Einzelhandel-Streik, Verdi

Einzelhandel-Streik: Verdi fordert 250 Euro mehr in Hessen

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Verdi legt mit Warnstreiks in Hessen, Berlin und Brandenburg den Einzelhandel lahm. Der Tarifkonflikt verschärft sich, während die Süßwarenindustrie eine Einigung erzielt.

Verdi-Warnstreiks im Einzelhandel: Hessen, Berlin und Brandenburg betroffen
Menschenmenge vor einem modernen Einzelhandelsgeschäft, symbolisch für den Arbeitskampf im deutschen Handel. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Warnstreiks am Freitag: Verdi erhöht im Tarifstreit des Einzel- und Versandhandels massiv den Druck. Betroffen sind Hessen sowie Berlin und Brandenburg, nachdem die Arbeitgeber die Verhandlungen für Juli bundesweit abgesagt hatten.

Stillstand in Hessen: Streiks bei Rewe, H&M und Metro

In Hessen rief die Gewerkschaft für Freitag zu landesweiten Warnstreiks auf. Zentrale Standorte in Frankfurt am Main, Wiesbaden und Kassel sowie Betriebe in Mittel- und Südhessen sind betroffen. Die Arbeitgeberseite hatte geplante Verhandlungstermine im Juli gestrichen – eine Fortsetzung der Gespräche wird erst Mitte August erwartet.

In Wiesbaden konzentrierten sich die Aktionen auf eine Kundgebung am Mauritiusplatz. Namhafte Unternehmen wie Rewe, Penny, Kaufland, Douglas und Ikea sind laut Gewerkschaftsangaben betroffen. Auch bei H&M, Zara und Primark sowie im Großhandel bei Metro und in der Rewe-Logistik wurde die Arbeit niedergelegt. Die meisten Geschäfte blieben geöffnet, Kunden müssen jedoch mit längeren Wartezeiten rechnen.

Lohnforderung: 250 Euro mehr – oder droht der Mindestlohn?

Verdi fordert für den hessischen Einzelhandel eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 250 Euro sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütung um 150 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Verdi-Verhandlungsführer Thomas Vieweg begründete die Forderung mit einem drohenden Reallohnverlust durch das Arbeitgeberangebot: Dieses sehe lediglich Steigerungen von 2,4 Prozent im ersten und 2,0 Prozent im zweiten Jahr bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor.

Besonders kritisch sehen Gewerkschaftsvertreter wie Erik Reiter die unteren Entgeltgruppen. Die angebotenen Erhöhungen könnten dazu führen, dass die untersten Lohngruppen kaum noch Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn halten – der liegt derzeit bei 13,90 bis 14,22 Euro brutto pro Stunde. Die Frustration unter den Beschäftigten wachse daher stetig.

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Berlin und Brandenburg: Gysi solidarisiert sich

Parallel zu den Aktionen in Hessen mobilisierte Verdi auch im Groß- und Einzelhandel in Berlin und Brandenburg. Die Warnstreiks sind für Freitag und Samstag angesetzt. Eine zentrale Kundgebung fand am Berliner Wittenbergplatz statt – mit dabei: Politiker Gregor Gysi.

In dieser Region fordert die Gewerkschaft eine Entgelterhöhung von 7 Prozent, mindestens jedoch 222 Euro mehr pro Monat bei einjähriger Laufzeit. Verdi lehnt dabei explizit die Orientierung am bayerischen Abschluss ab. Das Modell aus dem Süden sieht 2,9 Prozent ab dem 1. August sowie weitere 2,1 Prozent ab Mai des Folgejahres vor – bei einer Gesamtlaufzeit bis April 2028. Die Gewerkschaft argumentiert: Eine Übernahme würde in Brandenburg dazu führen, dass untere Lohngruppen unter das Mindestlohnniveau fielen.

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Süßwarenindustrie: Einigung als Kontrastprogramm

Während der Konflikt im Einzelhandel eskaliert, gibt es in der hessischen Süßwarenindustrie Grund zur Entspannung. Für rund 6.000 Beschäftigte verständigten sich die Tarifparteien in Hofheim am Taunus auf eine stufenweise Anhebung der Entgelte um insgesamt 6,1 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

Zusätzlich erhalten die Mitarbeiter steuerfreie Erholungsbeihilfen in zwei Teilzahlungen von jeweils 80 Euro. Betroffen sind Produktionsstandorte von Ferrero, Intersnack sowie die Werke von Magnum und Waffel Löser. Der Arbeitgeberverband Ernährung Genuss bestätigte die Einigung – ein Zeichen der Planungssicherheit in einer Branche, die im Gegensatz zum Einzelhandel einen klaren Kurs gefunden hat.

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