Elektro-Industrie, BeschÀftigte

Elektro-Industrie: 60.000 BeschÀftigte bekommen 3,0% mehr Mindestlohn

Veröffentlicht am: 30.05.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach zwölfwöchigen Verhandlungen einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften auf einen neuen Kollektivvertrag fĂŒr rund 60.000 BeschĂ€ftigte der Elektro- und Elektronikbranche.

Elektro-Industrie: 60.000 BeschÀftigte bekommen 3,0% mehr Mindestlohn Illustration mit AI erstellt.
Elektro-Industrie: 60.000 BeschÀftigte bekommen 3,0% mehr Mindestlohn Illustration mit AI erstellt.

Nach zwölf Wochen intensiver Verhandlungen einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften am 28. Mai auf einen Abschluss – und verhinderten damit mögliche Streiks. Der Vertrag gilt rĂŒckwirkend ab 1. Mai 2026 fĂŒr rund 60.000 BeschĂ€ftigte.

Gestaffelte Lohnerhöhungen und neue Mindeststandards

Der zwölfmonatige Abschluss sieht eine mehrstufige Gehaltsanpassung vor. Die Mindestlöhne und -gehĂ€lter steigen um 3,0 Prozent. Das neue Einstiegsminimum liegt damit bei 2.553,12 Euro. Bei den Ist-Löhnen und -GehĂ€ltern gibt es eine Erhöhung von 1,85 Prozent plus eine fixe monatliche Zahlung von 22 Euro. Die Gewerkschaften beziffern die effektive Steigerung fĂŒr viele BeschĂ€ftigte auf bis zu 2,7 Prozent. Im Branchenschnitt liegt die Erhöhung bei 2,32 Prozent.

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Auch die Lehrlingseinkommen und diverse Zulagen – etwa ReisekostenentschĂ€digungen – steigen um 3,0 Prozent. Die sogenannte „Freizeitoption" bleibt erhalten: Wer möchte, kann seine Gehaltserhöhung in zusĂ€tzliche Freizeit umwandeln – sofern eine betriebliche Vereinbarung besteht.

Schichtzulagen steigen in Etappen

Ein Schwerpunkt des neuen Vertrags liegt auf den Schichtzulagen. Die PrĂ€mie fĂŒr die zweite Schicht steigt in drei Stufen auf 1,50 Euro pro Stunde bis 2028. FĂŒr 2026 sind 1,187 Euro vorgesehen, for 2027 dann 1,364 Euro.

Die Zulagen fĂŒr die dritte Schicht und Nachtarbeit werden in zwei Schritten auf 4,00 Euro pro Stunde bis 2027 angehoben. FĂŒr das laufende Jahr liegt der Satz bei 3,832 Euro. WĂ€hrend die meisten kollektivvertraglichen Zulagen um 3,0 Prozent steigen, werden ĂŒbertariflich gezahlte Zulagen um 2,32 Prozent angepasst.

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Gesundheitstage und erweiterte Pflegefreistellung

Der Sozialrahmen des Kollektivvertrags wurde um neue Gesundheitsleistungen erweitert. BeschĂ€ftigte erhalten kĂŒnftig Gesundheitstage – abhĂ€ngig von Alter und Betriebszugehörigkeit:

  • Ein Tag fĂŒr Mitarbeiter ĂŒber 40 mit 20 Dienstjahren
  • Zwei Tage fĂŒr ĂŒber 45-JĂ€hrige mit 20 Dienstjahren
  • Drei Tage fĂŒr ĂŒber 50-JĂ€hrige mit 20 Dienstjahren

Diese AnsprĂŒche entfallen in der Regel, wenn der Mitarbeiter bereits die sechste Urlaubswoche erreicht hat – Ausnahmen gelten fĂŒr die Gruppe der ĂŒber 50-JĂ€hrigen. ZusĂ€tzlich fĂŒhrt der Vertrag eine weitere Woche Pflegefreistellung speziell fĂŒr Eltern behinderter Kinder ein.

Verhandlungsmarathon und wirtschaftlicher Hintergrund

Der Abschluss kam in der fĂŒnften Verhandlungsrunde zustande. Die Gewerkschaften GPA und PRO-GE hatten ursprĂŒnglich 3,5 Prozent gefordert, die Arbeitgeber boten zunĂ€chst nur ein Prozent. In den Verhandlungen verwiesen die Gewerkschaften auf ein Produktionsplus von sieben Prozent im Jahr 2025 – Daten der Statistik Austria untermauerten diese Forderung.

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) betonte, dass der Abschluss deutlich unter der rollierenden Inflationsrate liege. FEEI-PrĂ€sident Hesoun erklĂ€rte, diese ZurĂŒckhaltung sei nötig, um die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit der Branche in schwierigen Zeiten zu sichern. Der Vertrag enthĂ€lt zudem eine HĂ€rtefallklausel: Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten können unter bestimmten Bedingungen einzelne VorrĂŒckungen oder volumenabhĂ€ngige Erhöhungen aussetzen.

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