Deutschland, Bayern

Industrie kritisiert EuropÀisches Patentamt

Veröffentlicht: 26.05.2023 um 05:21 Uhr, dpa.de

Eine Initiative mehrerer großer Unternehmen ist besorgt um die QualitĂ€t der PatentprĂŒfungen beim EuropĂ€ischen Patentamt. Dort komme Geschwindigkeit vor Genauigkeit, heißt es. Das Amt sieht das anders.

Siemens ist einer der grĂ¶ĂŸten Anmelder beim EuropĂ€ischen Patentamt. - Bild: Matthias Balk/dpa
Siemens ist einer der grĂ¶ĂŸten Anmelder beim EuropĂ€ischen Patentamt. - Bild: Matthias Balk/dpa

Aus der Industrie kommt Kritik am EuropĂ€ischen Patentamt (EPA). Eine Initiative aus inzwischen 21 Unternehmen ist besorgt um die QualitĂ€t der PatentprĂŒfung. «Wir haben den Eindruck, dass es beim EPA vor allem darum geht, möglichst viele Patente zu bearbeiten», sagt Beat Weibel, Patentchef bei Siemens, der die Initiative Industry Patent Quality Charter (IPQC) angestoßen hat, im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die PrĂŒfer seien einem immer höheren Produktionsdruck ausgesetzt und daher nicht mehr in der Lage, grĂŒndlich genug zu prĂŒfen.

«WĂ€hrend wir bei uns sehen, dass der Arbeitsaufwand fĂŒr eine Patentanmeldung im Schnitt immer grĂ¶ĂŸer wird, muss es beim EPA immer schneller gehen», erklĂ€rt Weibel. «Das macht uns Sorgen, weil die QualitĂ€t der PrĂŒfung darunter leidet.» Exakte Zahlen zum Zeitbudget der PrĂŒfer bekomme er zwar nicht vom EPA, sagt er. «Aber wenn man anhand der Zahl der PrĂŒfer und der erteilten Patente hochrechnet, ergibt sich etwa eine Halbierung in den vergangenen zehn Jahren.»

Auch Jörg Thomaier, Patentchef bei Bayer, das ebenfalls der IPQC angehört, teilt Weibels Sorgen. «FrĂŒher war das EPA dafĂŒr bekannt, dass die PrĂŒfungen lange gedauert haben. In den letzten Jahren haben wir den Eindruck, dass eher auf Geschwindigkeit geachtet wird und nicht mehr so grĂŒndlich geprĂŒft wird», sagt er. «Es geht jetzt zwar schneller, aber dafĂŒr ist die Widerrufsrate im Beschwerdeverfahren der Patente angestiegen.»

Ein solcher Widerruf ist fĂŒr die Patentanmelder Ă€ußerst ungĂŒnstig. «Patente sind fĂŒr ein Unternehmen wie Bayer extrem wichtig», betont Thomaier. «Dabei kommt es nicht so sehr auf die Menge an, sondern darauf, dass ich sie – wenn es nötig wird – durchsetzen kann und sie nicht beim ersten Windstoß einer ÜberprĂŒfung umfallen.» Auch beim Schweizer Konzern Roche, der ebenfalls der IPQC beigetreten ist, heißt es: «Als Industrie sind wir auf verlĂ€ssliche Patente angewiesen. Das ist die Basis fĂŒr die Investitionen in unsere Forschung.»

GrĂ¶ĂŸter Anmelder beim EuropĂ€ischen Patentamt

Siemens ist einer der grĂ¶ĂŸten Anmelder beim EuropĂ€ischen Patentamt. Vergangenes Jahr war der MĂŒnchner Konzern die Nummer sechs unter den Anmeldern beim EPA, unter den europĂ€ischen Unternehmen die Nummer zwei - hinter Ericsson. Auch die Schweden sind Mitglied der IPQC. «Wir fĂ€nden es gut, wenn die PrĂŒfer mehr Zeit hĂ€tten, um ihre Aufgabe zu erfĂŒllen, denn die Patente werden immer komplexer», sagt die dortige VizeprĂ€sidentin Patententwicklung Gabriele Mohsler. «In einzelnen FĂ€llen haben wir auch gesehen, dass die Recherchen nicht ausreichend grĂŒndlich gemacht wurden.»

Insgesamt ist ihre EinschĂ€tzung aber nicht ganz so kritisch: «GrundsĂ€tzlich halte ich die QualitĂ€t beim EPA fĂŒr gut. Wir wollen aber nicht, dass sie sinkt und in einigen Bereichen könnte sie auch höher sein», sagt Mohsler.

Auch Thomaier von Bayer meint: «Im globalen Vergleich ist die QualitĂ€t des EPA nicht schlecht. Aber sie ist ein gutes StĂŒck von dem entfernt, was sie einmal war: der klare Goldstandard. Und da wollen wir als Industrie wieder hin.» Ein zentraler Lösungsansatz in seinen Augen: mehr Personal. «FĂŒr mehr Anmeldungen braucht es auch mehr PrĂŒfer», betont er. «Im Moment reicht die KapazitĂ€t nach unserem Eindruck jedenfalls nicht aus.»

EPA: QualitÀt «stets oberste PrioritÀt»

Beim EPA betont man dagegen auf Anfrage, dass die QualitĂ€t der Patentrecherchen «stets oberste PrioritĂ€t» habe. Viele LĂ€nder betrachteten seine Arbeit «als globalen Maßstab fĂŒr PatentqualitĂ€t». Dies spiegle sich auch in Umfragen «fĂŒhrender Fachzeitschriften fĂŒr geistiges Eigentum wider», in denen das EPA «unter Patentfachleuten stets den ersten Platz belegt». Einige der von der IPQC verwendeten Zahlen seien dagegen unzutreffend.

Zudem verweist das Patentamt darauf, in seinem StĂ€ndigen Beratenden Ausschuss eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema QualitĂ€t mit 74 Mitgliedern aus 40 LĂ€ndern zu haben. Im vergangenen Oktober habe man darĂŒber hinaus eine neue QualitĂ€tscharta veröffentlicht, «in der unser Engagement fĂŒr hohe QualitĂ€t und herausragende Leistung in jeder Phase des Patenterteilungsverfahrens dargelegt ist».

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