Einzelhandel, Prognose

Einzelhandel 2026: Erste Prognose unter 300.000 Betriebe erwartet

30.05.2026 - 07:20:30 | boerse-global.de

Die Pleitewelle im deutschen Einzelhandel erreicht 2025 den höchsten Stand seit zehn Jahren. Traditionsmarken wie Eterna geben auf.

Einzelhandel 2026: Erste Prognose unter 300.000 Betriebe erwartet - Foto: über boerse-global.de
Einzelhandel 2026: Erste Prognose unter 300.000 Betriebe erwartet - Foto: über boerse-global.de

Besonders hart traf es den Einzelhandel – und hier vor allem die Bekleidungs- und Textilbranche.

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Laut einer aktuellen Studie der Creditreform verzeichnete der Einzelhandel im vergangenen Jahr rund 2.440 Insolvenzen. Das entspricht einem Anstieg von neun Prozent im Vergleich zu 2024. Die wirtschaftliche Schwächephase setzt einer ganzen Branche zu – und die Aussichten sind düster.

Der Strukturwandel frisst die Kleinen

Der Wandel im deutschen Einzelhandel ist seit anderthalb Jahrzehnten in vollem Gange. Die Forschung von Creditreform und dem Handelsblatt Research Institute (HRI) zeigt: Zwischen 2010 und 2025 schrumpfte die Zahl der Einzelhandelsunternehmen um 16 Prozent auf 316.310.

Besonders dramatisch ist der Rückgang bei den Kleinsten. Betriebe mit einem Jahresumsatz unter 250.000 Euro verloren in diesem Zeitraum 28 Prozent ihrer Zahl – sie fielen auf 170.770. Ganz anders sieht es bei den Großen aus: Die Zahl der Unternehmen mit mehr als 25 Millionen Euro Umsatz hat sich auf 2.420 verdoppelt. Die Botschaft ist klar: Während inhabergeführte Tante-Emma-Läden verschwinden, teilen sich immer weniger Großkonzerne den Markt. Neben der Textilbranche sind auch der Buchhandel und die Süßwarenindustrie überdurchschnittlich von Pleiten betroffen.

2026 droht die nächste Eskalationsstufe

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt Alarm für das laufende Jahr. Die Prognose: Ein Nettoverlust von 4.900 Geschäften. Damit würde die Gesamtzahl der Einzelhandelsbetriebe erstmals unter die Marke von 300.000 fallen. Zum Vergleich: 2015 gab es noch 366.800 Läden.

Die „Ausfallstudie 2026“ der Creditreform Rating untermauert diesen Negativtrend. Lag die Unternehmensausfallrate 2025 bei 1,88 Prozent, soll sie 2026 auf 2,08 Prozent steigen. Das wäre der erste Wert über der Zwei-Prozent-Schwelle seit der globalen Finanzkrise. Die Gründe: ein lahmes Wirtschaftswachstum von nur 0,2 Prozent im Jahr 2025 und weiterhin hohe Betriebskosten.

Traditionsmarken geben auf

Die Krise zeigt sich auch in konkreten Schließungen. Der Passauer Hemdenhersteller Eterna stellt nach 163 Jahren den Betrieb ein. Das Unternehmen begründet den Schritt mit einer schwachen Konsumlaune und steigenden Kosten. Die Markenrechte übernimmt der Konkurrent Olymp.

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Auch die Warenhauskette Galeria kämpft ums Überleben. Berichten zufolge verhandelt das Unternehmen derzeit über einen Kredit von bis zu 200 Millionen Euro. Auslöser waren massive Umsatzeinbußen ab Oktober 2025 und ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft. Der Druck der Kreditversicherer wächst, während Galeria um die Stabilisierung seiner Finanzen ringt.

Globale Probleme verstärken den Druck

Die Schwierigkeiten beschränken sich nicht auf Deutschland. In den USA brachen die Aktienkurse großer Modemarken wie Gap und American Eagle Outfitters um mehr als zwölf Prozent ein. Grund: gesenkte Umsatzprognosen und Gewinnwarnungen wegen schwacher Nachfrage nach Damenbekleidung.

Auch Lieferkettenprobleme belasten die Branche. Im indischen Surat, einem der wichtigsten Textilzentren der Welt, hat eine Energiekrise zu einem Produktionsrückgang von 50 Prozent geführt. Rund 40 Prozent der 2,2 Millionen Textilarbeiter haben die Region bereits verlassen, da die Kosten für Gas auf dem informellen Markt explodiert sind.

Zurück in Deutschland: Die Stimmung bei Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Jimdo-ifo-Index für April 2026 zeigt: Rund 20,6 Prozent dieser Selbstständigen fürchten um ihre Existenz. Fast die Hälfte von ihnen klagt über einen eklatanten Auftragsmangel. Die Frage ist nicht mehr, ob weitere Pleiten kommen – sondern wie viele.

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