Elster-Reform: 11,5 Millionen können Steuererklärung per Klick abgeben
Veröffentlicht: 04.07.2026 um 21:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Seit dem 1. Juli können Millionen Deutsche ihre Steuererklärung per Knopfdruck abgeben. Die neue Elster-Funktion klingt verlockend – doch Experten warnen vor versteckten Fallstricken.
Ein-Klick-Steuer: Schnell, aber riskant
Rund 11,5 Millionen Steuerpflichtige können ab sofort von der neuen Funktion profitieren. Die Idee: Ledige, kinderlose Arbeitnehmer und Rentner ohne Nebeneinkünfte übermitteln ihre Daten mit einem Klick über die Elster-App. Die Finanzbehörden versprechen sich davon weniger Bürokratie.
Doch Branchenbeobachter raten zur Vorsicht. Das Problem: Die Basisversion erfasst viele individuelle Abzugsposten nicht automatisch. Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen bleiben oft unberücksichtigt. Wer mehr geltend machen will als die Pauschbeträge, sollte lieber auf detaillierte Angaben oder spezialisierte Steuersoftware setzen. Sonst riskiert man die durchschnittliche Rückerstattung von über 1.000 Euro.
Rentner im Fokus: Höhere Bezüge, höhere Steuerlast
Für Senioren bringt der Juli 2026 ebenfalls Neuerungen. Die Rentenerhöhung um 4,24 Prozent schiebt mehr Menschen in die Steuerpflicht. Der Grundfreibetrag liegt bei 12.348 Euro für Alleinstehende und 24.696 Euro für Paare. Ab einer monatlichen Bruttorente von etwa 1.225 Euro wird es steuerlich relevant.
Besonders Neurentner müssen aufpassen: Wer 2026 in den Ruhestand geht, versteuert 84 Prozent seiner Bezüge. Nur 16 Prozent bleiben steuerfrei – und dieser Betrag wird für die gesamte Rentenlaufzeit festgeschrieben. Immerhin: Pflegeheimkosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen lassen sich weiterhin absetzen.
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Einkommensteuer-Reform: Was ab 2027 kommt
Die Bundesregierung hat eine umfassende Reform beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 tritt sie in Kraft, 2028 soll sie voll wirken. Das jährliche Entlastungsvolumen: rund 10 Milliarden Euro.
Die Kernpunkte:
- Grundfreibetrag steigt in zwei Schritten auf bis zu 12.900 Euro
- Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift erst ab 70.600 Euro Einkommen
- Reichensteuer wird verschärft: 47 Prozent ab 280.000 Euro, 45 Prozent bereits ab 250.000 Euro
- Kindergeld steigt auf 272 Euro pro Monat
- Arbeitnehmerpauschbetrag wird auf 1.430 Euro angehoben
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat durchgerechnet: Familien mit zwei Kindern und mittleren Einkommen profitieren am stärksten. Ab 2028 können sie mit über 600 Euro Entlastung pro Jahr rechnen. Singles und Alleinerziehende bekommen weniger, aber immerhin etwas.
Erbschaftsteuer: Immobilienwerte steigen – Freibeträge nicht
Auch bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer sollten Immobilieneigentümer 2026 hellhörig sein. Die Freibeträge liegen bei 500.000 Euro für Ehegatten und 400.000 Euro für Kinder pro Elternteil. Angesichts steigender Immobilienpreise werden sie zunehmend überschritten.
Ein Trick: das Familienheimprivileg. Es ermöglicht die steuerfreie Übertragung von Wohnraum bis zu 200 Quadratmetern an Kinder – sofern diese selbst einziehen. Auch Schenkungen unter Vorbehalt eines Nießbrauchs oder Wohnrechts gelten als sinnvolle Strategie. Wichtig: Die Freibeträge lassen sich alle zehn Jahre neu ausschöpfen.
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Eine administrative Erleichterung gibt es für Menschen mit Schwerbehinderung: Ab 2026 übermitteln Versorgungsämter Daten zur Behinderung automatisch an die Finanzverwaltung. Zudem bestätigen Gerichtsurteile: Für den Abzug von Behandlungskosten bei behinderten Kindern reicht ein fachärztliches Attest – ein zusätzliches amtsärztliches Gutachten ist nicht nötig, sofern das Attest vor Behandlungsbeginn vorliegt.
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