DGB-Chefin in Sorge um Industrie
29.12.2023 - 06:12:58 | dpa.deIndustrie und Arbeitnehmern in Deutschland droht nach EinschÀtzung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum Jahreswechsel erneut ein krisenhaftes Jahr. «Die Lage ist alles andere als entspannt», sagte DGB-Chefin Yasmin Fahimi der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Wir sind immer noch in einer Krise.»
FĂŒr viele Menschen sei es schwerer geworden, ĂŒber die Runden zu kommen. «Sie mussten reale Einkommensverluste hinnehmen.» Das gelte insbesondere fĂŒr BeschĂ€ftigte ohne den Schutz eines Tarifvertrages. «Viele fĂŒrchten auĂerdem, dass ihr Arbeitsplatz nicht mehr sicher ist.»
DGB sorgt sich um Grundstoffindustrie
Fahimi sagte: «Davon betroffen sind vor allem die energieintensiven Industrien â die ganze Grundstoffindustrie von der chemischen Industrie ĂŒber Aluminium, Eisen, Kupfer, Stahl bis zu Zement, Papier, Glas.» Es zeichne sich derzeit nicht ab, dass sich 2024 daran etwas Ă€ndert.
Fahimi kritisierte, dass der Bund als eine Reaktion auf das Haushaltsurteil aus Karlsruhe die staatliche Gas- und Strompreisbremse bereits Ende des Jahres auslaufen lÀsst und nicht wie eigentlich geplant erst Ende MÀrz. «Es ist bedauerlich, dass sich die Regierung nicht auf eine VerlÀngerung der Strompreisbremse verstÀndigt hat», so die Gewerkschafterin. «Das hÀtte schon mal geholfen.»
«Standort nicht mehr attraktiv»
Doch auch Unternehmen, die nicht so extrem von den Energiepreisen abhÀngig seien, betrachteten den Standort Deutschland inzwischen oft als nicht mehr wirklich attraktiv. «Die kritischen Themen sind die fehlenden FachkrÀfte, der unzureichende Grad der Digitalisierung, aber auch die Zweifel, ob uns die Transformation gerade auch im Energiebereich gelingt», sagte Fahimi.
Angesichts des Sparkurses der Regierung infolge des Karlsruher Urteils zum Bundeshaushalt mahnte Fahimi, nicht auf Milliardeninvestitionen zu verzichten. «Das betrifft die soziale Infrastruktur, also Schulen und Kitas, das Pflege- und Gesundheitssystem, die StraĂen und alle Formen der MobilitĂ€t.» Gleichzeitig mĂŒssten Wirtschaft und Gesellschaft klimaneutral umgestaltet werden.Â
«Dazu zĂ€hlt beispielsweise der Ausbau von Stromleitungen und der Aufbau von Wasserstoffnetzwerken. Dazu zĂ€hlen neue Gaskraftwerke als Reserve, wenn Sonne und Wind nicht genĂŒgend Strom liefern. Dazu zĂ€hlt aber auch die Investition in ein attraktives System öffentlicher MobilitĂ€t, das auch lĂ€ndliche RĂ€ume sinnvoll anbindet.» Fahimi bekrĂ€ftigte deshalb ihre Forderung, die Schuldenbremse zu reformieren. Zumindest solle die Regierung aber einen Sonderfonds fĂŒr Investitionen in die Infrastruktur auflegen.
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