Elektroschrott in Ghana: Accra setzt auf sauberes Recycling
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAccras HÀndler zwischen Arbeit und Umweltschutz
- In Accra reparieren HÀndler alte Elektronik, gewinnen Rohstoffe und verkaufen funktionsfÀhige GerÀte weiter.
- Die Behörden rĂ€umten 2021 die Halde in Old Fadama, doch HĂ€ndler machten andernorts weiter und kehren inzwischen zurĂŒck.
- Von 2016 bis April 2026 schulte die GIZ rund 1.500 SchrotthÀndler im sicheren Umgang mit AltgerÀten.
Ghana will seine Elektroschrottwirtschaft umweltfreundlicher machen, ohne den Menschen in Accra ihre Erwerbsgrundlage zu nehmen.
Deutschland verfehlt Sammelvorgabe
2025 kamen in Deutschland rund 3,4 Millionen Tonnen neue ElektrogerÀte auf den Markt. Offiziell eingesammelt wurden lediglich rund 960.000 Tonnen AltgerÀte; die gesetzliche Sammelvorgabe wird damit seit Jahren verfehlt.
In den GerĂ€ten stecken unter anderem Kupfer, Aluminium und Gold. Nach einer Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe könnten durch bessere Sammlung und Verwertung jĂ€hrlich zusĂ€tzliche Rohstoffe im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro zurĂŒckgewonnen werden.
Accra lebt von Reparatur und Weiterverkauf
Weltweit fielen nach Angaben der Vereinten Nationen 2022 rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Nur gut ein FĂŒnftel wurde nachweislich ordnungsgemÀà gesammelt und recycelt.
Ein Teil des Elektroschrotts gelangt trotz Exportverboten als angeblich funktionsfÀhige Gebrauchtware nach Afrika. In Accra werden GerÀte repariert, als Ersatzteillager genutzt oder wegen ihrer Rohstoffe zerlegt.
Agbogbloshie bleibt prÀgendes Symbol
2013 zÀhlten zwei Umweltorganisationen Agbogbloshie in Accra zu den zehn am stÀrksten verschmutzten Orten der Welt. Bilder vom Verbrennen der Kabelisolierung machten den Schrottplatz international bekannt.
Inzwischen soll die weit verzweigte Arbeit von Sammlern, HÀndlern und Handwerkern sauberer organisiert werden. Vincent Kyere vom ghanaischen Umweltministerium verweist dabei auch auf den wirtschaftlichen Wert, den die BeschÀftigten schaffen.
Maschinen ersetzen das Kabelverbrennen
Bei GreenAd wird die Isolierung alter Kabel maschinell entfernt. Sammler liefern die Kabel an und werden nach Preislisten fĂŒr die enthaltenen Rohstoffe bezahlt; nach Angaben des Projektmanagers nahm die Firma bereits mehr als 900 Tonnen Kabel an.
Saubere Verfahren setzen sich jedoch nur durch, wenn sie wirtschaftlich mithalten können. HĂ€ndler mĂŒssen sorgfĂ€ltiger sortieren, benötigen zusĂ€tzliches Personal und fĂŒrchten mögliche PreiseinbuĂen durch staatlich unterstĂŒtzte Abnehmer.
Gebrauchte Bildschirme werden Fernseher
Das Unternehmen Electro Recycling Ghana setzt aus gebrauchten Dell-Computermonitoren Fernseher zusammen. Ein deutsches Partnerunternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen liefert die GerÀte.
Die Fernseher kosten nach Angaben des Unternehmers Nana Yaw Konadu knapp 30 Euro. Sein Ansatz setzt zunÀchst auf Reparatur und Wiederverwendung, bevor GerÀte zerlegt werden.
Elektroschrott als globales Rohstoffproblem
Die Entwicklung in Ghana steht fĂŒr ein weltweites Dilemma: Alte ElektrogerĂ€te enthalten wertvolle Metalle, zugleich können unsachgemĂ€Ăe Verfahren Böden, GewĂ€sser und die Gesundheit der BeschĂ€ftigten belasten. Reparatur, Wiederverwendung und kontrollierte Zerlegung verbinden deshalb wirtschaftliche Interessen mit Umwelt- und Gesundheitsschutz.
Deutschland trĂ€gt dabei eine doppelte Verantwortung. Einerseits steigt die Menge neu verkaufter GerĂ€te, andererseits bleibt die offizielle Sammlung deutlich hinter dem Aufkommen zurĂŒck. Werden AltgerĂ€te nicht fachgerecht erfasst, gehen Rohstoffe verloren oder gelangen in informelle Handels- und Verwertungswege. FĂŒr Verbraucher bedeutet das: RĂŒckgabe und Recycling entscheiden mit darĂŒber, ob Materialien im Kreislauf bleiben.
Warum Accra fĂŒr den Wandel wichtig ist
In Accra treffen globale Warenströme auf eine lokale Reparatur- und Recyclingwirtschaft. Die dortigen HĂ€ndler und Handwerker verfĂŒgen ĂŒber Wissen, Netzwerke und Absatzwege, die fĂŒr eine bessere Verwertung genutzt werden können. Ein tragfĂ€higer Wandel muss daher Einkommen sichern und zugleich sichere technische Verfahren finanzierbar machen.
Entscheidend sind transparente Preise, verlÀssliche Abnehmer, Schulungen und Kontrollen entlang der gesamten Lieferkette. Die Beispiele maschineller Kabelverarbeitung und der Wiederverwendung von Bildschirmen zeigen, dass weniger belastende Verfahren wirtschaftlich interessant werden können, wenn sie dauerhaft Nachfrage finden.
