ROUNDUP, Hamas

Hamas verbreitet Geisel-Video und fĂŒhrt GesprĂ€che in Kairo

01.12.2024 - 13:27:30 | dpa.de

Eine Delegation der islamistischen Hamas ist in Kairo mit Vertretern des Ă€gyptischen Geheimdienstes zu GesprĂ€chen ĂŒber eine Waffenruhe mit Israel im Gazastreifen zusammengetroffen.

Das bestĂ€tigte ein hochrangiger FunktionĂ€r der islamistischen Terrororganisation der Deutschen Presse-Agentur. Kurz zuvor hatte die Hamas ein weiteres Video mit einer israelischen Geisel veröffentlicht. Darin ruft ein 20-jĂ€hriger Soldat, der auch die amerikanische StaatsbĂŒrgerschaft besitzt, den kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten Donald Trump auf, sich fĂŒr Verhandlungen ĂŒber die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen einzusetzen. Trump will nach Angaben des republikanischen Senators Lindsey Graham eine Waffenruhe und ein Geiselabkommen noch vor seinem Amtsantritt im Januar.

Angehörige der noch etwa 100 Verschleppten, von denen nach mehr als einem Jahr Gaza-Krieg jedoch viele nicht mehr am Leben sein dĂŒrften, forderten bei einer neuen Demonstration in Tel Aviv eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln. Sie wĂŒrden einen weiteren Winter in den "Terror-Tunneln" im Gazastreifen nicht ĂŒberleben.

Geisel-Mutter berichtet von Telefonat mit Netanjahu

Die Mutter des entfĂŒhrten Soldaten aus dem Video sagte bei der Kundgebung, Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu habe ihr telefonisch versichert, dass nach der Waffenruhe Israels mit der libanesischen Hisbollah nun auch die Voraussetzungen gegeben seien, alle Geiseln nach Hause zu bringen. In einer Mitteilung des BĂŒros von Netanjahu zu dem Telefonat hieß es allerdings nur, es werde alles getan, damit die Geiseln zurĂŒckkĂ€men. Das hat Netanjahu seit dem Massaker der Hamas in Israel mit 1.200 Toten und zunĂ€chst 250 Verschleppten am 7. Oktober 2023 schon oft gesagt.

PalÀstinenser: Viele Tote bei israelischen Angriffen im Gazastreifen

Die israelische Armee setzte unterdessen ihre Angriffe in dem KĂŒstenstreifen fort. Dabei wurden nach palĂ€stinensischen Angaben mindestens 120 Menschen getötet, wobei nicht zwischen Bewaffneten und Zivilisten unterschieden wurde. Die Angaben waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen. Die israelische Armee warnt regelmĂ€ĂŸig, die von palĂ€stinensischer Seite genannten Opferzahlen seien ĂŒberhöht.

Israelische Armee: Gaza-Helfer gezielt getötet

Die israelische Armee teilte mit, sie habe einen Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) im Gazastreifen gezielt getötet. Der Mann habe zwar fĂŒr WCK gearbeitet, habe aber am Massaker in Israel im Oktober 2023 teilgenommen. Die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, bei dem Angriff auf das Auto in der NĂ€he der Stadt Chan Junis seien insgesamt fĂŒnf Menschen getötet worden, darunter drei lokale Mitarbeiter von WCK.

WCK mit Sitz in den USA teilte mit, sie habe ihren humanitĂ€ren Einsatz wegen des Angriffs unterbrochen. Es gebe derzeit nur "unvollstĂ€ndige Informationen" ĂŒber den Vorfall und man versuche dringend, weitere Einzelheiten herauszufinden. Man habe keine Kenntnis davon, dass irgendjemand in dem Fahrzeug Verbindungen zum Massaker in Israel gehabt habe. Nach Angaben der Hilfsorganisation Save the Children wurde auch einer ihrer lokalen Mitarbeiter getötet. Ob es sich um denselben Angriff handelte, war zunĂ€chst unklar.

Trotz Waffenruhe mit Hisbollah weitere israelische Angriffe im Libanon

Israels Armee griff eigenen und libanesischen Angaben zufolge im Laufe des Samstags trotz der seit Mittwoch herrschenden Waffenruhe mit der Hisbollah erneut mehrfach im Libanon an. Als Grund nannte sie Verletzungen des Abkommens durch bewaffnete Gruppen dort.

In einem Fall hĂ€tten Menschen im Nachbarland ein Fahrzeug mit PanzerfĂ€usten und anderer militĂ€rischer AusrĂŒstung beladen. Israels Luftwaffe habe den Wagen angegriffen. Ziel eines weiteren israelischen Luftschlags waren demnach Mitglieder der Hisbollah, die sich einer Anlage der Miliz genĂ€hert hĂ€tten. Sie seien mit Granaten und Gewehren bewaffnet gewesen.

Das libanesische Gesundheitsministerium meldete eine verletzte Person bei einem israelischen Luftangriff nahe der KĂŒstenstadt Sidon im SĂŒden des Landes. Israels Armee zufolge war ein Raketenwerfer das Ziel. Zuvor hatte das MilitĂ€r eigenen Angaben nach dort "terroristische AktivitĂ€ten in einer Hisbollah-Einrichtung" registriert. Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Gedenken auf TrĂŒmmerbergen

SĂŒdlich von Beirut versammelten sich am Abend zahlreiche Menschen an dem Ort, an dem der ehemalige Hisbollah-AnfĂŒhrer Hassan Nasrallah Ende September durch einen israelischen Luftangriff auf das Hauptquartier der Schiitenmiliz getötet worden war. Auf Bildern war zu sehen, wie Menschen sich inmitten einer Art BrachflĂ€che umgeben von höheren HĂ€usern zusammenfanden. Kerzen und die gelben Flaggen der Hisbollah steckten in den TrĂŒmmern. Aus der Mitte der Menschenmasse wurden gleißende Lichtstrahlen gen Himmel gerichtet. Die Veranstaltung am "heiligen Ort des Martyriums" stand unter dem Motto "Licht aus Licht". Der frĂŒhere Standort des Hauptquartiers der Hisbollah im Viertel Haret Hreik dĂŒrfte damit bereits zu einer Art PilgerstĂ€tte fĂŒr AnhĂ€nger der Hisbollah geworden sein.

Waffenruhe wurde mĂŒhsam ausgehandelt

Die mĂŒhsam ausgehandelte Einigung ĂŒber eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah sieht unter anderem Maßnahmen vor, damit sich die Miliz nicht wieder bewaffnet. Israels Bodentruppen sollen zugleich innerhalb von 60 Tagen schrittweise aus dem Libanon abziehen.

Die heftigen gegenseitigen Angriffe sind seit Inkrafttreten des Abkommens vorbei. Beide Seiten haben sich aber schon mehrmals Verletzungen der Vereinbarungen vorgeworfen.

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