Einkommensteuer-Reform: Bis zu 28 Milliarden Euro für 35 Millionen
Veröffentlicht: 01.07.2026 um 17:27 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Finanzminister Klingbeil hat zwei Modelle vorgelegt, die bis zu 35 Millionen Steuerpflichtige entlasten sollen. Die Spannbreite ist gewaltig: zwischen 17 und 28 Milliarden Euro Entlastungsvolumen.
Zwei Wege aus dem Mittelstandsbauch
Das erste Modell sieht eine Entlastung von insgesamt 28 Milliarden Euro vor. Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen zwischen 40.000 und 60.000 Euro könnten jährlich 800 bis 900 Euro sparen. Der Grundfreibetrag soll auf 12.900 Euro steigen.
Die zweite Variante ist mit 17 Milliarden Euro vorsichtiger kalkuliert. Hier läge die Entlastung für mittlere Einkommen bei 400 bis 450 Euro pro Jahr. Dafür ist der Grundfreibetrag mit 13.084 Euro etwas höher angesetzt. Beide Modelle zielen darauf ab, den sogenannten Mittelstandsbauch im Steuertarif abzuflachen.
Spitzensteuersatz steigt auf 44 Prozent
Die Gegenfinanzierung soll vor allem durch höhere Belastungen für Spitzenverdiener erfolgen. In beiden Modellen steigt der Spitzensteuersatz auf 44 Prozent. Für Einkommen ab 200.000 Euro greift zudem eine Reichensteuer, die je nach Modell zwischen 48 und 49 Prozent liegt.
Der entscheidende Unterschied: Das 28-Milliarden-Paket ist an eine Reform der Erbschaftsteuer gekoppelt, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Das kleinere Modell verzichtet darauf. Als weitere Finanzierungsquellen stehen eine höhere Tabaksteuer, eine neue Plastikabgabe und Einsparungen im Bundeshaushalt zur Debatte.
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Auch eine Anhebung der Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt wird diskutiert. Das brächte zusätzliche Einnahmen von rund 16 Milliarden Euro.
Union warnt vor Umverteilung
In den Koalitionsverhandlungen zeichnet sich Widerstand ab. Unions-Generalsekretär Linnemann warnte vor einer reinen Umverteilungspolitik. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes werde kritisch gesehen. Bei der Reichensteuer zeigte er sich unter bestimmten Bedingungen gesprächsbereit.
Unions-Fraktionsgeschäftsführer Bilger forderte, die Reform lieber durch Einsparungen im Haushalt zu finanzieren als durch neue Belastungen.
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Experten uneins über Wirkung
Wissenschaftliche Institute bewerten die Pläne unterschiedlich. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) rechnet vor: Eine gezielte Entlastung der Mitte würde etwa 10 Milliarden Euro kosten, könnte aber 50.000 bis 60.000 neue Vollzeitstellen schaffen.
Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) warnt dagegen: Eine umfassende Beseitigung des Mittelstandsbauchs könnte Haushaltslöcher von über 30 Milliarden Euro reißen. Die Experten empfehlen, Entlastungen auf die verfassungsrechtlich gebotene Anpassung von Grund- und Kinderfreibeträgen zu beschränken.
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