Energiekosten, Familien

Energiekosten 2027: Familien könnten beim Gas bis zu 508 Euro mehr zahlen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verivox erwartet höhere Netzkosten, doch die Belastung variiert regional; endgültige Entgelte für 2027 stehen noch aus.
Hochspannungsmasten in einer weiten, ländlichen Landschaft bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

Die Gebühren für die Nutzung der Strom- und Gasnetze ziehen im kommenden Jahr deutschlandweit an. Wie aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervorgeht, steigen die Netzentgelte für Strom im Jahr 2027 im Bundesdurchschnitt um 1,9 Prozent, während die Entgelte beim Gas um rund 3 Prozent zulegen. Die Untersuchung stützt sich auf vorläufige Angaben, die 84 Prozent der Haushalte beim Strom und 81 Prozent beim Gas abdecken.

Für Verbraucher bedeutet diese Entwicklung zusätzliche Ausgaben bei den Energiekosten. Nach Berechnungen von Verivox muss ein Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) im Schnitt mit Mehrkosten von rund 8 Euro brutto pro Jahr rechnen. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh beläuft sich das über die Netzkosten bedingte Plus auf rund 19 Euro brutto jährlich.

Ausgeprägte regionale Unterschiede zwischen Nord, Süd und Ost

Hinter den bundesweiten Durchschnittswerten verbergen sich erhebliche regionale Differenzen. Bei den Stromnetzentgelten zeichnet sich ein West-Ost-Gefälle ab: Während in den alten Bundesländern durchschnittliche Mehrkosten von rund 10 Euro anfallen, ergibt sich für die neuen Bundesländer eine rechnerische Entlastung von rund 3 Euro.

Den stärksten Anstieg verzeichnet Hamburg mit einem Plus von 9 Prozent, was für 4.000 kWh etwa 52 Euro Mehrkosten bedeutet. In Thüringen hingegen sinken die Gebühren, sodass sich Verbraucher dort über eine Ersparnis von etwa 11 Euro freuen können.

Auf Länderebene fallen die Niveaus sehr unterschiedlich aus. Für 4.000 kWh Strom betragen die Netzentgelte im Bundesdurchschnitt 428 Euro. In Niedersachsen liegen sie bei 384 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern bei 340 Euro, während sie in Baden-Württemberg höher ausfallen.

In Sachsen-Anhalt steigen die Stromnetzentgelte für denselben Verbrauch um rund 67 Cent auf knapp 397 Euro brutto, womit das Land unter dem bundesweiten Mittelwert von rund 436 Euro bleibt. In Sachsen zeigen sich die Stromnetzkosten stabil bei 408 Euro.

Beim Gas zeigt sich ein ähnliches Bild: Überdurchschnittlich stark klettern die Gebühren in Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. In Hamburg beträgt das Plus 7 Prozent, was bei 20.000 kWh Jahresverbrauch rund 35 Euro mehr ausmacht.

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Dagegen gibt es in Sachsen und Thüringen leichte Entlastungen. In Sachsen-Anhalt steigen die Gasnetzentgelte für 20.000 kWh um etwa 5,40 Euro auf rund 724 Euro brutto. In Sachsen sinken die Entgelte für diese Verbrauchsmenge um rund 5 Euro auf 741 Euro brutto.

Gekürzter Bundeszuschuss und sinkender Gasverbrauch

Verivox führt die Entwicklung im Gasbereich unter anderem auf den verringerten Gasverbrauch seit dem Wegfall des russischen Pipeline-Gases im Jahr 2022 zurück. Da das verbrauchte Volumen zurückgegangen ist, verteilen sich die fixen Kosten für den Netzbetrieb auf weniger Kilowattstunden.

Beim Strom wirken sich Veränderungen auf der Übertragungsebene aus. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW bezifferten die vorläufigen bundesweiten Netzentgelte auf der Höchst- und Umspannungsebene am 19. Oktober 2026 auf durchschnittlich 3,54 Cent pro Kilowattstunde für 2027, nachdem der Wert im Jahr 2026 noch bei 2,86 Cent pro Kilowattstunde gelegen hatte.

Ohne den Bundeszuschuss läge dieser Wert bei 6,52 Cent pro Kilowattstunde. Die Bundesregierung kürzt den Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten für das Jahr 2027 auf 5,525 Milliarden Euro – nach rund 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026. Dieser gekürzte Betrag ist nach Regierungsplänen bis 2029 abgesichert.

Der Bundesrat hatte am 16. Oktober 2026 gefordert, den bisherigen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro auch für den Zeitraum von 2027 bis 2029 beizubehalten.

Auf der Ebene der Verteilnetze ermittelte der Informationsdienstleister ene't am 19. Oktober 2026 für einen Musterhaushalt mit 4.000 kWh Kosten von 354,39 Euro, was bundesweit rund 1 Prozent weniger als 2026 entspricht. Doch auch hier schwanken die Werte je nach Betreiber stark: Bei Bayernwerk steigen die Entgelte um 10,6 Prozent, während Westnetz ein Minus von 8,8 Prozent verbucht.

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Aussichten für Endverbraucher

Verivox-Energieexperte Thorsten Storck wies darauf hin, dass die Großhandelspreise den Haupttreiber bei den Energiekosten darstellten und Versorger diese im Bereich von 10 bis 20 Prozent an die Kunden weitergeben. Für ein Einfamilienhaus seien aufs Jahr gerechnet Mehrkosten von bis zu 500 Euro möglich.

Bei einem prognostizierten Gaspreisanstieg um 20 Prozent zum Jahreswechsel 2027 würde der durchschnittliche Gaspreis von 12,7 auf 15,2 Cent pro Kilowattstunde steigen. Die Gesamtmehrbelastung beziffert Verivox in diesem Szenario inklusive der Netzentgelte für Alleinstehende mit 5.000 kWh Verbrauch auf rund 127 Euro, für Paare auf 254 Euro und für Familien mit 20.000 kWh auf 508 Euro.

Bis zu den endgültigen Bescheiden für 2027 stehen noch mehrere Fristen an: Die Übertragungsnetzbetreiber müssen die KWKG-Umlage und die Offshore-Netzumlage für 2027 bis zum 25. Oktober 2026 nach Vorgabe des Energiefinanzierungsgesetzes veröffentlichen.

Grundversorger sind gesetzlich verpflichtet, Tarifänderungen zum 1. Januar 2027 bis zum 20. November 2026 bekannt zu geben. Die finalen Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber werden im Dezember 2026 festgesetzt. Sollte bis zum 7. Dezember 2026 keine Rechtssicherheit bestehen, rechnen die Betreiber mit noch höheren Entgelten.

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