf Pump
24.05.2023 - 16:05:55 | dpa.de
Im Wirecard-Prozess hat ein frĂŒherer leitender Buchhalter des 2020 kollabierten Skandalkonzerns einen zentralen Vorwurf der Anklage bestĂ€tigt - aber mit EinschrĂ€nkung. Der letzte «gute» Wirecard-Konzernabschluss sei derjenige des Jahres 2014 gewesen, sagte der ehedem fĂŒr die Bilanzen der Wirecard-Tochtergesellschaften zustĂ€ndige Manager am Mittwoch vor dem Landgericht MĂŒnchen I.
Danach sei die Erstellung der KonzernabschlĂŒsse immer langwieriger und aufwĂ€ndiger geworden. Den in den Wirecard-Bilanzen verbuchten Forderungen an GeschĂ€ftspartner und Tochterfirmen standen demnach immer weniger tatsĂ€chliche Einnahmen gegenĂŒber.
Der Buchhalter schĂ€tzte, dass in der finalen Phase vor der Wirecard-Pleite nur noch fĂŒnf bis zehn Prozent dieser Forderungen auch tatsĂ€chlich beglichen wurden. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Manager bereits ausgesagt, dass der Konzern nach seiner EinschĂ€tzung auf Pump von den Geldern der Kreditgeber lebte. Das bestĂ€tigte er vor Gericht: «Das war meine Interpretation, ja.»
Buchhalter im Zeugenstand: «Habe an die Zahlen geglaubt»
Die Staatsanwaltschaft wirft dem frĂŒheren Vorstandschef Markus Braun und zwei weiteren ehemaligen Spitzenmanagern des Konzerns vor, mit Hilfe erfundener GeschĂ€fte die kreditgebenden Banken um drei Milliarden Euro geprellt zu haben.
In Wahrheit machte die Wirecard-Gruppe laut Anklage hohe Verluste, so dass es demnach die Kredite waren, die den defizitĂ€ren Konzern ĂŒber Wasser hielten - so jedenfalls die Sicht der Staatsanwaltschaft, die von Braun vehement bestritten wird. Der Buchhalter im Zeugenstand bestĂ€tigte zwar einerseits, dass der Konzern auf Kredit lebte, betonte jedoch andererseits, dass er die GeschĂ€fte fĂŒr echt gehalten habe: «Ich habe an die Zahlen geglaubt», sagte er. «Ich habe bis zum heutigen Tag die Aktien von Wirecard.»
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