Einstiegsjobs: Stellenangebot für Berufseinsteiger sinkt um zwei Drittel
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Angebot an Einstiegsjobs in Deutschland ist seit 2022 deutlich stärker zurückgegangen als der gesamte Stellenmarkt.
Junior-Stellen stärker betroffen
Nach einer Analyse der Online-Jobbörse Indeed haben sich die Stellenangebote für Berufseinsteiger seit dem Rekordjahr 2022 um zwei Drittel verringert. Die Zahl aller Stellenangebote sank im selben Zeitraum um 39 Prozent.
Der Rückgang betrifft nahezu alle untersuchten Bereiche. In 26 von 28 Berufsgruppen ging das Angebot zurück, in 23 davon stärker als im Gesamtmarkt.
Marketing und IT besonders unter Druck
Besonders hart trifft die Entwicklung Wissensberufe und Bürotätigkeiten. Im Marketing verringerte sich das Angebot laut Indeed um 75 Prozent, bei IT-Anwendungen und -Lösungen um 77 Prozent. Im Projektmanagement betrug der Rückgang 60 Prozent.
Nur zwei Berufsgruppen verzeichneten seit 2022 ein Plus: Pflege, Medizin und Pharmazie mit 18 Prozent sowie Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie mit zehn Prozent.
Schwache Konjunktur als Hauptgrund
Indeed-Ökonomin Virginia Sondergeld warnte vor einem Jahrgang, der mit einem Startnachteil ins Erwerbsleben gehen könnte. Das Risiko steige, dass junge Menschen ihre Karriere mit einer Phase der Beschäftigungslosigkeit begännen.
Die Rolle Künstlicher Intelligenz sei zwar eine berechtigte Frage. Ein eigenständiger KI-Effekt lasse sich anhand der aktuellen Datenlage jedoch nicht belegen, sagte Sondergeld. Der Rückgang bei den Einstiegsjobs habe bereits im Sommer 2022 begonnen – vor dem Erscheinen von ChatGPT.
Unternehmen sparen bei Nachwuchs
Berufseinsteiger seien vordergründig ein Opfer der schwachen Konjunktur, erklärte die Indeed-Ökonomin. In unsicheren Zeiten sparten Unternehmen zuerst dort, wo sie in Nachwuchs investieren müssten.
Schwache Nachfrage trifft junge Bewerber besonders
Der Rückgang der Einstiegsstellen fällt in eine Phase, in der Unternehmen ihre Personalplanung vorsichtiger ausrichten. Die dpa-Meldung beschreibt dabei nicht nur eine allgemeine Abkühlung, sondern eine überproportionale Belastung für Berufseinsteiger: Während das gesamte Stellenangebot seit 2022 um 39 Prozent sank, gingen Junior-Stellen um rund zwei Drittel zurück.
Für junge Menschen ist das besonders folgenreich, weil der erste Berufseinstieg häufig den weiteren Karriereweg prägt. Verzögert sich der Start, fehlen Einkommen, Berufserfahrung und betriebliche Kontakte. Eine längere Suche kann außerdem dazu führen, dass Absolventinnen und Absolventen zunächst auf fachfremde oder schlechter bezahlte Tätigkeiten ausweichen.
Ausbildung bleibt ein wichtiger Übergang
Die vergleichsweise gute Lage bei Ausbildungsplätzen entschärft das Problem nur teilweise. Eine Ausbildung schafft zwar einen direkten Zugang zum Betrieb, doch nicht alle jungen Menschen wählen diesen Weg, und auch ausgebildete Nachwuchskräfte müssen anschließend eine passende Beschäftigung finden. Besonders stark betroffen sind laut Analyse wissensintensive Bürotätigkeiten, während Pflege, Medizin, Pharmazie sowie Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie gegen den allgemeinen Trend zulegten.
Konjunktur vor Technologiewandel
Die zeitliche Entwicklung ordnet die Debatte über Künstliche Intelligenz ein: Der Rückgang begann bereits im Sommer 2022 und damit vor dem öffentlichen Durchbruch von ChatGPT. Als unmittelbarer Faktor steht deshalb die schwache Konjunktur im Vordergrund. KI kann den Bedarf an bestimmten Routinetätigkeiten künftig verändern, die vorliegenden Zahlen belegen dafür jedoch keinen eigenständigen Effekt.
